»Immer ist alles schön«

Vier Bücher, vier brüchige Kindheiten

Ich bin versucht zu sagen, es ist Zufall, dass ich zuletzt gleich mehrere Romane gelesen habe, die von der Kindheit handeln und davon, wie sie in uns nachwirkt. Aber vielleicht stimmt das gar nicht, vielleicht ist es kein Zufall, sondern ganz und gar zwingend. Vielleicht ist die Kindheit ein magischer Ort, der uns in seinem Bann hält und immer wieder zurückholt, mehr als jeder andere Ort; mit ihr hat es schließlich begonnen, aus ihr ist alles Weitere entstanden. Wir erinnern uns und erzählen einander davon, wir suchen uns in den Erzählungen der anderen, spiegeln uns darin oder grenzen uns davon ab. Darum greifen wir fortwährend zu diesen Geschichten: um uns unserer eigenen Geschichte zu vergewissern.

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Yael Pieren: Storchenbiss

Pieren - Storchenbiss (c)

»Jetzt setze ich langsam zusammen, wer ich bin«

»Und kommt wieder einmal jemand durch die Tür und fordert mich zur Nähe auf, habe ich keine Angst mehr.« So endet der Kurztext »Das vorgegebene Regelwerk« der jungen Schweizerin Yael Pieren, der in der 36. Ausgabe der BELLA triste abgedruckt ist und mich überhaupt erst auf die Autorin aufmerksam gemacht hat. Einst wurde die Ich-Erzählerin gewaltsam an den Handgelenken festgehalten, wurde versehrt, wurde »verseucht«, nun findet sie allmählich zurück zu sich, zu ihrem Körper, zu den Menschen, die sie umgeben. Die namenlose Figur, die uns gleich zu Beginn von Pierens Debütroman Storchenbiss (Rotpunktverlag, 2012) begegnet, durchläuft ebenfalls einen solchen Prozess der Selbstvergewisserung, auch wenn ihre Wunden ganz anderer Natur sind, tiefer liegen und weiter zurück; weit vor ihrer Geburt. Es ist eine Auseinandersetzung mit dem Vergangenen, um das, was jetzt ist, zu begreifen und zu bewältigen.

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