Xaver Bayer: Geheimnisvolles Knistern aus dem Zauberreich

Bayer - Geheimnisvolles Knisterm (c)

»Die Wirklichkeit wird immer unglaubwürdiger, merkwürdiger auf jeden Fall.«

Erst neulich habe ich ein Buch gelesen, das in jeder Hinsicht erstaunlich war: Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen von Martin Lechner, dreiundsechzig Kurz- und Kürzestgeschichten irgendwo zwischen zärtlich, komisch und exzentrisch. Ein paar Wochen später kommt mir erneut ein Werk unter, das sich nicht um Konventionen schert, angefangen bei der Gattung. Xaver Bayers Geheimnisvolles Knistern aus dem Zauberreich, vor zwei Jahren im Salzburger Jung und Jung Verlag erschienen, ist weder Roman noch Erzählband, es ist genau das, was der Titel ankündigt: ein geheimnisvolles, knisterndes, zauberhaftes Buch.

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Martin Lechner: Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen

Martin Lechner - Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen

»Leiden Sie an Üblichkeit?« 

2014 erschien Martin Lechners Debütroman Kleine Kassa im Residenz Verlag und schaffte es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Nun folgt ein Band mit Erzählungen, der den schönen Titel Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen trägt. »Erzählungen«, so steht es zumindest auf dem Einband, die gute alte short story darf man bei Lechner aber nicht erwarten. Einer der letzten Texte im Buch, »Ein alter Schuh ist auch ein alter Freund«, sollte eigentlich ganz vorne stehen, nimmt der Autor darin doch Stellung zu seiner Poetik: »Ich suche eine Art zu erzählen, die die Sinne entzündet. Die die Ohren öffnet. Für die Stimmen unterm Schuh, zum Beispiel. Leiden Sie an Üblichkeit?, flüstern sie, sobald ich meine Sohle hebe.« Und weiter:

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Maggie Gernatowski: About My Shelf

Gernatowski - About My Shelf (c)

»Man konsumiert die Romantik und romantisiert den Konsum«

Es gibt da diese Plattform, Freunde von Freunden, auf der Kreative aus aller Welt vorgestellt werden: in Form von ausführlichen, stets sehr lesenswerten Interviews und von Fotos, bei denen man nicht weiß, was schöner ist – die Fotos selbst oder das auf ihnen Abgebildete, die Menschen, ihre Wohnungen, ihre Arbeitsplätze. Ich liebe das Magazin, denn alles an diesen Kreativleuten ist inspirierend – was sie tun und was sie sagen, wie sie sich kleiden und wie sie leben. Gleichzeitig ist es ernüchternd, man selbst ist ja weit davon entfernt, so interessant und stylish zu sein, da helfen auch die grün gepolsterten Biedermeiermöbel nichts, die man irgendwo in der Provinz günstig erstanden hat und voller Stolz in der Frankfurter Dachgeschosswohnung zur Schau stellt. Letzteres tue ich trotzdem, hier zum Beispiel.

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Daniel Woodrell: Tomatenrot

Daniel Woodrell - Tomatenrot (Liebeskind Verlag)

»Ich war am Rand der Welt geboren, klar, aber in die Grube war ich selbst gesprungen.«

Die Ozark Mountains kenne ich gut, ich war schon ein paarmal da. Eine raue, nicht gerade gastfreundliche Gegend, die sich über weite Teile des südlichen Missouri und des nördlichen Arkansas erstreckt. Wahrscheinlich gibt es auch reizende Ecken, aber ich halte mich für gewöhnlich dort auf, wo es ungemütlich ist. Wo es wehtut. Und obwohl mit etlichen Blessuren zu rechnen ist, kehre ich immer wieder zurück. Schuld daran ist Daniel Woodrell, der selbst aus dem Gebiet stammt und die meisten seiner Bücher ebendort ansiedelt. Tomatenrot ist eines davon, und dem Liebeskind Verlag ist es zu verdanken, dass dieser Roman aus dem Jahre 1998, einst bei Rowohlt erschienen, zuletzt aber nur noch antiquarisch erhältlich, hierzulande nicht in Vergessenheit gerät.

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Jakob Nolte: ALFF

Nolte - ALFF (c)

»In Beetaville? Hier sollte niemandes Platz sein.«

Dieses Buch ist für Nerds. Für solche, die den abseitigen Dingen zugeneigt sind, weil das Gewöhnliche und Naheliegende sie bisweilen langweilt. Jakob Nolte, Autor von Comics, Prosa und Theaterstücken, ist so einer. Beim Lesefest Open Books während der Frankfurter Buchmesse hat er seinen Roman ALFF vorgestellt, gemeinsam mit Juan S. Guse, dessen Debüt Lärm und Wälder dieses Jahr bei S. Fischer erschienen ist. Die beiden Autoren sind jung – der eine 1988, der andere 1989 geboren – und wirken noch jünger, sie sind ein bisschen eigen, vor allem aber sind sie umtriebig und belesen und haben einen wachen Verstand, das merkt man sofort, sie teilen denselben Humor und denselben Sinn für kuriose Geschichten. Die Clemens J. Setzes der nächsten Generation vielleicht.

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Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde

Maia - Krieg der Bastarde (c)

»Wir lieben nur die, die sich widersetzen. Alle Übrigen dulden wir.«

Der Roman Krieg der Bastarde von Ana Paula Maia stand im Herbst 2013 auf der litprom-Bestenliste Weltempfänger und zweimal auf der Krimizeit-Bestenliste – zwei Listen, denen es grundsätzlich zu trauen gilt. »Eine rasante, manchmal geschmackvoll geschmacklose, bizarre, obskur detailverliebte und sehr witzige tour de force durch die brasilianische Gegenwart«, urteilt die eine; schlicht »furioso!« befindet die andere. Der Chihuahua, der hier neben vielen anderen grotesken Gestalten einen Auftritt hat, findet sich auf dem Cover der deutschen Erstausgabe wieder, erschienen im Münchener A1 Verlag. Weitaus greller kommt die Ausgabe der Büchergilde daher und wirkt damit auf den ersten Blick plump, erweist sich im zweiten Moment jedoch als konsequent: Die Ausstattung passt perfekt zu dieser wilden Geschichte, den überbelichteten Bildern, den schnellen Cuts, zu all den unerhörten Dingen, die geschehen.

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Im Gespräch mit Karin Schmidt-Friderichs

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»Whatever is, whatever comes – go with it and grow with it.«

In der Reihe »SeitenBlicke« führe ich in unregelmäßigen Abständen Gespräche mit Literaturschaffenden aller Art – Autoren, Verlegern, Buchhändlern, Veranstaltern, Bloggern und anderen enthusiastischen Büchermenschen. Wir unterhalten uns über ihre Werdegänge, über das Lesen und Schreiben im Zeitalter der Digitalisierung und darüber, was Literatur kann und möglicherweise sogar muss. Heute kommt Karin Schmidt-Friderichs zu Wort, Verlegerin des Mainzer Verlages Hermann Schmidt und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Buchkunst. Alle bisherigen Gespräche dieser Reihe können hier nachgelesen werden.

Karin Schmidt-Friderichs© Bjørn Fehl Photography

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