Saša Stanišić: Fallensteller

»Es ist Zeit vergangen, seit du bei uns warst. Jetzt gibt’s wieder was zu erzählen.«

Zuerst begegneten mir diese Geschichten Ende letzten Jahres, als Saša Stanišić sie gemeinsam mit Tilman Rammstedt in Frankfurt vortrug – ein irre komischer Abend. Aber das stimmt nicht ganz, sie sind mir schon viel früher begegnet, 2014 war das. Damals las ich Stanišić’ Roman Vor dem Fest, und auf einmal waren mir lauter schrullige Dörfler aus der Uckermark ans Herz gewachsen. Jetzt sind sie alle wieder da, bekommen im jüngsten Werk des Autors, dem Erzählband Fallensteller, ein Nachleben. Ich hatte ja keine Ahnung, als ich das Buch aufschlug, und da sitze ich nun inmitten alter Freunde und kann mein Glück kaum fassen.

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»Durst war ja auch nur ein Synonym für Leben«

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Mit Kracht, Fauser, Haas und Knausgård im Urlaub

Kürzlich war ich im Urlaub. Zwar hatte ich kein türkisblaues Meer vor mir und keinen weißen Sandstrand unter mir, keinen Strohhut auf dem Kopf und keinen Cocktail in der Hand, aber da ich all das in meiner Vergangenheit als Inselkind ohnehin im Überfluss hatte, war ich keinesfalls traurig. Stattdessen machte ich es mir im beschaulichen Oberbayern schön, erklomm die Voralpen, radelte am Ufer des Ammersees, winkte Kühen zu, die müde auf der Weide standen, fuhr Kanu und Tretboot, badete in Flüssen und baute Sandburgen mit meinem Neffen, trank Bier und aß Kaiserschmarrn, oben in der Almhütte, und jede Menge Eis noch dazu. Und manchmal, wenn es gerade sonst nichts zu tun und zu gucken gab, las ich.

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Saša Stanišić: Vor dem Fest

Stanisic - Vor dem Fest (c)

»Vielleicht feiern wir einfach, dass es das gibt: Fürstenfelde.
Und was wir uns davon erzählen.«

Eine Sache sei vorweg gesagt: Saša Stanišić’ zweiter Roman Vor dem Fest ist nicht das Meisterwerk, als das er vielerorts gefeiert wurde. Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und nominiert für den Deutschen Buchpreis, war er letztes Jahr in aller Munde – zumal acht Jahre seit Stanišić’ hochgelobtem Erstling Wie der Soldat das Grammofon repariert vergangen waren und die Erwartungen entsprechend groß gewesen sein dürften. Den zahlreichen hymnischen Besprechungen kann ich mich zwar nicht uneingeschränkt anschließen – und doch: Vor dem Fest ist ein ziemlich gutes Buch.

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