10 beste Indiebooks

Unter dem Hashtag #wereadindie wollen wir, das Team vom gleichnamigen Gemeinschaftsblog, Leserinnen und Leser dazu anregen, von ihren liebsten Büchern aus unabhängigen Verlagen zu erzählen. Freilich braucht es dazu keinen Anlass, es lohnt immer, über besondere Literatur zu reden, andere mit der eigenen Begeisterung anzustecken und sich wiederum anstecken zu lassen – wir Indie-Bloggerinnen und -Blogger tun das seit dreieinhalb Jahren unablässig. Und dennoch gibt es nun einen aktuellen Anlass: Im Frühjahr dieses Jahres hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die jährlichen Ausschüttungen der VG Wort zu Unrecht auch an die Verlage gingen, sie seien lediglich Verwerter, keine Urheber; jetzt wurden die Rückzahlungsaufforderungen verschickt (mehr dazu hier). Kleinverlage trifft dies besonders hart, einigen droht gar die Insolvenz.

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Ulla Lenze: Die endlose Stadt

Lenze - Die endlose Stadt (c)

»Du wirst zur Stadt, sobald du sie betrittst«

»Seit ich 16 bin, reise ich nach Indien. Oft mit dem Gefühl, in ein inneres Trödeln zu geraten, auch Freiheitsräusche, schon weil die gewohnten kulturellen Codes ausgehebelt sind.« Dies schreibt die Autorin Ulla Lenze zu Beginn des Jahres in der Welt, nachdem sie auf Einladung des Goethe-Instituts Frank-Walter Steinmeier durch Delhi begleitet hat. Eine ähnliche Situation schildert die erste Szene ihres Romans Die endlose Stadt, den sie etwa zeitgleich fertiggestellt hat und der nun in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen ist. Da wandelt der Außenminister samt »Entourage« durch Istanbul, darunter die Fotografin Holle Schulz, die wie ihre Schöpferin in ein inneres Trödeln gerät, immer wieder ihre Freiheit und ihr Selbstverständnis als Künstlerin hinterfragt.

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Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka)

Nino Haratischwili - Das achte Leben (Frankfurter Verlagsanstalt)

»Wann hatten sie alle diese Fähigkeit verloren? Die Fähigkeit zum Glücklichsein«

Trotz starken Regens, der jede Hoffnung auf einen gemütlichen Spätsommer vernichtete, ließen es sich die kulturbeflissenen Städter am vergangenen Dienstag nicht nehmen, einer jener »Frankfurter Premieren« beizuwohnen, die in regelmäßigen Abständen in der Historischen Villa Metzler am Mainufer zelebriert werden. So viele waren es gar, dass nicht alle in den – zugegebenermaßen überschaubaren, dafür aber nicht minder stattlichen – Saal passten und manche sich im Türrahmen drängten, um der Veranstaltung zu lauschen. Gemeinsam mit ihrem Verleger Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt stellte die Autorin Nino Haratischwili an diesem Abend ihren dritten Roman Das achte Leben (Für Brilka) vor, der bereits vor Erscheinen für Aufsehen erregte – insbesondere durch seine Nicht-Nominierung für den Deutschen Buchpreis, was in der Presse wie im Buchhandel für Empörung sorgte.

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Nino Haratischwili und ihr neuer Roman »Das achte Leben«

»Ein Teppich ist eine Geschichte.
In ihr verbergen sich wiederum unzählige andere Geschichten«

Knapp zwei Monate ist es schon her, dass die Bücherliebhaberin vom glasperlenspiel13 und ich in der Frankfurter Verlagsanstalt zu Besuch waren (hier berichtet meine Bloggerkollegin darüber). Es gab Kaffee, Kekse, Weintrauben – und einen Überraschungsgast: Nino Haratischwili, die gemeinsam mit dem Verleger Joachim Unseld den Raum betrat, unter dessen Arm ein stattlicher Stapel Papier. Es handelte sich um den neuen Roman der Autorin, Das achte Leben (Für Brilka), der im Herbst erscheinen wird. Fast tausend Seiten, rief der Verleger und zeigte uns gleich mehrmals, an welcher Stelle er im Lektorat schon angelangt war, nicht ohne Stolz, vor allem aber mit aufrichtiger Begeisterung für das Werk. Und ich glaubte ihm sofort, hatte mich doch schon Haratischwilis letzter Roman, Mein sanfter Zwilling, vollkommen eingenommen. Wenn man mich nach meinem Lieblingsbuch aus einem Indie-Verlag fragt, dann nenne ich noch heute dieses.

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Thomas Martini: Der Clown ohne Ort

Thomas Martini - Der Clown ohne Ort (c)

»Im Wahnsinn enthüllt sich der Zustand der Welt«

Der »Clown ohne Ort« im gleichnamigen Debütroman von Thomas Martini ist Naïn, einer, der sich verloren hat, der zerbrochen ist an diesem Leben, dieser Welt, keinen Platz mehr in ihr findet: »Ich gehöre hier nicht hin«, glaubt er. Dabei sah alles so gut aus, der bisherige Weg war so vielversprechend, Studium der Politikwissenschaften in Bayreuth und Berlin, Auslandsaufenthalt in Barcelona, Assistenzstelle im Bundestag, Aussicht auf einen Job im Europaparlament. Bis der Bruch kam, die Erkenntnis, dass er sich in das stürzte, was eine Karriere hätte werden können, um nicht die Leere in sich zu hören, nicht mit dem Kaputten in sich konfrontiert zu werden. Er schmeißt alles hin, arbeitet als Mädchen für alles in einem Berliner Theater, verlässt das Haus nicht mehr ohne die grüne Strickmütze seiner Oma, gegen das »Frieren in der Hitze«. »Im Wahnsinn enthüllt sich der Zustand der Welt«, liest Naïn auf einem Plakat: Es könnte sein Leitspruch sein.

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