Mit Patricia Highsmith und Dennis Lehane in Boston

Wenn Blogger verreisen, besteht ihr Gepäck vornehmlich aus Büchern. Da wird gefühlt ein Buch pro Urlaubstag eingepackt und obendrauf noch ein paar Notfallbücher, falls ein anderes wegen Nichtgefallens abgebrochen werden muss, von den Spontankäufen am Bahnhof oder Flughafen ganz zu schweigen. Bei mir ist das anders. Wenn ich verreise, lese ich kaum. Lesen, sonst eine meiner leichtesten Übungen und bevorzugten Beschäftigungen, gehört nur am Rande zu meinem Konzept von Urlaub. Selbst zu Besuch bei meinen Eltern – üblicherweise die Zeit des Müßiggangs – drängt es mich zu anderweitigen Unternehmungen, Berge besteigen zum Beispiel oder um den See radeln.

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»Durst war ja auch nur ein Synonym für Leben«

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Mit Kracht, Fauser, Haas und Knausgård im Urlaub

Kürzlich war ich im Urlaub. Zwar hatte ich kein türkisblaues Meer vor mir und keinen weißen Sandstrand unter mir, keinen Strohhut auf dem Kopf und keinen Cocktail in der Hand, aber da ich all das in meiner Vergangenheit als Inselkind ohnehin im Überfluss hatte, war ich keinesfalls traurig. Stattdessen machte ich es mir im beschaulichen Oberbayern schön, erklomm die Voralpen, radelte am Ufer des Ammersees, winkte Kühen zu, die müde auf der Weide standen, fuhr Kanu und Tretboot, badete in Flüssen und baute Sandburgen mit meinem Neffen, trank Bier und aß Kaiserschmarrn, oben in der Almhütte, und jede Menge Eis noch dazu. Und manchmal, wenn es gerade sonst nichts zu tun und zu gucken gab, las ich.

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Michele Serra: Die Liegenden

Michele Serra - Die Liegenden (c)

»Eine Kette ist zerrissen – ich bin ihr letztes Glied«

Jugendliche: eine bizarre Spezies, die ihr Leben liegend verbringt, im Bett oder auf dem Sofa, ihrem bevorzugten Habitat. Wach, wenn der Rest der Menschheit schläft, und schlafend, wenn alle anderen wach sind; um sie herum diverse technische Geräte, Smartphone, Tablet, Laptop, iPod, Fernseher, wie Verlängerungen des eigenen Körpers. Sie scheinen unablässig zu kommunizieren, aber eine Verständigung mit ihnen kommt nicht zustande. So zumindest stellt es sich für den Vater dar, der in Die Liegenden des italienischen Journalisten und Satirikers Michele Serra vergebens versucht, eine Verbindung zu seinem Sohn herzustellen.

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Andrea De Carlo: Vögel in Käfigen und Volieren

Andrea De Carlo - Uccelli da gabbia e da voliera (c)

»Ich habe das Gefühl, in Milch geschwommen zu sein, bis ich dich traf«

Sechzehn Romane hat Andrea De Carlo bereits verfasst, zuletzt Sie und Er, dessen deutsche Übersetzung kürzlich bei Diogenes erschienen ist. Die Laune eines Augenblicks und Zwei von zwei habe ich vor ein paar Jahren gelesen, weitere Bücher werden sicherlich folgen. Nun aber habe ich noch einmal jenes Buch zur Hand genommen, das meine erste Begegnung mit dem Mailänder Schriftsteller darstellt, das 1982 veröffentlichte Vögel in Käfigen und Volieren (Uccelli da gabbia e da voliera). Vor knapp vier Jahren hatte ich es gelesen, an die Geschichte konnte ich mich kaum noch erinnern, nur diese ganz besondere Stimmung, die es in mir auslöste, war noch sehr präsent, dieser unverkennbare Andrea-De-Carlo-Sound.

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Astrid Rosenfeld: Adams Erbe

Astrid Rosenfeld - Adams Erbe (c)

»Verschwinden die Geschichten, wenn keiner sie mehr erzählt?«

Unzählige Geschichten des Holocaust wurden bereits geschrieben, und Jahr für Jahr erscheinen neue Romane, die sich – irgendwo auf dem Kontinuum zwischen (Auto-)Biographie und Fiktion – der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Regime widmen. Angesichts dieser Fülle an Geschichten scheint es kaum vorstellbar, dass es noch immer möglich ist, etwas Neues zu erzählen, auf neuartige Weise. Dass es dennoch möglich ist, zeigt Astrid Rosenfeld mit ihrem wundervollen, erfrischenden Debüt Adams Erbe.

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