Die Besten und Schönsten 2017

Was für ein Jahr! Klar, das Weltgeschehen hat uns mal wieder zugesetzt – da steht 2017 seinen Vorgängern in nichts nach. Aber weil wir ständig damit ringen und uns den Kopf zerbrechen über die großen und kleinen Krisen, weil wir an allem teilhaben und uns daran aufreiben, weil wir immerzu Wege suchen, um diese Welt zu einem etwas besseren Ort zu machen, und Tag für Tag müder werden, drücke ich an dieser Stelle mal auf die Pausentaste. Um das große Ganze soll es hier also nicht gehen, nein, die Rede ist von meinem ganz persönlichen Jahr. Das war nämlich trotz allem: super.

 

Ich war 2017 an so vielen Orten wie noch nie, habe aufregende Dinge erlebt und mich mit guten Menschen umgeben, beruflich wie privat. Ich war in Leipzig zur Messe, in Klagenfurt zum Bachmannlesen und in Berlin zum open mike, ich besuchte die Solothurner Literaturtage und das Prosanova in Hildesheim, ich traf Autoren in Salzburg, München, Köln, Stuttgart und Aachen. Ich tanzte auf Hochzeiten in Kempten und Freiburg, feierte Familiengeburtstage in Magdeburg und im Erzgebirge, wanderte im Allgäu und im Pongau, machte Urlaub in Riga und Thessaloniki. Außerdem reiste ich gleich zweimal in die USA, zuerst nach Boston und dann nach Las Vegas. Und als es zum Jahresende hin ruhiger wurde, beschloss ich spontan, dass es Zeit ist für ein neues Zuhause.

 

Und da sitze ich nun, an diesem schönsten Ort von allen, und lasse mein Jahr Revue passieren. Und damit natürlich auch die Bücher, die ich gelesen, die Filme, die ich gesehen, und die Musik, die ich gehört habe. Angesichts meiner Abwesenheiten bin ich wenig überrascht, dass die Ausbeute rein quantitativ nicht sonderlich üppig ausfällt, über die Qualität kann ich dagegen nicht klagen. Gewiss, es dürften noch ein paar Wuchtwerke mehr sein, aber die bringe ich einfach selbst auf den Weg – welche, das verrate ich euch in meiner baldigen Frühjahrsauslese. Hier soll es stattdessen um all die guten Sachen gehen, die es bereits gibt und die mich in diesem Jahr begeistert haben.

5 Bücher

 

Joan Didion: Das Jahr magischen Denkens.
Über den Verlust ihres Mannes und über die Unbegreiflichkeit des Todes an sich schreibt Didion auf faszinierend assoziative Weise. Gegenwart und Vergangenheit, intime Bekenntnisse und Reflexionen über gesellschaftliche Normen, medizinische Protokolle und Literaturzitate – all das fließt ineinander und ergibt eine scharfsinnige wie bewegende Betrachtung über das Trauern.
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Antje Rávic Strubel. List, Berlin 2015, 288 Seiten, 9,99 €.

China Miéville: Dieser Volkszähler.
Am Anfang läuft ein Junge ins Dorf und sagt, der Vater sei von der Mutter getötet worden – oder war es andersherum? Am Ende ist man zwar weit davon entfernt, die Geschichte wirklich durchdrungen zu haben, doch was bleibt, sind die unzähligen Bilder, die sich im Kopf verfestigen, schaurige und gleichzeitig unheimlich poetische Bilder. » mehr lesen
Aus dem Englischen von Peter Torberg. Liebeskind, München 2017, 176 Seiten, 18,00 €.

Saša Stanišić: Fallensteller.
Da schenkt Stanišić, dieser Fabulierer, Wortakrobat und Harlekin, doch einfach seinen schrulligen Figuren aus Vor dem Fest ein Nachleben, und jetzt ist es wahrlich ein Fest. Wer’s gerne exzentrisch mag, wird diese Erzählungen lieben. » mehr lesen
Luchterhand, München 2016, 288 Seiten, 19,99 €.

Nis-Momme Stockmann: Der Fuchs.
Dieses Buch ist eine Zumutung – im allerbesten Sinne! Ausufernd und verschlungen, waghalsig und wahnsinnig. Der Theaterautor Stockmann lässt in seinem Romandebüt alle Konventionen hinter sich, um vom Aufwachsen im norddeutschen Ödland zu erzählen und von nichts weniger als dem Ursprung der Welt.
Rowohlt, Reinbek 2016, 716 Seiten, 24,95 €.

Julia Weber: Immer ist alles schön.
Eine der eindringlichsten Lektüren dieses Jahres, so fragil und gleichzeitig dicht ist Webers Sprache, so beklemmend und gleichzeitig zärtlich die Geschichte von zwei Kindern, die von ihrer Mutter allein gelassen werden. » mehr lesen
Limmat, Zürich 2017, 256 Seiten, 24,00 €.

5 Filme & Serien

 

Mein unbestrittenes Kinohighlight ist Manchester by the Sea von Kenneth Lonergan: unaufgeregt erzählt und herausragend gespielt (Casey Affleck ist, by the way, auch in A Ghost Story zu sehen, ebenfalls schön still und schön bebildert, allerdings mit ein paar Schwächen). Denis Villeneuve hat mit Arrival einen Science-Fiction-Film der besonderen Art geschaffen, und der österreichische Kabarettist und Schauspieler Josef Hader läuft in seinem schwarzhumorigen Regiedebüt Wilde Maus einmal mehr zur Höchstform auf. In der Welt der Serien haben’s mir – neben den Fortsetzungen von Fargo (groß!) und Stranger Things (etwas zu überladen, aber immer noch gut) – vor allem Love und Taboo angetan, die eine herrlich verrückt und charmant, die andere finster wie das London des 19. Jahrhunderts.

5 Platten

 

In musikalischer Hinsicht war es ein sehr französisches Jahr. Von Camille ist eine neue wundervolle Platte erschienen, außerdem habe ich Jeanne Added für mich entdeckt, und ich könnte diese Liste mühelos fortführen, etwa mit Mademoiselle K, Agar Agar und Camp Claude, allesamt irgendwo zwischen Elektro, Rock und Pop. Aber es soll ja auch noch andere Kulturen geben, die gute Musik hervorbringen. Die wüste Berliner Band Mittekill zum Beispiel hat endlich wieder ein Album vorgelegt, aus Österreich fand der Indie-Pop von Garish zu mir, und kurz vor Jahresende stieß ich schließlich auf ein Co-Projekt aus Spanien und Großbritannien, Digital 21 & Stefan Olsdal. Inside heißt ihr opulentes Debüt, das Clubmusik mit klassischen Streichern zusammenbringt, Sigur Rós ist da herauszuhören und auch ein bisschen Björk.

All diese schönen Dinge machen sich natürlich auch ausgesprochen gut unter dem Tannenbaum. In diesem Sinne: Habt ein paar fröhliche Festtage, lasst euch die Plätzchen schmecken und seid nett zueinander.

Die Jahresrückblicke der anderen:

» Literaturen
» Jargsblog
» Die Buchbloggerin
» novelero
» buchrevier
» Lesen macht glücklich
» Bücherwurmloch
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» novellieren
» literaturblog günter keil
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» Zeilensprünge
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8 Kommentare zu „Die Besten und Schönsten 2017

  1. Liebe Caterina,
    danke schön für diesen feinen Jahresrückblick mit einigen mir noch unbekannten literarischen, musikalischen und cineastischen „Perlen“. Und danke für den Hinweis auf Jargsblog.
    Feine Feiertage mit den Menschen, die dir etwas bedeuten und ein gesundes, glückliches, an schönen Erlebnissen reiches neues Jahr wünscht dir
    Jarg

    1. Danke dir, lieber Jarg. Ich hoffe, auch du hast schöne Feiertage verbracht und bist unversehrt ins neue Jahr gekommen.

      1. Oh ja. Leider war es zwischen den Jahren wie immer zu kurz. Aber es blieb genug Zeit für das

  2. Hallo Caterina,

    Kann mich Jarg nur anschließen, eine feine Auswahl. Insbesondere bei den Büchern sind schöne Perlen dabei, wovon ich zwei noch gar nicht kenne und mir mal vormerken werde.

    Ein paar schöne Feiertage wünsche ich und einen guten Start ins neue Jahr, in dem wir uns hoffentlich auch wieder regelmäßig lesen.
    Marc

    1. Hallo Marc,
      es freut mich, dass du ein paar Entdeckungen machen konntest, ich bin gespannt, wie du die Bücher findest, sollten sie dir in die Hände fallen.

      Die besten Wünsche für 2018!
      caterina

  3. Sehr schön, liebe Caterina! Und Julia Weber muss ich unbedingt auch noch lesen, das liegt schon so lange unberührt auf meinem Stapel. Wünsche Dir entspannte Feiertage und einen guten Start in 2018!

  4. Ach, ich bin ja so gespannt, was du zu Julia Weber sagst, für mich war sie die Entdeckung des Jahres.

    Hab auch du ein fabelhaftes neues Jahr!
    Herzlich
    caterina

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