10 Jahre Deutscher Buchpreis im Literaturarchiv Marbach

marbach2

In Bälde geht der Deutsche Buchpreis in die elfte Runde, doch das tut den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum keinen Abbruch. Seit vergangenem Freitag ist im Literaturmuseum der Moderne in Marbach die Wanderausstellung »Das Original! 10 Jahre Deutscher Buchpreis« zu sehen, eine Kooperation der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung und des Deutschen Literaturarchivs Marbach, zu dem das Museum gehört. Eröffnet wurde die Ausstellung mit einem Podiumsgespräch, zu dem unter anderem die Buchpreisträgerinnen Terézia Mora und Kathrin Schmidt geladen waren.

Es war mein erster Besuch in Marbach, entsprechend beeindruckt war ich von den unterirdischen Räumen des Literaturmuseums, von seinen massiven Betonwänden und der elegant-kühlen Teakholzvertäfelung; dass hier alles recht dunkel ist, liegt daran, dass Papiere und Tinten kein Licht vertragen. Die aktuelle Ausstellung erkundet auf anregende Weise den »Wert des Originals«, doch noch faszinierender ist der »nexus«, der Kern des Museums: ein Saal voller Glasvitrinen – fast kommt man sich vor wie in einem Spiegelkabinett –, in dem die kostbarsten Stücke des Literaturarchivs ausgestellt werden.

Im Auditorium des Literaturmuseums kamen am Freitagabend rund vierzig Literaturaffine aus der Region zusammen, um der Ausstellungseröffnung beizuwohnen. Auf dem Podium saßen neben Mora und Schmidt der Literaturkritiker Helmut Böttiger, der 2013 in der Jury des Deutschen Buchpreises saß, Heike Gfrereis vom DLA, die die Ausstellung gemeinsam mit Dorothee Werner konzipiert hat, sowie Joachim Unseld, Verleger der Frankfurter Verlagsanstalt und – gemeinsam mit Bodo Kirchhoff – Initiator des Buchpreises. Moderiert wurde das Gespräch von der Literaturkritikerin Maike Albath, die 2011 der Jury angehörte.

Nach ein paar einleitenden Worten von Prof. Dr. Ulrich Raulff, dem Direktor des Literaturarchivs, sowie Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins, gingen die sechs Experten der Frage nach: »Was täten wir, wenn es morgen keine Originale mehr gäbe?« Sie sind Experten in zweifacher Hinsicht: Mit Ausnahme von Heike Gfrereis hatten sie alle in den vergangenen Jahren auf die eine oder andere Weise mit dem Buchpreis zu tun, darüber hinaus haben sie aber auch unmittelbar an der Ausstellung mitgewirkt. Anhand von Objekten erzählen sie – und eine Handvoll weiterer Protagonisten – ganz persönliche Anekdoten rund um den Preis.

Da ist etwa das unfertige Manuskript von Terézia Moras Frankfurter Poetikvorlesungen, das sie auf dem Flug zur Preisverleihung bei sich getragen hatte und das – wie sie nun im Gespräch gestand – ein »gefaktes Original« ist. In Wirklichkeit sei das Original, so Mora, längst geschreddert, also habe sie es rekonstruiert. Ganz und gar original sind hingegen die DDR-Artikel, die Maike Albath für ihr Exponat zusammengetragen hat: Sprühmilch, Tempoerbsen, Spee-Vollwaschmittel und andere. An diese fühlte sie sich dank der Lektüre von Angelika Klüssendorfs Das Mädchen und Eugen Ruges In Zeiten des abnehmendes Lichts erinnert.

Um den Wandel des Originals – seiner Gestalt und Bedeutung – im Zeitalter der Digitalisierung ging es im zweiten Teil des Gesprächs, den aktuellen Entwicklungen standen die Podiumsteilnehmer dabei indifferent bis sorgenvoll gegenüber. Erfreulicherweise betonten zwar sowohl Albath als auch Unseld die Rückbesinnung auf das Analoge in  Form von schön ausgestatteten Buchreihen wie den »Naturkunden« bei Matthes & Seitz, doch wurden die Chancen des Digitalen – die Tatsache etwa, dass das E-Book mehr ist als nur die (zugegeben »praktische«) digitale Ausgabe eines Buches – leider vollkommen ausgeblendet.

Abgesehen von diesem einen Punkt, der trotz der knappen Zeit ruhig noch hätte vertieft werden können, handelte es sich um eine aufschlussreiche Diskussion verschiedener Akteure des Literaturbetriebs über die Produktion, Rezeption und Verwertung von Texten. Zum Abschluss luden die Gastgeber zum Abendessen in der Cafeteria des Museums, in der im Übrigen auch die Ausstellung untergebracht ist. Bis zum 25. Februar wird sie noch hier bleiben, bevor sie schließlich auf Wanderschaft geht. Die nächsten Stationen sind Frankfurt am Main, Heidelberg, Bad Homburg und Berlin.

Advertisements

10 Kommentare zu „10 Jahre Deutscher Buchpreis im Literaturarchiv Marbach

  1. Was bedeutet denn in Bälde? Wann wird die Long List bekannt gegeben und gibt es wieder eine Blogger-Aktion? Darf ich mitmachen? Hiermit bewerbe ich mich offiziell als Probeleserin für den Deutschen Buchpreis. Lebenslauf auf Anfrage.

    Gefällt mir

      1. Gerne. Die Literaturmuseen in Marbach waren auch für mich eine Entdeckung – architektonisch wie ‚inhaltlich‘. Ein Besuch lohnt absolut! Ebenso in der Wanderausstellung zum Buchpreis. Es ist nur eine Handvoll Exponate, aber sie geben einen interessanten und manchmal auch amüsanten Einblick in das Schaffen der verschiedenen Akteure.

        Gefällt 1 Person

    1. Das übliche Procedere: Im Februar wird die Jury bekannt gegeben, und dann müssen wir uns noch bis Mitte August gedulden, bis die Longlist herauskommt. Alles andere kommt mit der Zeit. 😉

      Gefällt mir

  2. Liebe Caterina,

    ich danke dir für diesen wunderbaren und sehr aufschlussreichen Bericht. Die Bilder und Eindrücke, die du uns aus Marbach mitgebracht hast, sind ganz fantastisch. Seitdem ich während meines Germanistikstudiums von diesem Literaturarchiv gehört hatte, träume ich davon, es zu besuchen. Nur schade, dass das Thema der Digitalisierung nur so unzureichend besprochen wurde.

    Liebe Grüße
    Mara

    Gefällt mir

    1. Liebe Mara,
      Marbach ist tatsächlich einen Besuch wert – dies wird auch nicht mein letzter gewesen sein, da es so viel mehr zu sehen gibt (zum Beispiel konnte ich an dem Tag nicht ins eigentliche Archiv, ’nur‘ ins angeschlossene Museum). Ich drücke dir die Daumen, dass auch du es bald mal nach Marbach schaffst!

      Und was den anderen Punkt betrifft: Ja, das war wirklich schade, allerdings ist es auch ein Thema, das allein schon einen ganzen Abend hätte füllen können. Das Podiumsgespräch war gerade mal auf anderthalb Stunden angelegt und es wurden so unterschiedliche und weitläufige Themen wie der Begriff »Original«, E-Books und Deutscher Buchpreis verhandelt. Da ist es verständlich, dass viele Bereiche nur angerissen werden können.

      Gefällt mir

    1. Ich hatte auch so meine Schwierigkeiten, musste die Damen aber zum Glück nicht ansprechen. Die Redner waren aber offenbar geübt und haben den Namen problemlos über die Lippen bekommen.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s