Im Gespräch mit Isabel Bogdan

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»Besser kann’s eigentlich nicht mehr werden.«

In der Reihe »SeitenBlicke« führe ich in unregelmäßigen Abständen Gespräche mit Literaturschaffenden aller Art – Autoren, Verlegern, Buchhändlern, Veranstaltern, Bloggern und anderen enthusiastischen Büchermenschen. Wir unterhalten uns über ihre Werdegänge, über das Lesen und Schreiben im Zeitalter der Digitalisierung und darüber, was Literatur kann und möglicherweise sogar muss. Heute kommt die Übersetzerin und Autorin Isabel Bogdan zu Wort, die soeben ihr Romandebüt Der Pfau bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht hat. Alle bisherigen Gespräche dieser Reihe können hier nachgelesen werden.

isabel bogdan© Smilla Dankert

Wer bist du und was machst du mit Literatur?

Isabel Bogdan, ich übersetze seit 16 Jahren Bücher, und gerade ist mein erster eigener Roman erschienen, Der Pfau. Es gibt auch schon ein Sachbuch, Sachen machen, und demnächst erscheint eine Inselanthologie, die ich mit Anne von Canal zusammen herausgebe.

Und was macht Literatur mit dir?

Mich froh. (Wenn sie das nicht tut, lege ich sie beiseite.)

Wie bist du zum Übersetzen und zum Schreiben gekommen? Und das Bloggen, wie hängt das mit alledem zusammen?

Zum Übersetzen bin ich schrittchenweise und ganz langsam gekommen: Angefangen mit Fachübersetzungen, die gar keinen Spaß machten, über Sachbücher, populäre Ratgeber, dann lustige Frauenromane, mal einen Krimi, und dann wurde es langsam immer literarischer. Mit dem Bloggen habe ich angefangen, als wir in Coesfeld wohnten und mir die Decke auf den Kopf fiel, da habe ich mich ein bisschen ins Internet geflüchtet.

Und aus Übersetzen und Bloggen erwuchs dann irgendwann das eigene Schreiben.

Wie sieht dein Alltag aus?

Ich schlafe aus, dann holte ich mir Kaffee und Laptop ans Bett, und wenn es auf die Deadline zugeht, werden die Nächte kurz. Das übliche Freiberufler-Lotterleben halt. Manchmal ist es mir ein bisschen zu einsam, deswegen nutze ich alle Gelegenheiten rauszukommen: Seminare, Buchmessen, Übersetzertagung, Lesungen, alles, wo sich das Literaturvolk zusammenrottet und man Kollegen und nette Menschen trifft. Ansonsten habe ich mein virtuelles Großraumbüro im Internet. Denn eigentlich bin ich zu kommunikativ für eine so einsame Arbeit.

Was war ein besonders schöner Moment in deinem bisherigen Werdegang – ein erfolgreiches Projekt zum Beispiel oder eine inspirierende Begegnung?

Ich bin gerade ein bisschen auf einem Dauer-Endorphin-Trip. Dass ich tatsächlich einen Roman geschrieben habe, den KiWi tatsächlich haben wollte, und der jetzt so gut ankommt, das ist schon der Wahnsinn. Und dann bekomme ich auch noch Rückenwind dadurch, dass meine Gardam-Übersetzung so gut läuft, das passt gerade alles außerordentlich wunderbar zusammen. Besser kann’s eigentlich nicht mehr werden.

Was kann Literatur in deinen Augen leisten oder bewirken, was muss sie? Muss sie überhaupt irgendetwas?

Literatur kann Menschen zum Denken bringen und Horizonte erweitern. Sie muss aber gar nichts, finde ich. Wenn sie irgendwem Spaß macht, wenn irgendwer etwas gerne liest, dann ist es prima.

Inwiefern gehst du als Leserin, Übersetzerin und Autorin jeweils unterschiedlich an Texte heran? Sind die drei überhaupt trennbar, kannst du auch mal nur Leserin sein, ohne den Text aus der Sicht der Übersetzerin oder Autorin zu beurteilen?

Schwer. Ich lese eigentlich immer ein bisschen mit dem Rotstift im Kopf, mir fallen Formulierungen auf, über die ich dann nachdenke … vor allem am Anfang eines Buches. Wenn ich dann irgendwann Vertrauen zur Autorin oder zum Übersetzer habe, dann hört das auf.

Ich lese überhaupt nichts auf Englisch, denn da läuft in meinem Hinterkopf immer die Übersetzung mit, wie Untertitel, und das nervt. Außerdem habe ich Angst, zu sehr im eigenen Saft zu schmoren, und will gern Deutsch tanken; gucken, was deutsche Autoren machen und was die Übersetzerkollegen machen.

Welches Buch hat dich zuletzt beschäftigt?

In bin gerade schwer verliebt in Joachim Meyerhoff.

Was wünschst du dir, deinem Schaffen, der Literatur für die Zukunft?

Mir selbst wünsche ich erstmal ganz eigennützig, dass der Pfau schön weit fliegt. Und als nächstes dann, dass mir noch mal etwas einfällt, ich habe nämlich große Lust weiterzumachen. (Was nicht heißen soll, dass ich das Übersetzen aufgeben würde.)

Der Literatur in Deutschland insgesamt wünsche ich eine Aufhebung des Schubladendenkens. Es geht ja im angelsächsischen Sprachraum auch ohne diese strenge Aufteilung in E und U, wieso nicht hier?

Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo. Lebt in Hamburg, weil es da so schön ist. Sie veröffentlichte zahlreiche Übersetzungen, u.a. von Jane Gardam, Nick Hornby, Jonathan Safran Foer, Jonathan Evison und Megan Abbott. Sie ist Vorsitzende des Vereins zur Rettung des »anderthalb«. 2011 erschien ihr erstes eigenes Buch, Sachen machen, bei Rowohlt, außerdem veröffentlichte sie Kurzgeschichten in Anthologien. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung, 2011 den für Literatur (für den Romananfang von Der Pfau, KiWi, Februar 2016).

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10 Gedanken zu “Im Gespräch mit Isabel Bogdan

    1. Merci! Auch mir gefallen die Antworten und die Haltung, die dahinter erkennbar ist. Vor allem der letzte Satz: »Der Literatur in Deutschland insgesamt wünsche ich eine Aufhebung des Schubladendenkens. Es geht ja im angelsächsischen Sprachraum auch ohne diese strenge Aufteilung in E und U, wieso nicht hier?« Ich bekomme das vor allem im Bereich der Spannungsliteratur mit, die unter den ‚Literaten‘ immer noch um Anerkennung kämpfen muss.

      Gefällt 2 Personen

      1. Ja, genau das meinte ich. Hier macht man sich das Leben manchmal unnötig kompliziert mit solchen überflüssigen Trennungen. Dabei wird dann vieles in der falschen Schublade abgelegt und schadet in gewisser Weise dem „Ruf“ des jeweiligen Werks.

        Gefällt 1 Person

  1. Hallo liebe Caterina,

    ich habe Isabel Bogans „Der Pfau“ vor ein paar Tagen gelesen und heute auf meinem Blog rezensiert. Als ich dann auf der Suche nach Interviews mit der Autorin war, bin ich glücklicherweise auf deine Seite gestoßen. Ich habe dein Interview in meinem Beitrag bei der Autoreninformation verlinkt und hoffe, dass es okay für dich ist? Falls nicht, sag mir einfach kurz Bescheid, dann lösche ich es wieder raus, ja? 🙂 Hier ist der Link: http://janine2610.blogspot.co.at/2016/03/rezension-der-pfau-isabel-bogdan.html

    Alles Liebe,
    Janine

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      1. Vielen herzlichen Danke! Nein, bisher habe ich nur dein Interview im Netz entdeckt, aber weil ich jetzt ja doch neugierig bin, werde ich mir das von 54books auch noch durchlesen. 😉

        Alles Liebe,
        Janine

        Gefällt 1 Person

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