Scharfe Stellen und die Bücher meines Lebens

Vorüber ist sie, die zehnte Ausgabe des immer wieder schönen und vielseitigen Literaturfests lesen.hören in der Alten Feuerwache Mannheim. Am Sonntagvormittag habe ich die Tür des Turmzimmers, das ich nun das dritte Jahr in Folge bewohnte, hinter mir geschlossen, ein letztes Mal die Mannheimer Quadrate durchquert und den Zug nach Frankfurt genommen. Zehn Veranstaltungen liegen hinter mir, sechzehn beinhaltete das Programm insgesamt. Den Abschluss bildeten Freitagnacht eine höchst vergnügliche Lesung, in der es schmutzig zuging, und am Samstagabend eine weitere Ausgabe des Formats »Die Bücher meines Lebens«, in dem ganz unterschiedliche Menschen ins Schwärmen geraten.

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Zwei Gipfeltreffen

Zweimal zwei Schriftsteller holte das Literaturfest lesen.hören am vergangenen Donnerstag und Freitag nach Mannheim und gewährte damit einen Einblick in vier Titel des aktuellen Frühjahrsprogramms: zum einen Marion Brasch und Michael Köhlmeier, zum anderen Thomas Glavinic und Peter Stamm. Dass es sich um vier Menschen mit wachem Verstand und Esprit handelte und die jeweiligen Gesprächspartner noch dazu einander gut kannten, machte es zu wunderbar lebendigen und erfrischenden Veranstaltungen.

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Eine Ohrfeige, Idiotie und Unrecht

Ein Roman, der derzeit in aller Munde ist. Eine Essaysammlung, die im vergangenen Jahr einige Preise gewann. Und ein Klassiker der deutschen Literatur, der an Aktualität nicht eingebüßt hat. An drei Abenden führte das Mannheimer Fest lesen.hören an drei verschiedene Orte – im geografischen wie im übertragenen Sinne: Einmal ging es in die hiesige Universität, ein anderes Mal in einen exklusiven Business Club auf dem Hafengelände, und selbst die Halle der Alten Feuerwache, Hauptaustragungsort des Festivals, sah anders aus als sonst. Darüber hinaus nahmen die drei Veranstaltungen das Publikum aber auch in ganz unterschiedliche literarische Welten mit, öffneten ganz unterschiedliche Denkräume.

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Engagierte Literatur und Hate Poetry

Das Festival lesen.hören in der Alten Feuerwache Mannheim zeichnet sich vor allem durch eines aus: seine Vielfalt. Vielfalt der Themen und Texte, die hier im Fokus stehen, der Veranstaltungsformate, in denen diese präsentiert werden, sowie der Gäste und folglich der Zugänge. Am vergangenen Montag ging es um die Debütantin Angela Steidele, übermorgen wird mit Abbas Khider ein Autor die Bühne betreten, der mit seinen Büchern bereits seit einigen Jahren Aufmerksamkeit erregt. Es wird außerdem ein Gespräch über den Islam geben und eine literarische Orgie, eine intermediale Inszenierung von Kleists Kohlhaas und einen Abend mit Grönemeyer. Wie unterschiedlich Literatur begriffen und vermittelt werden kann, das zeigten auch zwei Veranstaltungen der letzten Tage: engagiert die eine, humorvoll die andere.

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Ungläubiges Staunen. Ein Abend mit Navid Kermani

»In Zeiten wie diesen«, heißt es im Programmheft des Mannheimer Literaturfests lesen.hören, »entwickelt man ein feines Gehör für falsche Töne. Es wächst die Sehnsucht nach den Mutigen, die persönlich zu werden wagen, und nach aufrichtigen Erzählungen und echten Erfahrungen.« Ebendiese Persönlichkeiten und ebendiese Literatur in die Alte Feuerwache Mannheim zu holen, das ist das Anliegen der Festivalmacher. Und so ist es nur folgerichtig, dass dies diesjährige Ausgabe vom Schriftsteller und Essayisten Navid Kermani eröffnet wird, der jüngst den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

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Marie Bäumer und die Bücher ihres Lebens

»Der einzige Rat, den man jemandem fürs Lesen geben kann,
ist tatsächlich der, keinen Rat anzunehmen.«

Die neunte Ausgabe des Mannheimer Literaturfests lesen.hören in der Alten Feuerwache ist vorüber, heute Morgen ließ ich, nicht ohne Wehmut, meinen Blick ein letztes Mal über die Stadt schweifen, bevor ich die Tür meiner Turmwohnung hinter mir schloss. Ein bisschen bedaure ich es, mir die Sonntagsmatinee »Vier Leser im Gespräch«, mit der das Festival Jahr für Jahr ausklingt, nicht zu Gemüte geführt zu haben, doch nach zehn Veranstaltungen muss das Lesen, Hören und Darüberschreiben auch mal ein Ende haben. Dieses bereitete mir gestern die Schauspielerin Marie Bäumer mit den Büchern ihres Lebens.

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Zweimal Afrika: Charlotte Wiedemann und Rainer Merkel

Zweimal war das Mannheimer Literaturfestival lesen.hören in dieser Woche politisch: Am Dienstag erzählte die Reporterin Ronja von Wurmb-Seibel Geschichten aus dem Alltag in Afghanistan, nachzulesen in dem gerade veröffentlichten Buch Ausgerechnet Kabul (DVA). Am gestrigen Abend kamen hingegen die Journalistin Charlotte Wiedemann und der Schriftsteller Rainer Merkel zu einem Gespräch über Afrika zusammen. Wiedemanns Reportagen und Essays erscheinen unter anderem in der Zeit, in Geo und Le Monde Diplomatique, ihr Buch Mali oder das Ringen um Würde. Meine Reise in einem verwundeten Land ist im vergangenen Herbst bei Pantheon herausgekommen. Merkel lebte 2011 ein Jahr lang in Liberia, wo er ein psychiatrisches Krankenhaus leitete, nun ist er für eine Woche dorthin zurückgekehrt und hat seine Erfahrungen in dem E-Book Go Ebola Go (Fischer) festgehalten.

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