#netzrundschau 01/2016

# willkommen!

Meine letzte #netzrundschau ist schon etwas länger her, der monatliche Platz dafür kam stattdessen einer anderen Sache zu, dem von mir mitherausgegebenen E-Book Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge, das Anfang Dezember bei mikrotext erschienen ist und sich großer Resonanz erfreute. Eine Art Ritterschlag war eine Besprechung in der Printausgabe der FAZ, wo Elke Heinemann die Anthologie gemeinsam mit Simon Hadlers Analyse Die Angst vor dem »Ansturm« (Hanser Box) als »E-Books zur großen Krise der Zeit« empfahl. Zudem durfte ich dem Journal Frankfurt von dem Projekt erzählen, und das Portal Bookster Frankfurt nahm es zum Anlass, mich zu porträtieren – als erste Literaturbloggerin in der Reihe.

wir machen das

Eine weitere Initiative, die sich für eine Willkommenskultur einsetzt, hat vor ein paar Tagen das Licht der Welt erblickt: »Wir machen das«, ein Aktionsbündnis, das zunächst aus hundert Frauen aus Kunst, Wissenschaft und öffentlichem Leben bestand und dem sich inzwischen zahlreiche Personen und Institutionen angeschlossen haben, deren Ziel es ist, gemeinsam mit den Flüchtlingen »ein Zusammenleben auf Augenhöhe« zu schaffen. »Langfristig geht es darum, die Möglichkeiten und Potentiale einer Einwanderungsgesellschaft aufzuzeigen, die zwar Herausforderungen stellt, aber keine Bedrohung bedeutet«, heißt es in einem Leitartikel auf der Webseite der Aktion.

# literatur im netz

Auch in literarischer Hinsicht passiert einiges im Netz. Tilman Rammstedt schreibt mehr oder weniger unbeirrbar an seinem neuen Roman Morgen mehr (Hanser Verlag) und lässt die Welt daran teilhaben. Seit dem 11. Januar bekomme ich jeden Morgen von Montag bis Freitag eine Mail mit ein, zwei neuen Seiten, labe mich am typischen Rammstedt-Sound zwischen Melancholie und skurrilem Witz und werde manchmal ein bisschen müde, weil sich durch die wohl dosierten Portionen der Eindruck einstellt, man komme nicht vom Fleck – aber trifft immerhin auch auf den Erzähler selbst zu. Joachim Bessing schreibt indes auf waahr.de ein Internettagebuch mit dem schönen Titel »2016 – The Year Punk Broke« und berichtet darin wiederum von einer Begegnung mit Rammstedt und seiner Muse.

literatenfunk

Auf der Plattform piqd.de gibt es einen Kanal namens Literatenfunk, bei dem so sachverständige Leute wie Annika Reich, Annett Gröschner, Nora Gomringer, Jan Brandt und einige mehr über Bücher, übers Lesen und Schreiben nachdenken. Keine gewöhnlichen Rezensionen findet man hier, sondern teils essayartige, teils spielerische Annäherungen, zum Beispiel Saša Stanišić‘ launigen Text »Ich möchte bei einer PEGIDA-Demo Hölderlin, Tucholsky und Karl May vorlesen«: »[…] und ich würde Hyperions Brief an Bellarmin derart runterdursgrünbeinen, dass Dresden ins Wackeln kommen wird, wobei mir jederzeit klar sein würde, dass nach 1945 solche brachialen Bilder in Dresden absolut nichts verloren haben«.

# gebrauchsanweisung für blogger

Neben den gewohnt aufschlussreichen und erfrischenden Buchbesprechungen (siehe auch das Jahres-Best-of auf Lesen macht glücklich) warten die Literaturblogs ebenfalls mit anderen Formaten auf. Mariki vom Bücherwurmloch etwa nennt »11 Gründe, warum Männer, die über Bücher bloggen, cool sind«, und Tobias vom Buchrevier erwidert mit einer »Gebrauchsanweisung für Literaturblogger«, warum ein Leben mit ebendiesen gar nicht so einfach ist – zwei Beiträge, die die Debatte über den Sinn oder Unsinn von Literaturblogs mit einem Augenzwinkern fortführen. Ernster meinen es da die Bloggerinnen von Das Debüt, die einen Bloggerpreis für Literatur ausloben und dafür noch Mitstreiter suchen.

bloggerpreis-2016

Stefan Mesch hat sich derweil in der Szene der Booktuber umgesehen, die Bücherliebhaberin porträtiert in ihrer Reihe »Blogs der Buchbranche« auf glasperlenspiel13 das literarische Online-Magazin Hundertvierzehn des S. Fischer Verlages, und Sophie von Literaturen stellt die Leipziger Zeitschrift Edit vor. Einen Blick in ihre Bücherregale gewähren die Autoren Frank Berzbach und Sven Heuchert auf dem Blog des 2015 gegründeten Digitalverlages edel & electric. »Was Bücher betrifft, glaube ich mittlerweile an eine metaphysische Ordnung – das heißt, die Bücher kommen zu mir, ich suche sie nicht«, schreibt Heuchert über seine Lektüren. »Ein Rest Magie, ein Rest Geheimnis darf bleiben.«

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3 Kommentare zu „#netzrundschau 01/2016

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