Gonçalo M. Tavares: Die Versehrten

Goncales Tavares - Die Versehrten (c)

»Schmerz, dachte sie, Schmerz ist ein zentrales Wort in meinem Leben«

So gut schreibe er, sagte der portugiesische Schriftsteller José Saramago bei der Verleihung des nach ihm benannten Literaturpreises an Gonçalo M. Tavares, dass man Lust hätte, ihn zu schlagen. Viele Kritiker ziehen den Vergleich zu Franz Kafkas Prosa – ein Vergleich, auf den ich, da ich nur über eine sehr bruchstückhafte und oberflächliche Kenntnis von Kafkas Werk verfüge, selbst nicht gekommen wäre, den ich aber nach der Lektüre von Tavares’ düsterem Roman Die Versehrten durchaus nachvollziehen kann. Beklemmung ist auch hier das vorherrschende Gefühl, der Schmerz, die Grausamkeit und Willkür des Menschen, sein Ausgeliefertsein die zentralen Themen.

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Franz Kafka: Der Prozeß

Unsere undurchdringliche »Sachwelt«

Kafka vollkommen unvorbereitet zu lesen (weder in der Schule noch während des Studiums ist er mir – abgesehen von der Verwandlung – begegnet) und auch anschließend keine klugen Bücher zum Verständnis hinzuzuziehen, ist womöglich vermessen, eine Durchdringung der Texte nahezu undenkbar, so vieldeutig und dicht gearbeitet sind sie. Dies soll keineswegs bedeuten, dass man die einzelnen Worte, Absätze, Kapitel nicht verstünde: Man liest sie – recht zügig sogar – und findet sich scheinbar mühelos in ihnen zurecht; doch wirklich zu begreifen sind sie in ihrer Ganzheit nur schwerlich. Am Ende bleibt man etwas verloren zurück in dieser undurchsichtigen Welt, die Kafka erschaffen hat, die so sehr der unsrigen gleicht und doch – oder gerade deshalb – zutiefst beunruhigend ist.

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