Shaun Usher: Letters of Note. Briefe, die die Welt bedeuten

»Ich liebe brüchige, spröde, knisternde Worte.«

Wuchtig ist dieses Buch, mit seinen 20 x 28 cm und gut vierhundert Seiten liegt es schwer in den Händen: Letters of Note. Briefe, die die Welt bedeuten, herausgegeben von Shaun Usher. Im November ist es im Heyne Verlag erschienen, verschiedene Schriftsteller und Übersetzer haben die Briefe ins Deutsche übertragen, darunter Ulrike Draesner, Timur Vermes und Zoë Beck (analog dazu wurde das Hörbuch von unterschiedlichen Sprechern, u.a. Lars Eidinger und Anna Thalbach, eingelesen). Dieser äußerlich wie inhaltlich imposanten Sammlung wird nun ein Abend in der Alten Feuerwache Mannheim gewidmet: Die Schauspieler Marion Mainka und Richy Müller lesen ausgewählte Briefe vor, durch die Veranstaltung führt Radio- und Fernsehmoderator Jörg Thadeusz.

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Robert Seethaler liest aus »Ein ganzes Leben«

»Am Berg bin ich der Einzige, der gerade geht.«

Das letzte Mal, dass ich Robert Seethaler auf der Bühne erlebt habe, war im November im Frankfurter Literaturhaus. Der Saal war damals gut gefüllt, rund hundert Leute dürften da gewesen sein – ein voller Erfolg also. In der Alten Feuerwache Mannheim sind es etwa dreimal so viele, man spürt die Festivalatmosphäre. Das Glück des lesen.hören-Teams ist es aber auch, dass Seethalers Roman Ein ganzes Leben, das im vergangenen Jahr bei Hanser Berlin erschienen ist und aus dem er an diesem Abend liest, seit Monaten weit oben auf der Bestsellerliste rangiert; zu jenem Zeitpunkt, als der Autor eingeladen wurde, war das noch nicht absehbar.

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Die wunderbare Welt der Kontaktanzeigen mit Roger Willemsen und Katrin Bauerfeind

»Ich lache nicht im Keller. Demnächst mit dir.«

Im Netz gibt es ganze Sammlungen von Fotos, deren eigentliche Funktion es ist, das Objekt in Frage anzupreisen, Bilder aus Immobilienannoncen etwa oder in Kochportalen, die jedoch derart missglückt sind, dass sie eine unfreiwillige Komik bergen und ihr Ziel gänzlich verfehlen. Freiwillig, meistens aber doch unfreiwillig komisch ist auch so manche Kontaktanzeige: auch sie eine Form des Anpreisens, nur um ein Vielfaches heikler, weil sie allein mit Worten auskommen muss, weil das angepriesene Objekt man selbst ist und weil in ihr etwas so Großes verhandelt wird wie die Liebe. Roger Willemsen hat sich ihrer angenommen, hat jahrelang an noch so abwegigen Orten recherchiert und dabei allerlei Erstaunliches, Skurriles und auch Befremdliches zutage gefördert. Das Bühnenprogramm »Die wunderbare Welt der Kontaktanzeigen« feierte gestern im Rahmen des Mannheimer Literaturfests lesen.hören Premiere.

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Christian Ankowitsch oder Warum Einstein niemals Socken trug

»Nein, es ist nicht egal, was ihr unten drunter anhabt.«

Als ich an diesem Abend zwanzig vor acht den Saal der Alten Feuerwache betrete, ist er bereits ordentlich gefüllt. Die Veranstaltung ist beinahe ausverkauft, halb Mannheim scheint gekommen zu sein, um jenen Mann zu sehen, der vielen als »grandioser Verwalter des unnützen Wissens«, wie Roger Willemsen es in seiner Ankündigung ausdrückt, bekannt ist, einigen aber auch als Moderator des Klagenfurter Bachmann-Wettlesens: Christian Ankowitsch. Gerade ist sein neuestes Buch bei Rowohlt Berlin erschienen, Warum Einstein niemals Socken trug. Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst, nun präsentiert er es zum ersten Mal vor Publikum. Und greift zu Beginn die Worte des Gastgebers auf: Ob es sich hierbei um unnützes Wissen handelt, darüber sollen die Zuschauer am Ende des Abends selbst urteilen.

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So Long, Longlist: Teresa Präauer und Martin Lechner

»Man muss provokant vorgehen gegen die Übermacht der Themenromane

Der eine stand vergangenes Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, wurde aber dennoch vergleichsweise wenig beachtet und geriet mit Bekanntgabe der sechs Finalisten, zu denen er nicht zählte, schnell wieder in Vergessenheit. Der andere hatte es gar nicht erst auf die Longlist geschafft. Es ist die Rede von den Romanen Kleine Kassa von Martin Lechner (Residenz Verlag) sowie Johnny und Jean von Teresa Präauer (Wallstein Verlag): Sie stehen im Mittelpunkt dieses Abends und mit ihnen der Versuch, über »den selektierenden Tellerrand« von Listen und Preisen hinauszublicken und die Aufmerksamkeit auf Bücher zu lenken, die in diesem Rummel verloren gehen. Dass nun ausgerechnet Präauer für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert werden und jede Menge Aufmerksamkeit erhalten würde, damit konnten die Macher von lesen.hören bei der Konzipierung der Veranstaltung ja nicht rechnen.

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Zwei alternde Enthusiasten: Klaus Nüchtern und Tex Rubinowitz

»Ich kann nichts. Aber ich kann erzählen und Sie zum Lachen bringen.«

Was weiß ich eigentlich über diese beiden Herren, frage ich mich vor Beginn der Veranstaltung und komme zu einem ernüchternden Schluss. Tex Rubinowitz: hat im vergangenen Jahr das Bachmann-Wettlesen gewonnen; veröffentlicht demnächst sein neues Buch Irma im Rowohlt Verlag. Klaus Nüchtern: –. Das ist nicht viel. Abhilfe verschafft die Alte Feuerwache Mannheim, die auf ihrer Facebook-Seite sukzessive den Mailaustausch der beiden veröffentlicht. »ich weiß ja nicht, was die von uns wollen«, schreibt Klaus Nüchtern da zum Beispiel, »aber uns fällt schon was ein.«

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Karen Köhler liest aus »Wir haben Raketen geangelt«

»Wir könnten Helden sein. Nur für einen Tag.«

Wer meinem Blog folgt, der weiß, dass ich voreingenommen bin, was die gestrige Lesung im Rahmen des Mannheimer Festivals lesen.hören angeht. Dass Karen Köhlers Erzählband Wir haben Raketen geangelt in meinen Augen zu den besten und schönsten Büchern gehört, die im vergangenen Jahr erschienen sind, habe ich an der einen oder anderen Stelle bereits erwähnt. »Die Storysammlung ist ein Gesamtkunstwerk«, schrieb ich unter anderem. »Köhler hat alles richtig gemacht – bis auf eine Sache: Sie hätte schon viel früher debütieren sollen, denn kühne und außergewöhnliche Texte wie diese braucht die deutschsprachige Gegenwartsliteratur.«

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