Prosanova | 17

Zwei Literaturfestivals innerhalb von zwei Wochen – und zwei vollkommen unterschiedliche Welten, denen ebenso unterschiedliche Auffassungen von Literatur und deren Vermittlung zugrunde liegen. Erst kürzlich war ich bei den Solothurner Literaturtagen und fand alles sehr schön dort: die Stadt, das Wetter, die eingeladenen Gäste und das, was sie sagten und lasen. Am vergangenen Wochenende fuhr ich nun nach Hildesheim, wo zum fünften Mal das Prosanova Festival für junge Literatur stattfand. Hier ist alles anders, aber – mit Ausnahme der Stadt vielleicht, die ihre netten Ecken gekonnt versteckt – nicht minder schön.

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Jakob Arjouni: Happy birthday, Türke!

»Ich stieß die Tür auf und ging unter in Lila«

Seit fünfeinhalb Jahren lebe ich in Frankfurt. Mittlerweile bewege ich mich zumeist in so gediegenen Gegenden wie dem Westend und dem Nordend, früher aber, in meinen Anfangszeiten als Frankfurterin, wohnte ich im Gallus. Und zwar so nah am Bahnhof, dass ich immer behauptete, im Bahnhofsviertel zu wohnen. Bis zur Niddastraße, die weiter östlich Teil des Rotlichtbezirks wird, waren es nur ein paar Schritte, auf dem Weg zur Tram kam ich am Drogennotdienst vorbei, und auf dem Bürgersteig lagen die Crackpfeifen. Wenn ich dann Richtung Mainufer abbog, gelangte ich zur Münchener Straße mit all ihren asiatischen und türkischen Läden, aber natürlich auch mit all den neu entstehenden Szenelokalen wie dem Plank, das damals dank eines Fotos von Jürgen Teller auf dem Cover des ZEITmagazins gerade ganz groß wurde.

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Solothurner Literaturtage

Als Literaturblogger jettet man ja ziemlich viel um die Welt. Gestern Mannheim, heute Leipzig, morgen – wer weiß, vielleicht Turin oder Stockholm. Man flaniert in feiner Robe über rote Teppiche, nippt am Champagner und smalltalkt mit anderen bedeutenden Leuten, und hin und wieder hält man ein Buch in die Kamera und bekommt dafür von irgendjemandem Geld, sehr viel Geld. Ein Hochglanzleben ähnlich wie das der Lifestyle-Bloggerinnen. Am vergangenen Wochenende durfte ich es wieder in vollen Zügen auskosten, und zwar auf Einladung der Solothurner Literaturtage. Die Gastgeber haben dafür gesorgt, dass ich bequem reiste und schön untergebracht war, und deshalb kann ich gar nicht anders, als die Veranstaltung super zu finden. So zumindest stellen es sich womöglich diejenigen vor, die der Ansicht sind, Blogger lassen sich vor den Marketingkarren der Verlage und Institutionen spannen.

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Mit Patricia Highsmith und Dennis Lehane in Boston

Wenn Blogger verreisen, besteht ihr Gepäck vornehmlich aus Büchern. Da wird gefühlt ein Buch pro Urlaubstag eingepackt und obendrauf noch ein paar Notfallbücher, falls ein anderes wegen Nichtgefallens abgebrochen werden muss, von den Spontankäufen am Bahnhof oder Flughafen ganz zu schweigen. Bei mir ist das anders. Wenn ich verreise, lese ich kaum. Lesen, sonst eine meiner leichtesten Übungen und bevorzugten Beschäftigungen, gehört nur am Rande zu meinem Konzept von Urlaub. Selbst zu Besuch bei meinen Eltern – üblicherweise die Zeit des Müßiggangs – drängt es mich zu anderweitigen Unternehmungen, Berge besteigen zum Beispiel oder um den See radeln.

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Valerie Fritsch: Winters Garten

»Zu lieben ist die einzig angemessene Art zu existieren«

Dieses Buch ist eine kleine Sensation. Es erzählt so wenig und gleichzeitig so viel. Was geschieht, lässt sich in wenigen Sätzen wiedergeben; es wäre wohlgemerkt keine Zusammenfassung, sondern eine vollständige Nacherzählung. Und doch geht es um nichts weniger als um das Ende der Menschheit und darum, was die Liebe ausrichten kann, wenn alles um uns herum aus den Fugen gerät. Das klingt pathetisch, und genau das ist Winters Garten, der zweite Roman der österreichischen Autorin Valerie Fritsch, auch. Aber auf eine Weise, die den Leser staunen lässt.

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Leipziger Buchmesse 2017

Die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig sind Pflichtprogramm für mich. Nun mag sich manch einer wundern, dass er mich nie bei den Bloggerevents sichtet: Richtig, dort trifft man mich bedauerlicherweise selten an, stattdessen schlüpfe ich in meine Rolle als Literaturagentin und eile durch die Hallen, rede auf Lektoren ein, begleite Autoren. Bis tief in die Nacht schufte ich, smalltalke und netzwerke auf Lesungen, Empfängen, Feten – ein Knochenjob. Zu top secret und obendrein öde, um hier davon zu erzählen. Erwähnt werden sollen an dieser Stelle lediglich das charmante Speed-Dating der Elisabeth Ruge Agentur u.a. mit Julia Wolf, Hendrik Otremba und Alina Herbing sowie der schöne Pendragon-Krimiabend mit Willi Achten und Gudrun Lerchbaum. Außerdem sollen die Jungen Verlage am Freitag eine famose Party im Westwerk veranstaltet haben, doch ich erinnere mich an nichts.

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Indiebookday 2017

Für manch einen gibt es im Jahr kein schöneres Fest als Weihnachten, andere freuen sich über die vielen langen Wochenenden im Mai und Juni. Für Freunde der besonderen Literatur ist der einzig wahre Feiertag der Indiebookday. Der Hamburger mairisch Verlag hat ihn 2013 initiiert, um die unabhängigen Verlage und ihre fantastischen Programme ins Bewusstsein der Leser zu bringen; ein paar Mitstreiterinnen und ich ließen uns von der Idee anstecken, riefen kurz darauf den Gemeinschaftsblog We read Indie ins Leben und berichten seither über Bücher abseits des Mainstreams. Einmal im Jahr, immer an einem Samstag im März, tun es uns Tausende von Lesern gleich und zeigen in den sozialen Netzwerken ihre neuesten und liebsten Indiebooks her.

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