Literarische Neuerscheinungen im Herbst 2017

Es ist Sommer, es ist heiß, wir brauchen dringend Abkühlung! Wie wäre es also mit einer Ladung frischer Herbstbücher? Die Verlage haben ihre neuen Programme unlängst vorgestellt, noch im Juli erscheinen die ersten Titel. Ich freue mich in dieser Saison besonders auf die Debüts von drei jungen Autorinnen und auf zwei Neuübersetzungen, auf Geschichten, die weit in die Vergangenheit reichen, auf einen Roman/Memoir/Essay über queere Liebe und auf einiges mehr. Und welche sind eure Herbsthighlights?

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Eine Liebeserklärung

Abertausende Bücher werden jedes Jahr veröffentlicht. Alle sechs Monate, im Frühjahr und im Herbst, verschicken die Verlage ihre Programmkataloge mit Dutzenden Neuerscheinungen, ich bin fleißig und gehe sie allesamt durch, tagelang, zunächst noch freudig aufgeregt, dann schon bald ermattet. Ich notiere mir den einen oder anderen Titel, aber ehe ich sie kaufe und schließlich auch lese, vergehen Monate, gar Jahre, ich warte auf die richtige Stimmung oder auf die Meinung der anderen, und vieles erledigt sich mit der Zeit von selbst. Nur bei einem Verlag ist das anders: Liebeskind. Kaum sind die Bücher da, landen sie auf meinem Nachttisch, in meiner Hand, in meinem Kopf; um sie führt kein Weg herum.

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Prosanova | 17

Zwei Literaturfestivals innerhalb von zwei Wochen – und zwei vollkommen unterschiedliche Welten, denen ebenso unterschiedliche Auffassungen von Literatur und deren Vermittlung zugrunde liegen. Erst kürzlich war ich bei den Solothurner Literaturtagen und fand alles sehr schön dort: die Stadt, das Wetter, die eingeladenen Gäste und das, was sie sagten und lasen. Am vergangenen Wochenende fuhr ich nun nach Hildesheim, wo zum fünften Mal das Prosanova Festival für junge Literatur stattfand. Hier ist alles anders, aber – mit Ausnahme der Stadt vielleicht, die ihre netten Ecken gekonnt versteckt – nicht minder schön.

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Jakob Arjouni: Happy birthday, Türke!

»Ich stieß die Tür auf und ging unter in Lila«

Seit fünfeinhalb Jahren lebe ich in Frankfurt. Mittlerweile bewege ich mich zumeist in so gediegenen Gegenden wie dem Westend und dem Nordend, früher aber, in meinen Anfangszeiten als Frankfurterin, wohnte ich im Gallus. Und zwar so nah am Bahnhof, dass ich immer behauptete, im Bahnhofsviertel zu wohnen. Bis zur Niddastraße, die weiter östlich Teil des Rotlichtbezirks wird, waren es nur ein paar Schritte, auf dem Weg zur Tram kam ich am Drogennotdienst vorbei, und auf dem Bürgersteig lagen die Crackpfeifen. Wenn ich dann Richtung Mainufer abbog, gelangte ich zur Münchener Straße mit all ihren asiatischen und türkischen Läden, aber natürlich auch mit all den neu entstehenden Szenelokalen wie dem Plank, das damals dank eines Fotos von Jürgen Teller auf dem Cover des ZEITmagazins gerade ganz groß wurde.

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Solothurner Literaturtage

Als Literaturblogger jettet man ja ziemlich viel um die Welt. Gestern Mannheim, heute Leipzig, morgen – wer weiß, vielleicht Turin oder Stockholm. Man flaniert in feiner Robe über rote Teppiche, nippt am Champagner und smalltalkt mit anderen bedeutenden Leuten, und hin und wieder hält man ein Buch in die Kamera und bekommt dafür von irgendjemandem Geld, sehr viel Geld. Ein Hochglanzleben ähnlich wie das der Lifestyle-Bloggerinnen. Am vergangenen Wochenende durfte ich es wieder in vollen Zügen auskosten, und zwar auf Einladung der Solothurner Literaturtage. Die Gastgeber haben dafür gesorgt, dass ich bequem reiste und schön untergebracht war, und deshalb kann ich gar nicht anders, als die Veranstaltung super zu finden. So zumindest stellen es sich womöglich diejenigen vor, die der Ansicht sind, Blogger lassen sich vor den Marketingkarren der Verlage und Institutionen spannen.

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Mit Patricia Highsmith und Dennis Lehane in Boston

Wenn Blogger verreisen, besteht ihr Gepäck vornehmlich aus Büchern. Da wird gefühlt ein Buch pro Urlaubstag eingepackt und obendrauf noch ein paar Notfallbücher, falls ein anderes wegen Nichtgefallens abgebrochen werden muss, von den Spontankäufen am Bahnhof oder Flughafen ganz zu schweigen. Bei mir ist das anders. Wenn ich verreise, lese ich kaum. Lesen, sonst eine meiner leichtesten Übungen und bevorzugten Beschäftigungen, gehört nur am Rande zu meinem Konzept von Urlaub. Selbst zu Besuch bei meinen Eltern – üblicherweise die Zeit des Müßiggangs – drängt es mich zu anderweitigen Unternehmungen, Berge besteigen zum Beispiel oder um den See radeln.

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Valerie Fritsch: Winters Garten

»Zu lieben ist die einzig angemessene Art zu existieren«

Dieses Buch ist eine kleine Sensation. Es erzählt so wenig und gleichzeitig so viel. Was geschieht, lässt sich in wenigen Sätzen wiedergeben; es wäre wohlgemerkt keine Zusammenfassung, sondern eine vollständige Nacherzählung. Und doch geht es um nichts weniger als um das Ende der Menschheit und darum, was die Liebe ausrichten kann, wenn alles um uns herum aus den Fugen gerät. Das klingt pathetisch, und genau das ist Winters Garten, der zweite Roman der österreichischen Autorin Valerie Fritsch, auch. Aber auf eine Weise, die den Leser staunen lässt.

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