Vier Lesungen

Wer mir auf Facebook folgt, weiß, dass ich eine emsige Besucherin von Lesungen bin, hier im Blog berichte ich allerdings nur selten darüber. Nun soll es ja aber immer noch Menschen geben, die nicht in den sozialen Netzwerken verkehren, von vielen meiner literarischen Erlebnisse und Erleuchtungen sind sie somit ausgeschlossen. Dies darf nicht sein und deshalb werde ich ab sofort ausgewählte Happenings gesammelt in Wort und Bild rekapitulieren. Den Anfang machen vier Veranstaltungen, die im März und April an zwei meiner Lieblingsstätten Frankfurts stattfanden, dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm und dem Literaturhaus.

Heinz Helle & Thomas von Steinaecker

Knapp zwei Monate mussten die kulturbeflissenen Frankfurter ohne das Literaturforum auskommen, am 10. März wurde es endlich wiedereröffnet – mit neuem Geschäftsführer, frisch renovierten Räumlichkeiten und einem ebenso aufgefrischten Programm. Zum Auftakt wurde unter dem Titel »Schöne neue Welt« über aktuelle dystopische Literatur geredet: Gemeinsam mit den Gastgebern Björn Jager und Malte Kleinjung stellten die Autoren Heinz Helle und Thomas von Steinaecker ihre Romane Eigentlich müssten wir tanzen (Suhrkamp) resp. Die Verteidigung des Paradieses (S. Fischer) vor, die – so stellte sich in ihrem anregenden Gespräch heraus – interessante Parallelen aufweisen. Ein gelungener Start, der Lust auf mehr machte.

Garth Risk Hallberg

Einige Tage später hatte ich einen reizenden Abend mit dem amerikanischen Schriftsteller Garth Risk Hallberg, der mit seinem opulenten Roman City on Fire (S. Fischer) zu Besuch im Literaturhaus war. Gemeinsam mit dem gewohnt fabelhaften Anglisten Jan Wilm sprach er über die 70er und 9/11, über das New York von damals und heute, über Musik und Feuerwerke, über das Verhältnis von Angst und Schreiben. Gelesen wurde ebenfalls, sowohl aus dem Original als auch aus der deutschen Übersetzung von Tobias Schnettler – Letzteres übernahm Torben Kessler vom Ensemble des Schauspiels Frankfurt. Einen ausführlichen Bericht über die Veranstaltung gibt es im Blog novellieren.

Ronja von Rönne

Über Ronja von Rönne wird derzeit allerhand gesagt, jeder hat eine Meinung zu ihr und glaubt zu wissen, wer sie ist und wie sie tickt; ich selbst nehme mich da gar nicht aus. Umso schöner ist es, wenn man dann trotzdem noch überrascht werden kann – so geschehen kürzlich im Literaturforum. Die Debütantin (Wir kommen, Aufbau) erwies sich als reichlich pfiffig, schlagfertig und eloquent, sie lachte viel und aufrichtig, gern auch über sich selbst, und übernahm oft die Gesprächsführung. Den Moderator Björn Jager brachte das nicht aus dem Konzept, im Gegenteil, er hatte sichtlich Freude an diesem Schlagabtausch – und mit ihm das Publikum. Eine richtig erfrischende Veranstaltung, das fand auch Isabella von novellieren.

David Grossman

Der israelische Schriftsteller David Grossman hat einen der klügsten, schönsten und erschütterndsten Romane ever geschrieben, Stichwort: Liebe. Nun stellte dieser so bedachte, schlaue, ganz und gar unprätentiöse Mensch seinen neuen Roman Kommt ein Pferd in die Bar (Hanser) im Literaturhaus vor und redete viel über das Verhältnis von Kunst, Humor und Politik. Während man in seiner Heimat gerne weghört, sobald er kritische Töne anschlägt, erntete er hier lang anhaltenden Beifall. An seiner Seite saß HR-Redakteur Alf Mentzer, der einfühlsam das Gespräch leitete, und Peter Schröder vom Schauspiel las mit einiger Verve aus dem Roman. Ein aufschlussreicher und bewegender Abend – und eine Begegnung, die mich ganz sicher so bald nicht mehr loslässt. Mehr im Blog glasperlenspiel13.

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5 Kommentare zu „Vier Lesungen

  1. Ich bin einer jener Menschen, die noch immer nicht in sozialen Netzwerken verkehren, daher finde ich die Entscheidung, hier Beiträge über Lesungen zu veröffentlichen, natürlich gut! 😉 Auch, weil ich auf diese Weise immer neue Anregungen für Bücherkäufe bekomme. David Grossman z.B. interessiert mich spontan sehr.

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    1. Danke für die Rückmeldung! Das ist wirklich gut zu wissen, da ich davon ausgegangen bin, dass die Fotos und Texte den allermeisten schon bekannt sind. Umso besser, dass ich über den Blog doch noch einige andere Menschen erreiche. Und den Roman von David Grossman lese ich übrigens gerade, bald kommt dazu auch hoffentlich eine Besprechung.

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  2. Hallo,

    gerade wollte ich schreiben, dass ich auch nicht in sozialen Netzwerken verkehre. Aber dann ist mir aufgefallen, dass das Quatsch ist: Ich verkehre nicht in sozialen Netzwerken im Internet. (Interessant dass diese Dinger, wie Du in Deinem Text auch richtig formulierst, mittlerweile „[die] sozialen Netzwerke“ heißen. [Bitte hier eine kulturpessimistische Aussage Ihrer Wahl einfügen.]) Also danke für das cross-posting.

    Schöne Grüße
    Christian

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