Im Gespräch mit Carolin Callies

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 »Im Schreiben interessiert mich nicht das, was ist, sondern das, was möglich wäre.«

In der Reihe »SeitenBlicke« führe ich in unregelmäßigen Abständen Gespräche mit Literaturschaffenden aller Art – Autoren, Verlegern, Buchhändlern, Veranstaltern, Bloggern und anderen enthusiastischen Büchermenschen. Wir unterhalten uns über ihre Werdegänge, über das Lesen und Schreiben im Zeitalter der Digitalisierung und darüber, was Literatur kann und möglicherweise sogar muss. Heute kommt Carolin Callies zu Wort, die Lyrikerin und Veranstalterin in Frankfurt ist. Vor ihr standen Frank Berzbach sowie Irina Kramp Rede und Antwort.

Carolin Callies© Mario Theimer

Wer bist du und was machst du mit Literatur?

Mein Name ist Carolin Callies und ich stelle mit Literatur vieles an: ich lese sie, ich schreibe sie, ich vermittle sie. Bei Schöffling & Co. organisiere ich die Autorenlesungen und Veranstaltungen. Ich bin beim Kollektiv »text&beat@orange peel« aktiv, das Literatur und Themen mit Musik, Kunst, Film und Tanz verbindet und auf die Bühne bringt. Und ich schreibe selbst Lyrik, die gerade unter dem Titel fünf sinne & nur ein besteckkasten erschienen ist.

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen? Und zum Schreiben?

Das ging Hand in Hand: Seit ich lesen kann, begeistere ich mich für Bücher, für Geschichten, für Sprache. Und ich schreibe seit meiner Jugend, nachdem ich der expressionistischen Lyrik von Else Lasker-Schüler begegnet bin. Aus all den Gründen wollte ich gerne beruflich etwas mit Büchern machen und hatte das Glück, beim Suhrkamp Verlag eine Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin anfangen zu können. Anschließend habe ich noch Medienwissenschaften studiert.

Wie sieht dein literarischer Alltag aus?

Ich werde oft gefragt, wie ich all das unter einen Hut und in einen Tag bringe. Das klappt deshalb so gut, weil ich in Ladenburg – einer Kleinstadt zwischen Mannheim und Heidelberg – wohne und in Frankfurt arbeite. So sitze ich jeden Tag zwei Stunden im Zug. Das ist Zeit zum Lesen, zum Schreiben, zum Grübeln. Der Zug ist mein Arbeitszimmer.

Inwiefern überschneiden, ergänzen und beeinflussen sich deine verschiedenen Tätigkeiten?

Bei jeder Frage – sei sie philosophisch oder praktisch – befrage ich seit jeher Bücher und Literatur. Beide sind für mich immer Antwortgeber gewesen. Insofern ist für mich jeder Umgang mit Literatur (ob lesend, schreibend, organisierend oder moderierend) immer erkenntnisgeleitet.

Warum hast du für dich die Lyrik als Ausdrucksform gewählt? Was ermöglicht sie dir?

Gedichteschreiben scheint heute mehr denn je einer Rechtfertigung zu bedürfen – ein Prosaschreibender würde nie gefragt werden, warum er keine andere Gattung schreibt. Oder ein Bildender Künstler, warum er abstrakte Bilder malt und nicht gegenständlich.

Für mich ist das Gedichteschreiben ein bisschen so, als verschwände man für kurze Zeit im Alice’schen Kaninchenbau, in dem eigene Bedingungen herrschen. Im Schreiben interessiert mich nicht das, was ist, sondern das, was möglich wäre.

Welches Buch hat dich zuletzt beschäftigt?

Beschäftigt habe ich mich zuletzt mit Nino Haratischwilis Roman Das achte Leben, dem Gedichtband Buch der Dörfer von Hans Thill und der Gesamtausgabe von Little Nemo von Windsor McCay (dem ersten surrealistischen Comic).

Welche Entwicklungen auf dem Buchmarkt, im Literaturbetrieb treiben dich um?

Wen trieben die aktuellen Entwicklungen in ihrer Gesamtheit nicht um?

Wie nimmst du die Frankfurter Literaturszene wahr? Was schätzt du an ihr, was fehlt dir?

Obwohl ich zur Zeit in Elternzeit bin, versuche ich dennoch, möglichst oft nach Frankfurt zu kommen. Für mich als Besucherin wie als Veranstaltungsorganisatorin gleichermaßen ist Frankfurt ein Glücksfall – mit den beständig arbeitenden Häusern mit ihren unterschiedlichen Programmen und Schwerpunkten. Und erst die Festivals (wie »Frankfurt liest ein Buch«, um nur eines zu nennen)! Aber auch die unabhängigen Bühnen – wie den »Dichtungsfans« um Marcus Roloff, Martin Piekar und Jannis Plastargias, die der Lyrik ein großes Forum bieten und neue Lesungsformate austesten. Die Akteure des Betriebs in Frankfurt mögen das teilweise anders sehen – ich als Besucherin genieße die Vielfalt der literarischen Veranstaltungen.

Was wünschst du dir, deinem Schaffen, der Literatur für die Zukunft?

Ich wünsche mir: eine tolle Buchmesse in Leipzig; viele Besucher bei meiner Lesung am 24. März im Hessischen Literaturforum im Mousonturm; der Lyrik mehr Leser; dem gedruckten Buch ein langes Leben.

Carolin Callies, geboren 1980 in Mannheim, lebt in Ladenburg bei Heidelberg. Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin beim Suhrkamp Verlag, Studium der Germanistik und Medienwissenschaft in Mannheim. Anschließend Programmassistenz im Literaturhaus Frankfurt und aktuell Lesungsorganisation beim Verlag Schöffling & Co. Veröffentlichungen in Zeitschriften (Bella triste, Allmende, POET, Neue Rundschau) und Anthologien (Jahrbuch der Lyrik 2011, 2013, 2015, Trakl und wir: Fünfzig Blicke in einen Opal, Lyrik-Taschenkalender 2015). Teilnahme beim 17. open mike 2009. Mit fünf sinne & nur ein besteckkasten veröffentlicht sie im Frühjahr 2015 bei Schöffling & Co. ihren ersten Gedichtband. Mitveranstalterin bei text&beat@orange peel und ehemalige Mitkuratorin der Reihe »WORT SCHATZ III« auf culturmag.de.

» www.carolin-callies.de
» text&beat
» Schöffling & Co.
» Suhrkamp Verlag

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3 Kommentare zu „Im Gespräch mit Carolin Callies

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