10 beste Indiebooks

Unter dem Hashtag #wereadindie wollen wir, das Team vom gleichnamigen Gemeinschaftsblog, Leserinnen und Leser dazu anregen, von ihren liebsten Büchern aus unabhängigen Verlagen zu erzählen. Freilich braucht es dazu keinen Anlass, es lohnt immer, über besondere Literatur zu reden, andere mit der eigenen Begeisterung anzustecken und sich wiederum anstecken zu lassen – wir Indie-Bloggerinnen und -Blogger tun das seit dreieinhalb Jahren unablässig. Und dennoch gibt es nun einen aktuellen Anlass: Im Frühjahr dieses Jahres hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die jährlichen Ausschüttungen der VG Wort zu Unrecht auch an die Verlage gingen, sie seien lediglich Verwerter, keine Urheber; jetzt wurden die Rückzahlungsaufforderungen verschickt (mehr dazu hier). Kleinverlage trifft dies besonders hart, einigen droht gar die Insolvenz.

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Daniel Woodrell: Tomatenrot

Daniel Woodrell - Tomatenrot (Liebeskind Verlag)

»Ich war am Rand der Welt geboren, klar, aber in die Grube war ich selbst gesprungen.«

Die Ozark Mountains kenne ich gut, ich war schon ein paarmal da. Eine raue, nicht gerade gastfreundliche Gegend, die sich über weite Teile des südlichen Missouri und des nördlichen Arkansas erstreckt. Wahrscheinlich gibt es auch reizende Ecken, aber ich halte mich für gewöhnlich dort auf, wo es ungemütlich ist. Wo es wehtut. Und obwohl mit etlichen Blessuren zu rechnen ist, kehre ich immer wieder zurück. Schuld daran ist Daniel Woodrell, der selbst aus dem Gebiet stammt und die meisten seiner Bücher ebendort ansiedelt. Tomatenrot ist eines davon, und dem Liebeskind Verlag ist es zu verdanken, dass dieser Roman aus dem Jahre 1998, einst bei Rowohlt erschienen, zuletzt aber nur noch antiquarisch erhältlich, hierzulande nicht in Vergessenheit gerät.

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»Der Stärkere besiegt den Schwächeren, so geht der Krieg«

Berg 01

Das finstere Tal, Winter in Maine und Krieg

Neulich habe ich Das finstere Tal gesehen, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Thomas Willmann, der 2010 im Liebeskind Verlag erschienen ist. Einen Vergleich kann ich nicht anstellen, da ich das Buch noch nicht gelesen habe, doch daran, dass es sich um einen rundum gelungenen Film handelt, besteht kein Zweifel. Ich habe ein Faible für düstere Geschichten, und düster ist diese Geschichte allemal: In einem Winter vor über einem Jahrhundert taucht ein Fremder in einem abgeschiedenen Bergdorf auf und begibt sich auf einen Rachefeldzug. Regisseur Andreas Prochaska hat das derart herausragend inszeniert, dass es einem allein vom Zuschauen fröstelt.

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Cynan Jones: Graben

Jones - Graben (c)

»So als wüssten sie, dass er gleich von etwas entsetzlich Großem niedergewalzt würde«

»Niederwalzen«: Will man über die Art von Literatur reden, die der Münchner Verlag Liebeskind macht, dann ist dieses Wort zweifelsohne angemessen. Gewiss, das Programm ist vielseitig, es finden dort auch das zauberhaft-surreale Werk der Japanerin Yoko Ogawa Platz oder humorvolle Titel wie Mordecai Richlers Wie Barney es sieht und aktuell Das Liebesleben des Nathaniel P. von Adelle Waldman. Und doch: Der Schwerpunkt liegt woanders, beim literarischen Noir nämlich, der zwar erst 2005, fünf Jahre nach der Verlagsgründung, einen Platz im Programm bekam, seither aber so stark wie keines der anderen Segmente in der Wahrnehmung von Presse und Publikum verhaftet ist. David Peace erscheint hier, James Sallis, Pete Dexter, Donald Ray Pollock, Daniel Woodrell – allesamt hochkarätige Vertreter einer Literatur, die rau ist und düster, die dorthin geht, wo es wehtut, von einer maroden Welt erzählt und in marode Seelen eindringt. In diesem Frühjahr ist ein neuer Name hinzugekommen: Cynan Jones. Und niederwalzen, das kann auch er.

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Daniel Woodrell: Der Tod von Sweet Mister

Daniel Woodrell - Der Tod von Sweet Mister (Liebeskind Verlag)

»Ich wünschte, ich könnte sagen, dass nichts von alledem passiert ist«

Kürzlich ist Daniel Woodrells neuer Roman erschienen, In Almas Augen heißt er und steht derzeit auf Platz 3 der viel beachteten KrimiZEIT-Bestenliste, die, sofern man anspruchsvolle Krimis schätzt, immer einen Blick wert ist. Bevor ich mich allerdings Woodrells aktuellem Werk widme, hole ich einen älteren Roman hervor: Der Tod von Sweet Mister, erschienen vor zwei Jahren im Liebeskind Verlag, gut ein Jahrzehnt später als das Original. Es hat wohl den Schub von Winter’s Bone gebraucht, dessen gleichnamige Verfilmung 2011 in die Kinos kam (parallel zum Erscheinen der deutschen Übersetzung Winters Knochen) und dem amerikanischen Schriftsteller endlich auch bei uns zu Ruhm verhalf, obgleich da bereits eine Handvoll Titel von ihm auf Deutsch erschienen waren, etwa die Bayou-Trilogie. Jede Menge Stoff, den es nachzuholen gilt – denn eines steht fest: Von Woodrell werde ich mir kein einziges Buch entgehen lassen.

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Yoko Ogawa: Schwimmen mit Elefanten

Yoko Ogawa - Schwimmen mit Elefanten (c)

»Der Ozean des Schachs dehnte sich endlos aus und war unermesslich tief, aber sie hatten nichts zu befürchten«

Es ist noch nicht lange her, dass Haruki Murakami und ich aneinandergeraten sind, seither tänzle ich misstrauisch um ihn herum, bin manches Mal kurz davor, ihm zu verzeihen und die Hand zu reichen, um dann in letzter Sekunde doch zurückzuweichen. Dabei ist, so liest man andernorts, sein neuester Roman Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ein »Gesamtkunstwerk«, eine »besonders köstliche Delikatesse«. Die Zweifel bleiben, und dennoch bin ich nun erneut mit der japanischen Literatur auf Tuchfühlung gegangen – nicht mit dem Großmeister, sondern mit Yoko Ogawa, die als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen ihres Landes gilt und deren umfangreiches Werk im Liebeskind Verlag erscheint.

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James Sallis: Driver

Sallis - Driver (c)

»Das erste Licht des Morgengrauens, die Welt da draußen flickte sich wieder zusammen, während er ihr zuschaute.«

Driver fährt, sonst nichts. Er definiert sich durchs Fahren, so sehr, dass er für alle nur Driver ist – seinen richtigen Namen erfahren wir im ganzen Roman nicht. Wie wir auch so vieles andere nicht erfahren: Die Geschichte, die uns James Sallis in diesem 2005 erschienenen und zwei Jahre später ins Deutsche übertragenen Krimi erzählt, setzt sich aus Fragmenten zusammen, aus Splittern einer von Anfang an gebrochenen Biografie, die der Leser selbst in seinem Kopf zusammenfügen muss. Mühsam ist diese Arbeit, nicht jedes Stück fällt an seine Stelle, und immer wieder läuft man Gefahr, sich an den scharfen Kanten zu schneiden – doch das ist es wert. Man wird belohnt mit einem Roman, der so faszinierend unterkühlt und wortkarg ist wie sein Held und den Leser trotzdem – oder gerade deshalb – mit voller Wucht erwischt.

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