Die Besten und Schönsten 2015

Wieder ein Jahr geschafft. Ein Jahr voller inspirierender Begegnungen, Ereignisse und Projekte, die mich mit allerhand Autoren, Bloggern, Verlagsleuten und anderen fabelhaften Büchermenschen zusammenbrachten. Da waren das Mannheimer Literaturfest lesen.hören und die Frankfurter Lyriktage, die ich lauschend und schreibend begleitete, da war die Arbeit als Facebook-Redakteurin des Deutschen Buchpreises und als Jurymitglied des Buchjournal-Schreibwettbewerbes, und nicht zuletzt war da das E-Book Willkommen! Blogger schreiben für Flüchtlinge, das ich im Dezember gemeinsam mit Katharina Gerhardt, Ariane Novel, Nikola Richter, Frank O. Rudkoffsky und Eva Siegmund bei mikrotext herausgegeben habe.

Die Bilanz meiner Lektüren fällt dagegen ein bisschen weniger enthusiastisch aus: Viele Bücher waren gut, manche enttäuschend, wirklich begeistert haben mich wenige. Auch in musikalischer Hinsicht ist die Ausbeute nicht gerade üppig, ich kenne kaum aktuelle Alben, konnte aber immerhin eine Handvoll älterer Sachen für mich entdecken. Im Theater war ich nur läppische zwei Male, bei Dostojewskis Dämonen am Schauspiel Frankfurt und Dietmar Daths Farbenblinde Arbeit am Nationaltheater Mannheim. Allerlei Schönes habe ich hingegen auf der Leinwand gesehen – möge mir 2016 mehr solcher Rauschzustände auch beim Lesen bescheren. Und einen neuen Film von Wes Anderson. Nun aber erst einmal zu meinen jeweiligen Top 5:

Bücher

2015 war das Jahr der Indies. Zu meinen Lektürehighlights gehören Merle Krögers hochaktuelles, vielstimmiges und vielschichtiges Havarie aus dem Argument Verlag, das im Übrigen auch auf Platz 1 der KrimiZeit-Jahresbestenliste ist, Jakob Noltes so gescheites wie irrwitziges Romandebüt ALFF aus dem Hause Matthes & Seitz sowie die rasante Krimigroteske Krieg der Bastarde der brasilianischen Autorin Ana Paula Maia (A1 Verlag / Büchergilde). Erstmals gelesen habe ich Jörg Fauser, und zwar seinen ziemlich wütenden, aber auch ziemlich unterhaltsamen autobiografischen Text Rohstoff aus dem Jahr 1984. Clemens J. Setz hat mit seinem 1000-seitigen Werk Die Stunde zwischen Frau und Gitarre die Erwartungen nicht ganz erfüllt, doch beweist er einmal mehr, dass er zu den interessantesten deutschsprachigen Gegenwartsautoren gehört.

Ebenfalls eine Erwähnung verdienen Melanie Raabes raffinierter Thriller Die Falle, Cynan Jones’ schmerzhafter Roman Graben und der erstklassige Noir Galveston von Nic Pizzolatto, dem Schöpfer der Serie True Detective.

Musik

Zu den Newcomern des Jahres zählen hierzulande AnnenMayKantereit, und auch ich kann mich ihren einfachen, aber schönen Texten und der wunderbar rauen Stimme des Sängers Henning May nicht entziehen. Außerdem habe ich die melancholische Musik von Bonnie »Prince« Billy, den eigenwilligen Folk von Devendra Banhart und O’Death sowie den großartigen Gitarrensound von Black Rebel Motorcycle Club für mich entdeckt. Letztere habe ich in Berlin live erlebt – weitere Konzerthighlights bescherten mir Alt-J in Offenbach, Notwist in Darmstadt, The Dandy Warhols in Frankfurt, Calexico in Luxemburg und Chuck Ragan in Wiesbaden.

Kino & TV

Mein Film des Jahres ist zweifelsohne Interstellar von Christopher Nolan, eine Wucht in jeglicher Hinsicht. Hauptdarsteller Matthew McConaughey glänzte zudem auch in der brillanten ersten Staffel von True Detective, die mich in etwa genauso sprachlos zurückließ wie Breaking Bad. Birdman von Alejandro González Iñárritu war erwartungsgemäß umwerfend, und ich kann es kaum erwarten, dass sein jüngstes Werk, The Revenant, anläuft. Ein kurzweiliger Western ist John Macleans Slow West mit dem großartigen Michael Fassbender; Ryan Gosling hat mit seinem Regiedebüt Lost River eine ebenso düstere wie magische Bilderwelt erschaffen, und Paul Thomas Andersons Inherent Vice mit Joaquin Phoenix, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Pynchon, ist einer der schrägsten und witzigsten Filme des Jahres.

Absolut sehenswert sind auch Paolo Sorrentinos gewohnt kunstvoll komponiertes Werk Youth (Ewige Jugend), der abgefahrene iranische Vampirfilm A Girl Walks Home Alone at Night von Ana Lily Amirpur und – aus dem Jahr 2013 – Locke (No Turning Back) von Steven Knight.

***

Die Jahresrückblicke der anderen:

» Literaturen
» buchpost
» Buzzaldrins Bücher
» We read Indie
» Bücherwurmloch
» Das graue Sofa
» lustauflesen.de
» Lesen macht glücklich
» literaturundfeuilleton
» SOUNDS & BOOKS
» literaturblog günter keil
» Muromez
» 1001 Bücher
» Lesen mit Links
» Klappentexterin
» Stefan Mesch
» Der Schneemann
» Octopus
» crimenoir

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20 Kommentare zu „Die Besten und Schönsten 2015

  1. Oh, wie schön, liebe caterina! Ich sitze just in diesem Moment auch an meinem Rückblick. Da kommt deiner gerade richtig um die Ecke, wie die Frau Sonne, die kürzlich aufgestanden ist.

    Ein toller Mix ist es bei dir geworden. »Ewige Jugend« hat mich ebenfalls begeistert. Und bei den Serien habe ich »Homeland« entdeckt. Was für eine grandiose, brillante und spannende Serie! Auf »True Detective« freue ich mich schon sehr.

    Vielen Dank für deine feine Rückschau und für die wiederholt fabelhafte Zusammenarbeit!.

    Hab eine berauschende und schöne Silvesternacht!

    Alles Liebe
    Klappentexterin

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    1. »Homeland« fand auch ich ganz und gar fabelhaft, die Serie stand auf meiner 2014er-Best-of-Liste. Die erste Staffel von »True Detective« überragt sie aber meiner Meinung nach noch, die zweite Staffel fällt dagegen etwas ab. Mal sehen, was 2016 in dieser Hinsicht für uns bereithält.

      Ich hoffe, du bist gut ins neue Jahr gekommen und bist schon umringt von ein paar schönen Büchern.

      Herzlich
      caterina

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      1. Oh, die erste Staffel von True Detective ist neben Top of the lake und Twin Peaks meine Lieblingsserie. (Ups, und fangen alle mit T an ;-))
        Ich könnte noch Fargo empfehlen. Die zweite Staffel hier sogar mehr als die erste.

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      2. Fargo fand auch ich großartig, die erste Staffel ebenso wie die zweite. Wäre auf jeden Fall in der Top Ten meiner Lieblingsserien der letzten Jahre, wenn nicht sogar in der Top Five. True Detective bleibt aber ungeschlagen. 😉

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  2. Schön, dass Du die Musik von Bonnie „Prince“ Billy entdeckt hast, kann ich ebenfalls wärmstens empfehlen, wenngleich ich bei den vielen Erscheinungen der letzten Jahre den Anschluss verloren habe. Schöne Grüße aus Hamburg, Gérard

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    1. Ja, Bonnie war tatsächlich eine Entdeckung, sehr feine Musik! Und fürs neue Jahr habe ich mir vorgenommen, mich wieder mehr mit Musik zu beschäftigen und aktiv zu stöbern, 2015 habe ich doch viel verpasst.

      Lieben Gruß nach Hamburg!
      caterina

      Gefällt 1 Person

  3. Hi, Like your blog and I look in from Time to Time, following your review on Havarie I bought Grenzfall to start to discover Merle Kröger and will follow up later in the year with Havarie

    I wish you a more fulfilling 2016

    Pat

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    1. Dear Pat,
      thanks for your kind words, it’s a nice surprise to have some English-speaking readers as well. And I am glad you got to know Merle Kröger thanks to my review, I hope you’ll like »Havarie« as I did.

      All the best
      caterina

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  4. Toller blog…macht Spass!!! Ab 8. Feb ist Affenjahr…schmunzel…jumping from tree to tree, where is the best fruit…da wird sich wieder genau das finden, was wir lieben…das Außergewöhnliche…guten Rutsch, Greta Rosalie Emme

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  5. Hallo Caterina,

    vielen lieben Dank für die Verlinkung und danke für einen wunderbaren Rückblick auf dein Lesejahr.
    Wünsche dir einen guten Rutsch. Auf ein Lesereiches 2016.
    Liebe Grüße
    Marc

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  6. Hey, inwiefern hat denn Herr Setz mit seinem 1000Seiten-Werk deine Erwartungen nicht erfüllt? Ich hab es vor einigen Tagen durchgelesen und war ausgesprochen angetan… LG Laura

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    1. Zugegeben: Meine Erwartungen waren sehr hoch, Die Frequenzen habe ich nämlich geliebt. Die Stunde … ist in vielerlei Hinsicht großartig, leidet jedoch an etlichen Längen und dreht sich im Kreis – die Hälfte hätte genügt. Irgendwann überlagert die Müdigkeit all das Glück, das man angesichts der Genialität mancher Passagen empfindet.

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      1. Hmm, immer diese Erwartungen 😉 Ich hatte nach „Indigo“ zum Glück nicht allzu hohe Ansprüche an „Die Stunde…“ und empfand den 1000Seiten-Roman durchweg als spannend… Für mich war das eins der Bücher, bei denen ich traurig war, dass sie enden. Nathalie ist so herrlich verrückt 😉 Aber ich bin wohl auch ein sehr geduldiger Leser, wenn ein Buch mich einmal für sich eingenommen hat. Und das schaffen nicht mehr viele… LG Laura

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      2. Die Traurigkeit darüber, dass das Buch zu Ende ist, hatte ich tatsächlich bei den Frequenzen, die ja auch nur unwesentlich kürzer sind als Die Stunde … und ebenso ausufernd und mäandernd. Ich glaube, dort hatte ich mehr Spaß an den einzelnen Episoden und Anekdoten, bis zum Schluss, während ich bei der Stunde … irgendwann das Gefühl hatte, dass es sich im Kreis dreht. Aber es stimmt schon, das hat auch ganz viel mit Erwartungen zu tun, und die waren bei mir wirklich hoch. Das Gute daran ist: Fürs nächste Buch sind es nicht mehr. 😉

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