Lesungen II/2016

Wenn das Jahr sich dem Ende zuneigt, sind Rückblicke naheliegend. Auch ich blicke zurück – allerdings nicht auf meine literarischen, musikalischen und filmischen Highlights 2016 (das folgt noch), sondern auf die Lesungen, die ich in den vergangenen Monaten besucht habe. Für gewöhnlich teile ich meine Eindrücke auf Facebook, eine Zusammenfassung gibt es in unregelmäßigen Abständen hier im Blog: Den Anfang machten vier Veranstaltungen im Frühjahr, nun folgen sechs hinreißende Herbst-Happenings. Und da am Jahresende nicht nur Rückblicke, sondern auch Vorschauen verlockend sind, kann ich an dieser Stelle schon verraten, dass ich mich 2017 unter anderem auf Lesungen mit Katharina Winkler, Isabelle Lehn, Shida Bazyar, Roman Ehrlich, Zsuzsa Bánk und Paul Auster freue.

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Thomas Melle: Die Welt im Rücken

»Er war der Rowdy, dann die Leiche. Und jetzt ist der Bipolare der Entfremdete schlechthin.«

Thomas Melle weiß, wie er den bibliophilen Leser einfängt. Sein viertes Buch Die Welt im Rücken, eine Auseinandersetzung mit seiner manisch-depressiven Erkrankung, beginnt mit den Worten, er müsse von einem Verlust berichten: dem Verlust seiner Bibliothek. Er hat sie in den vergangenen Jahren verscherbelt, verschenkt, weggeworfen. Jeder, der selbst Bücher besitzt, sie nicht nur liest, sondern hortet, archiviert und pflegt, der kann Melles Schmerz nachempfinden. Es sind ja nicht bloß Bücher, Objekte; sie sind der Spiegel eines ganzen Lebens, für manche gar identitätsstiftend. Auf den letzten Seiten des Berichts kehrt Melle zu seiner Bibliothek zurück, erzählt, wie sie allmählich wieder wächst und wie er Hoffnung schöpft, eines Tages erneut ein geordnetes Leben führen zu können: »Die Welt im Rücken, werde ich nicht aufgeben.«

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