Die Besten und Schönsten 2014

Das Jahresende naht, allerhöchste Zeit für einen Rückblick – zumal Heiligabend unmittelbar bevorsteht und manch einer vielleicht noch nach einer Kleinigkeit sucht, die sich gut unterm Tannenbaum machen würde. Also lasse ich nun Revue passieren, was ich dieses Jahr gelesen, gehört und gesehen habe, wobei ich mich bewusst auf Werke konzentriere, die 2014 herausgekommen sind, wenngleich ich natürlich auch so manch Älteres konsumiert und goutiert habe (so habe ich beispielsweise erst kürzlich John Irving – mit dem Hotel New Hampshire – sowie Gisbert von Knyphausen für mich entdeckt). Stöbert schön und habt’s fein, an Weihnachten wie auch im kommenden Jahr!

Bücher

Meine literarischen Highlights waren zum einen der Erzählband Wir haben Raketen geangelt von Karen Köhler, ein hinreißendes Gesamtkunstwerk, zum anderen die Romane Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili und Deutscher Meister von Stephanie Bart, die auf ganz unterschiedliche, auf jeden Fall aber bemerkenswerte Weise Zeitgeschichte erzählen. Beglückt hat mich außerdem die Lektüre von Saša Stanišić’ gefeiertem Vor dem Fest sowie von Ramona Ausubels Der Anfang der Welt, zwei Kleinode vor allem in stilistischer Hinsicht. Weitere Anwärter auf die vorderen Plätze wären sicherlich Königreich der Dämmerung von Steven Uhly, Vielleicht Esther von Katja Petrowskaja und Ein ganzes Leben von Robert Seethaler, die allerdings bislang noch ungelesenen sind.

Musik

Die Entdeckung des Jahres war für mich Alt-J, diese leicht kauzige Band aus Leeds, die mich mit This Is All Yours mindestens genauso berauscht hat wie mit ihrem Debüt An Awesome Wave. Begeistert bin ich auch von Reflektor, dem aktuellen Album von Arcade Fire, denen es immer wieder gelingt, einen neuen Sound zu erfinden, sowie von Promises of No Man’s Land des niederländischen Folk-Rock-Musikers Blaudzun. Vielleicht nicht unbedingt eines der besten Alben ist The Golden Age von Woodkid, dafür aber bescherte er mir das beste Konzert, das ich jemals besucht habe (ganz zu schweigen von den brillanten – vom Künstler höchstselbst gedrehten – Musikvideos). Auf Platz fünf befinden sich die vier kalifornischen Rock-Mädels von Warpaint mit ihrem gleichnamigen zweiten Album.

Kino & TV

Welcher der cineastische Höhepunkt 2014 sein würde, dass wusste ich bereits, als ich die Ankündigung sah: Wes Andersons Grand Budapest Hotel, ein visuelles Spektakel mit altbewährtem Cast und gewohnt schrägem Humor. Den Dokumentarfilm 20.000 Days on Earth über Nick Cave hatte ich zunächst nicht auf dem Schirm, umso überwältigter war ich schließlich von den Bildern, vor allem aber von der Musik (zugegeben eines meiner zahlreichen Versäumnisse). Meine Leidenschaft für den Noir konnte ich mit The Drop, basierend auf Dennis Lehanes gleichnamigem Roman, und Nightcrawler befriedigen. Die Fernsehserie, die mich dieses Jahr begleitet und umgehauen hat, war Homeland. Nicht gesehen habe ich übrigens Locke, Interstellar, Nymphomaniac und Winterschlaf, auch dies mutmaßlich klasse Filme.

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11 Kommentare zu „Die Besten und Schönsten 2014

    1. Auch ich hatte vor, mir Warpaint anzusehen, aber leider ist das Frankfurter Konzert ausgefallen. So bleibt mir nur das Album – aber das ist ja auch schön. Freut mich, dass es bei dir (wie ich auf deinem Blog gelesen habe) ebenfalls zu den besten des Jahres gehört.

      Weihnachtliche Grüße,
      caterina

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    1. Ich habe schon gesehen, dass dich Deutscher Meister nicht überzeugen konnte, auch wenn ich dein Urteil – »sauber geschrieben, (…) aber mehr leider nicht« – überraschend finde, weil ich es ganz und gar anders empfunden habe. Gerade die sprachliche Ausarbeitung hat mir an diesem Roman so sehr gefallen, die ungewöhnliche Erzählhaltung, die frei von allem Kitsch und Pathos ist – angesichts des Themas sicher keine Leichtigkeit. Aber ich kann auch verstehen, wenn man gerade mit diesem Ton wenig anfangen kann und sich etwas mehr Emotionalität gewünscht hätte. Umso mehr freue ich mich, dass sich ansonsten unsere Lektüreerfahrungen decken.

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      1. Liebe Caterina,
        es liegt überhaupt nicht an der Erzählhaltung. Ganz im Gegenteil – mit Kitsch und Pathos kannst Du mich jagen. Nein, es ist ganz komisch bei diesem Buch. Vielleicht kennst Du das ja auch. Manchmal kommen ein paar Faktoren zusammen, die vollkommen beliebig und irrational sind, aber dazu führen, dass ein Werk bei mir einfach nicht punkten kann. Deutscher Meister war vielleicht einfach nur die falsche Lektüre zur falschen Zeit. Vielleicht versuche ich es nächstes Jahr damit noch einmal.
        Liebe Grüße
        Tobias

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      2. Ja, das kenne ich natürlich, lieber Tobias, manchmal kommt man an ein Buch einfach nicht heran – und nicht immer kann man greifen, warum das so ist. Manchmal ist es tatsächlich nur die falsche Zeit, andere Male ändert sich das Gefühl auch mit etwas Abstand nicht, man wird nicht warm miteinander. Absolut nachvollziehbar. Aber das Schöne ist ja: Alle Bücher finden trotzdem ihre Leser!
        Herzlich,
        caterina

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  1. Interessant: Während wir einerseits Überschneidungen haben, treffen wir uns andererseits gar nicht … Ich fand Wir haben Raketen geangelt und Vor dem Fest ebenfalls grandios, aber Deutscher Meister hat mir nicht so gefallen wie euch allen und Der Anfang der Welt war in meinen Augen eher einfach nur anstrengend und viel zu pathetisch (https://buecherwurmloch.wordpress.com/2014/06/26/ramona-ausubel-der-anfang-der-welt/). Aber ich bin gespannt, was uns 2015 bringt, und wünsche dir schon mal einen guten Rutsch in ein wunderbares neues Jahr!

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    1. Merci, ich hoffe, du bist ebenfalls gut ins neue Jahr gekommen!
      Deine Besprechung zum Anfang der Welt habe ich damals nur überflogen, da ich dachte, ich würde auch bald was dazu schreiben – inzwischen ist ein Dreivierteljahr vergangen… Als pathetisch habe ich den Roman jedenfalls nicht empfunden, ich mochte das Gedankenspiel, das Märchenhafte, auch wenn es in der zweiten Hälfte etwas zerfasert und nicht zum Punkt kommt. Trotzdem finde ich es schade, dass das Buch so wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

      Und Deutscher Meister – nun ja, da gehen die Meinungen stark auseinander. Mich haben sowohl Geschichte als auch sprachliche/erzählerische Ausarbeitung sehr beeindruckt; wenn ich an manche Passagen zurückdenke, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Schreibst du noch eine Besprechung dazu? (Oder habe ich sie übersehen?)

      Auch ich bin gespannt, was 2015 so bringt, angesichts meines unerhört großen SuBs will ich aber mal einen Gang runterschalten und mich den alten Sachen widmen, statt mich auf die Neuerscheinungen zu stürzen. Was man sich halt immer so vornimmt … 😉

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      1. Ganz so gut kann ich mich an Der Anfang der Welt auch nicht mehr erinnern, aber irgendwie blieb ein Gefühl der Enttäuschung zurück. Dass da so viel heiße Luft war und letztlich nix dahinter.

        Ich schreibe noch eine Besprechung, ja. Obwohl mir vorkommt, dass zu diesem Buch schon alles gesagt wurde … ich fand es wahnsinnig verkopft, damit hatte ich nicht gerechnet.

        Wie viele Bücher hast du denn auf dem SuB, hast du sie mal gezählt?

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      2. Um die 150 müssten es sein. Wobei ich einige davon auch nicht mehr lesen werde, fürchte ich: Die habe ich vor Jahren gekauft, und ich weiß schon nicht mehr, warum. Aber mit dem Rest dürfte ich zwei, drei Jahre auskommen, ohne mir neue Bücher anzuschaffen …

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