Lesungen I/2017

Nur noch wenige Wochen, dann hat die Sommerpause ein Ende und die Literaturstätten dieser Stadt öffnen wieder ihre Pforten. Bevor es jedoch so weit ist, werfe ich noch einmal einen Blick zurück auf die Veranstaltungen, die ich in der ersten Hälfte des Jahres besucht habe. Es war allerhand los in den vergangenen Monaten, nicht nur in Frankfurt, sondern auch im Rest der Republik und über die Landesgrenzen hinaus. Ich war überall, in Leipzig und Hildesheim, in Solothurn und Klagenfurt. Am schönsten ist es aber bekanntlich daheim, zum Beweis sollen folgende Impressionen dienen.

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Vom Scheitern

Vor zwei Jahren las ich ALFF, das Debüt des 1988 geborenen Jakob Nolte, und war auf der Stelle Fan. Was für ein kühnes, schrulliges, wahnsinnig komisches und wahnsinnig trauriges Werk! Endlich konnte man ohne jegliche Übertreibung sagen: Da traut sich mal jemand was, so etwas hat man in der jungen deutschsprachigen Literatur lange nicht mehr gelesen. Ich habe meinen Hut vor Jakob Nolte gezogen – und tue es noch immer, obgleich ich an seinem zweiten Roman, Schreckliche Gewalten, gescheitert bin. Jawohl, ich bin gescheitert, nicht der Autor.

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Literarische Neuerscheinungen im Herbst 2017

Es ist Sommer, es ist heiß, wir brauchen dringend Abkühlung! Wie wäre es also mit einer Ladung frischer Herbstbücher? Die Verlage haben ihre neuen Programme unlängst vorgestellt, noch im Juli erscheinen die ersten Titel. Ich freue mich in dieser Saison besonders auf die Debüts von drei jungen Autorinnen und auf zwei Neuübersetzungen, auf Geschichten, die weit in die Vergangenheit reichen, auf einen Roman/Memoir/Essay über queere Liebe und auf einiges mehr. Und welche sind eure Herbsthighlights?

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Eine Liebeserklärung

Abertausende Bücher werden jedes Jahr veröffentlicht. Alle sechs Monate, im Frühjahr und im Herbst, verschicken die Verlage ihre Programmkataloge mit Dutzenden Neuerscheinungen, ich bin fleißig und gehe sie allesamt durch, tagelang, zunächst noch freudig aufgeregt, dann schon bald ermattet. Ich notiere mir den einen oder anderen Titel, aber ehe ich sie kaufe und schließlich auch lese, vergehen Monate, gar Jahre, ich warte auf die richtige Stimmung oder auf die Meinung der anderen, und vieles erledigt sich mit der Zeit von selbst. Nur bei einem Verlag ist das anders: Liebeskind. Kaum sind die Bücher da, landen sie auf meinem Nachttisch, in meiner Hand, in meinem Kopf; um sie führt kein Weg herum.

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Prosanova | 17

Zwei Literaturfestivals innerhalb von zwei Wochen – und zwei vollkommen unterschiedliche Welten, denen ebenso unterschiedliche Auffassungen von Literatur und deren Vermittlung zugrunde liegen. Erst kürzlich war ich bei den Solothurner Literaturtagen und fand alles sehr schön dort: die Stadt, das Wetter, die eingeladenen Gäste und das, was sie sagten und lasen. Am vergangenen Wochenende fuhr ich nun nach Hildesheim, wo zum fünften Mal das Prosanova Festival für junge Literatur stattfand. Hier ist alles anders, aber – mit Ausnahme der Stadt vielleicht, die ihre netten Ecken gekonnt versteckt – nicht minder schön.

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Jakob Arjouni: Happy birthday, Türke!

»Ich stieß die Tür auf und ging unter in Lila«

Seit fünfeinhalb Jahren lebe ich in Frankfurt. Mittlerweile bewege ich mich zumeist in so gediegenen Gegenden wie dem Westend und dem Nordend, früher aber, in meinen Anfangszeiten als Frankfurterin, wohnte ich im Gallus. Und zwar so nah am Bahnhof, dass ich immer behauptete, im Bahnhofsviertel zu wohnen. Bis zur Niddastraße, die weiter östlich Teil des Rotlichtbezirks wird, waren es nur ein paar Schritte, auf dem Weg zur Tram kam ich am Drogennotdienst vorbei, und auf dem Bürgersteig lagen die Crackpfeifen. Wenn ich dann Richtung Mainufer abbog, gelangte ich zur Münchener Straße mit all ihren asiatischen und türkischen Läden, aber natürlich auch mit all den neu entstehenden Szenelokalen wie dem Plank, das damals dank eines Fotos von Jürgen Teller auf dem Cover des ZEITmagazins gerade ganz groß wurde.

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Solothurner Literaturtage

Als Literaturblogger jettet man ja ziemlich viel um die Welt. Gestern Mannheim, heute Leipzig, morgen – wer weiß, vielleicht Turin oder Stockholm. Man flaniert in feiner Robe über rote Teppiche, nippt am Champagner und smalltalkt mit anderen bedeutenden Leuten, und hin und wieder hält man ein Buch in die Kamera und bekommt dafür von irgendjemandem Geld, sehr viel Geld. Ein Hochglanzleben ähnlich wie das der Lifestyle-Bloggerinnen. Am vergangenen Wochenende durfte ich es wieder in vollen Zügen auskosten, und zwar auf Einladung der Solothurner Literaturtage. Die Gastgeber haben dafür gesorgt, dass ich bequem reiste und schön untergebracht war, und deshalb kann ich gar nicht anders, als die Veranstaltung super zu finden. So zumindest stellen es sich womöglich diejenigen vor, die der Ansicht sind, Blogger lassen sich vor den Marketingkarren der Verlage und Institutionen spannen.

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