Helen Macdonald: H wie Habicht

»Der Habicht war all das, was ich sein wollte«

Schwer zu sagen, was mich an Helen Macdonalds H wie Habicht von Beginn an fasziniert hat. Ich lese für gewöhnlich keine Sachbücher, schon gar nicht über etwas, das mir einigermaßen gleichgültig ist – und Greifvögel sind es. Ich weiß rein gar nichts über sie und verbinde nichts mit ihnen: Warum mich also über vierhundert Seiten mit ihnen befassen? Vielleicht ist es dieselbe unerklärliche Faszination, die auch die Reihe »Naturkunden« aus dem Hause Matthes & Seitz ausübt. Wie gut jedenfalls, dass ich meinem Instinkt schließlich gefolgt bin: H wie Habicht ist ein eindrucksvolles Hybrid aus Naturbetrachtung, Selbsterfahrungsbericht und literaturgeschichtlichem Essay, es zeigt, das jede dieser Gattungen ein literarisches Ereignis sein kann.

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Lionel Shriver: Wir müssen über Kevin reden

Lionel Shriver - We Need to Talk About Kevin (c)

»At least if I got pregnant, something would happen«

We Need to Talk About Kevin aus dem Jahre 2003 ist mitnichten der erste Roman der amerikanischen Schriftstellerin und Journalistin Lionel Shriver, aber es ist derjenige, mit dem sie internationalen Ruhm erlangte. 2005 wurde er mit dem renommierten britischen Orange Prize for Fiction ausgezeichnet, vor zwei Jahren mit Tilda Swinton in der Hauptrolle verfilmt. Eine Erfolgsgeschichte, die mich kaum erstaunt, ist doch dieses Drama (manch einer nennt es auch Thriller) um den Amokläufer Kevin buchstäblich atemberaubend: Derart beklemmend ist die Geschichte, derart erschüttert bin ich über ihren Ausgang, dass ich beim Lesen keine Luft bekomme.

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