Sandrone Dazieri: In der Finsternis

Dazieri - In der Finsternis (c)

»Die Welt ist eine gewölbte Wand aus grauem Beton«

Spannungsliteratur aus Italien hat sich längst auf dem deutschsprachigen Markt etabliert, auch jenseits des sizilianischen Schriftstellers Andrea Camilleri, der nunmehr seit fast vierzig Jahren aktiv ist und von dem jedes Jahr gleich mehrere Bücher bei uns erscheinen. Massimo Carlotto, Gianrico Carofiglio, Roberto Costantini, Giancarlo de Cataldo, Giorgio Faletti, Carlo Lucarelli, Marco Malvaldi – vom beschaulichen Regiokrimi, dessen Cover Zypressenhaine zieren, über den Mafia-Roman bis hin zum blutigen Thriller ist alles dabei (einen Überblick gibt es bei Thomas Wörtches kaliber .38 und auf der Krimi-Couch). Sandrone Dazieri ist bislang vor allem mit einer Noir-Reihe in Erscheinung getreten (deren ersten beiden Teile auf Deutsch bei Grafit erschienen, inzwischen aber nicht mehr lieferbar sind). Nun sorgt er mit dem Thriller In der Finsternis für Furore – hoffentlich auch hierzulande.

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Ramona Ausubel: Der Anfang der Welt

Ausubel - Der Anfang der Welt (c)

»Alle Geschichten waren Geschichten vom Wandern, vom Verlorensein, vom Neubeginn«

Für Leser von Jonathan Safran Foer und Nicole Krauss: So kündigte der Piper Verlag Ramona Ausubels Debüt No One Is Here Except All of Us an, dessen deutsche Übersetzung vor knapp einem Jahr unter dem – etwas weniger poetisch-rätselhaften – Titel Der Anfang der Welt (und mit einem etwas weniger suggestiven Cover) erschienen ist. Auch die amerikanische Presse, etwa die New York Times, sah Parallelen zu Foers herausragendem Werk Alles ist erleuchtet; hierzulande blieb Ausubels Roman hingegen weitgehend unbeachtet. Zu Unrecht, denn Der Anfang der Welt ist – trotz Schwächen – voller Magie.

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Eva Lohmann: Kuckucksmädchen

Eva Lohmann - Kuckucksmädchen (c)

»Welcher Spielverderber hat eigentlich das Karussell angehalten?«

Anfang des Jahres las ich Eva Lohmanns Debütroman, dessen depressive Protagonistin Mila ich für acht Wochen in eine Klinik folgte. Nun treffe ich sie unverhofft wieder, in Lohmanns zweitem Roman, Kuckucksmädchen, der soeben im Piper Verlag erschienen ist. Mila spielt darin zwar nur eine kleine, aber doch eine wesentliche Rolle: Sie bringt Wanda, so heißt die Protagonistin diesmal, einen entscheidenden Schritt weiter auf ihrer Suche nach Antworten. Mila ist mittlerweile angekommen – ganz im Gegenteil zu Wanda, bei der alles so hübsch geordnet wirkt und die auf einmal dennoch gehörig ins Straucheln gerät. Schuld daran ist ihr kleines, verwirrtes Herz. Ihr beim Taumeln zuzusehen ist amüsant, manchmal auch traurig, und je mehr sie umherirrt, desto weniger weiß ich, auf wessen Füße ich eigentlich schaue, ihre oder meine eigenen.

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Eva Lohmann: Acht Wochen verrückt

Anatomie einer verrückten Seele

Letztes Jahr las ich das 2009 erschienene Mängelexemplar von Sarah Kuttner – ein Werk, dem ich gewiss keine Aufmerksamkeit hätte zukommen lassen, wäre es mir nicht geschenkt worden. Umso überraschender war dann die positive Leseerfahrung, die mir das Buch bescherte: Sicher, Sarah Kuttners Romane sind keine Hochliteratur, sie schreibt in etwa so, wie sie spricht – plappernd, salopp, »leichtfüßig«, wie mara es nannte. Doch obgleich ich in der Belletristik nicht selten den Worten eine größere Bedeutung beimesse als der erzählten Geschichte, störte mich Kuttners Redefluss keineswegs, sondern empfand ihn eher als nonchalant. Ungekünstelt, nah am Leben, nah an meiner Generation. Ebenso wie die Problematik, die in Mängelexemplar auf sehr authentische Weise thematisiert wird: Depressionen.

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