»Immer ist alles schön«

Vier Bücher, vier brüchige Kindheiten

Ich bin versucht zu sagen, es ist Zufall, dass ich zuletzt gleich mehrere Romane gelesen habe, die von der Kindheit handeln und davon, wie sie in uns nachwirkt. Aber vielleicht stimmt das gar nicht, vielleicht ist es kein Zufall, sondern ganz und gar zwingend. Vielleicht ist die Kindheit ein magischer Ort, der uns in seinem Bann hält und immer wieder zurückholt, mehr als jeder andere Ort; mit ihr hat es schließlich begonnen, aus ihr ist alles Weitere entstanden. Wir erinnern uns und erzählen einander davon, wir suchen uns in den Erzählungen der anderen, spiegeln uns darin oder grenzen uns davon ab. Darum greifen wir fortwährend zu diesen Geschichten: um uns unserer eigenen Geschichte zu vergewissern.

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Saša Stanišić: Fallensteller

»Es ist Zeit vergangen, seit du bei uns warst. Jetzt gibt’s wieder was zu erzählen.«

Zuerst begegneten mir diese Geschichten Ende letzten Jahres, als Saša Stanišić sie gemeinsam mit Tilman Rammstedt in Frankfurt vortrug – ein irre komischer Abend. Aber das stimmt nicht ganz, sie sind mir schon viel früher begegnet, 2014 war das. Damals las ich Stanišić’ Roman Vor dem Fest, und auf einmal waren mir lauter schrullige Dörfler aus der Uckermark ans Herz gewachsen. Jetzt sind sie alle wieder da, bekommen im jüngsten Werk des Autors, dem Erzählband Fallensteller, ein Nachleben. Ich hatte ja keine Ahnung, als ich das Buch aufschlug, und da sitze ich nun inmitten alter Freunde und kann mein Glück kaum fassen.

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Lesungen I/2017

Nur noch wenige Wochen, dann hat die Sommerpause ein Ende und die Literaturstätten dieser Stadt öffnen wieder ihre Pforten. Bevor es jedoch so weit ist, werfe ich noch einmal einen Blick zurück auf die Veranstaltungen, die ich in der ersten Hälfte des Jahres besucht habe. Es war allerhand los in den vergangenen Monaten, nicht nur in Frankfurt, sondern auch im Rest der Republik und über die Landesgrenzen hinaus. Ich war überall, in Leipzig und Hildesheim, in Solothurn und Klagenfurt. Am schönsten ist es aber bekanntlich daheim, zum Beweis sollen folgende Impressionen dienen.

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Vom Scheitern

Vor zwei Jahren las ich ALFF, das Debüt des 1988 geborenen Jakob Nolte, und war auf der Stelle Fan. Was für ein kühnes, schrulliges, wahnsinnig komisches und wahnsinnig trauriges Werk! Endlich konnte man ohne jegliche Übertreibung sagen: Da traut sich mal jemand was, so etwas hat man in der jungen deutschsprachigen Literatur lange nicht mehr gelesen. Ich habe meinen Hut vor Jakob Nolte gezogen – und tue es noch immer, obgleich ich an seinem zweiten Roman, Schreckliche Gewalten, gescheitert bin. Jawohl, ich bin gescheitert, nicht der Autor.

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Literarische Neuerscheinungen im Herbst 2017

Es ist Sommer, es ist heiß, wir brauchen dringend Abkühlung! Wie wäre es also mit einer Ladung frischer Herbstbücher? Die Verlage haben ihre neuen Programme unlängst vorgestellt, noch im Juli erscheinen die ersten Titel. Ich freue mich in dieser Saison besonders auf die Debüts von drei jungen Autorinnen und auf zwei Neuübersetzungen, auf Geschichten, die weit in die Vergangenheit reichen, auf einen Roman/Memoir/Essay über queere Liebe und auf einiges mehr. Und welche sind eure Herbsthighlights?

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Eine Liebeserklärung

Abertausende Bücher werden jedes Jahr veröffentlicht. Alle sechs Monate, im Frühjahr und im Herbst, verschicken die Verlage ihre Programmkataloge mit Dutzenden Neuerscheinungen, ich bin fleißig und gehe sie allesamt durch, tagelang, zunächst noch freudig aufgeregt, dann schon bald ermattet. Ich notiere mir den einen oder anderen Titel, aber ehe ich sie kaufe und schließlich auch lese, vergehen Monate, gar Jahre, ich warte auf die richtige Stimmung oder auf die Meinung der anderen, und vieles erledigt sich mit der Zeit von selbst. Nur bei einem Verlag ist das anders: Liebeskind. Kaum sind die Bücher da, landen sie auf meinem Nachttisch, in meiner Hand, in meinem Kopf; um sie führt kein Weg herum.

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Prosanova | 17

Zwei Literaturfestivals innerhalb von zwei Wochen – und zwei vollkommen unterschiedliche Welten, denen ebenso unterschiedliche Auffassungen von Literatur und deren Vermittlung zugrunde liegen. Erst kürzlich war ich bei den Solothurner Literaturtagen und fand alles sehr schön dort: die Stadt, das Wetter, die eingeladenen Gäste und das, was sie sagten und lasen. Am vergangenen Wochenende fuhr ich nun nach Hildesheim, wo zum fünften Mal das Prosanova Festival für junge Literatur stattfand. Hier ist alles anders, aber – mit Ausnahme der Stadt vielleicht, die ihre netten Ecken gekonnt versteckt – nicht minder schön.

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