Saša Stanišić: Fallensteller

»Es ist Zeit vergangen, seit du bei uns warst. Jetzt gibt’s wieder was zu erzählen.«

Zuerst begegneten mir diese Geschichten Ende letzten Jahres, als Saša Stanišić sie gemeinsam mit Tilman Rammstedt in Frankfurt vortrug – ein irre komischer Abend. Aber das stimmt nicht ganz, sie sind mir schon viel früher begegnet, 2014 war das. Damals las ich Stanišić’ Roman Vor dem Fest, und auf einmal waren mir lauter schrullige Dörfler aus der Uckermark ans Herz gewachsen. Jetzt sind sie alle wieder da, bekommen im jüngsten Werk des Autors, dem Erzählband Fallensteller, ein Nachleben. Ich hatte ja keine Ahnung, als ich das Buch aufschlug, und da sitze ich nun inmitten alter Freunde und kann mein Glück kaum fassen.

„Saša Stanišić: Fallensteller“ weiterlesen

Advertisements

Indiebookday 2017

Für manch einen gibt es im Jahr kein schöneres Fest als Weihnachten, andere freuen sich über die vielen langen Wochenenden im Mai und Juni. Für Freunde der besonderen Literatur ist der einzig wahre Feiertag der Indiebookday. Der Hamburger mairisch Verlag hat ihn 2013 initiiert, um die unabhängigen Verlage und ihre fantastischen Programme ins Bewusstsein der Leser zu bringen; ein paar Mitstreiterinnen und ich ließen uns von der Idee anstecken, riefen kurz darauf den Gemeinschaftsblog We read Indie ins Leben und berichten seither über Bücher abseits des Mainstreams. Einmal im Jahr, immer an einem Samstag im März, tun es uns Tausende von Lesern gleich und zeigen in den sozialen Netzwerken ihre neuesten und liebsten Indiebooks her.

„Indiebookday 2017“ weiterlesen

Helen Macdonald: H wie Habicht

»Der Habicht war all das, was ich sein wollte«

Schwer zu sagen, was mich an Helen Macdonalds H wie Habicht von Beginn an fasziniert hat. Ich lese für gewöhnlich keine Sachbücher, schon gar nicht über etwas, das mir einigermaßen gleichgültig ist – und Greifvögel sind es. Ich weiß rein gar nichts über sie und verbinde nichts mit ihnen: Warum mich also über vierhundert Seiten mit ihnen befassen? Vielleicht ist es dieselbe unerklärliche Faszination, die auch die Reihe »Naturkunden« aus dem Hause Matthes & Seitz ausübt. Wie gut jedenfalls, dass ich meinem Instinkt schließlich gefolgt bin: H wie Habicht ist ein eindrucksvolles Hybrid aus Naturbetrachtung, Selbsterfahrungsbericht und literaturgeschichtlichem Essay, es zeigt, das jede dieser Gattungen ein literarisches Ereignis sein kann.

„Helen Macdonald: H wie Habicht“ weiterlesen

Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde

Maia - Krieg der Bastarde (c)

»Wir lieben nur die, die sich widersetzen. Alle Übrigen dulden wir.«

Der Roman Krieg der Bastarde von Ana Paula Maia stand im Herbst 2013 auf der litprom-Bestenliste Weltempfänger und zweimal auf der Krimizeit-Bestenliste – zwei Listen, denen es grundsätzlich zu trauen gilt. »Eine rasante, manchmal geschmackvoll geschmacklose, bizarre, obskur detailverliebte und sehr witzige tour de force durch die brasilianische Gegenwart«, urteilt die eine; schlicht »furioso!« befindet die andere. Der Chihuahua, der hier neben vielen anderen grotesken Gestalten einen Auftritt hat, findet sich auf dem Cover der deutschen Erstausgabe wieder, erschienen im Münchener A1 Verlag. Weitaus greller kommt die Ausgabe der Büchergilde daher und wirkt damit auf den ersten Blick plump, erweist sich im zweiten Moment jedoch als konsequent: Die Ausstattung passt perfekt zu dieser wilden Geschichte, den überbelichteten Bildern, den schnellen Cuts, zu all den unerhörten Dingen, die geschehen.

„Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde“ weiterlesen