Karen Köhler: Wir haben Raketen geangelt

Köhler - Wir haben Raketen geangelt (c)

»Ich suche meine Koordinaten«

»Holy shit. Die Worstcase-Turbine in meinem Kopf läuft: […] Was, wenn ich die Startnummer 1 ziehe und als Erste lesen muss? Wer leiht mir seine Elefantenhaut? […] Oder was, wenn ich mich ständig verhasple? Wie überlebt man das? Soll man sich die Jury nackt vorstellen? Überhaupt: Was ziehe ich an? Kann man die Socken auch sehen?« Was ihr kurz vor ihrer Abreise nach Klagenfurt durch den Kopf ging, darüber schrieb Karen Köhler am 1. Juli, zwei Tage vor Beginn des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbes, zu dem sie von Hubert Winkels eingeladen worden war. Von einem Migräneanfall war da die Rede, von Lippenherpes, von anderen Dingen, die vor oder während der Lesung passieren könnten. Was als charmantes Gedankenkarussell gedacht war, wurde tags darauf zur Wirklichkeit, das Worst-Worst-Case-Szenario trat ein: Karen Köhler erkrankte an Windpocken und durfte nicht reisen, der Wettbewerb war damit für sie gelaufen.

Mehr als bedauerlich, denn sie galt in dem sonst eher schwachen Jahrgang, in dem sich schließlich der Österreicher Tex Rubinowitz mit seinem Text »Wir waren niemals hier« durchsetzte, als Favoritin. Am Donnerstagnachmittag veranstaltete das »Rudel Köhler« im Klagenfurter Café Lendhafen ein Solidaritätslesung, anstelle der zu Hause gebliebenen Autorin saßen unter anderem ihr Verleger Jo Lendle sowie Juror Winkels auf der Bühne und trugen den Wettbewerbsbeitrag »Il Comandante« vor. Es ist die erste Erzählung aus Karen Köhlers Debüt Wir haben Raketen geangelt, das nun im Hanser Verlag erschienen ist. Eine Erzählung, die exemplarisch ist für alle anderen in diesem hinreißenden Buch: Von den ganz großen Themen handelt sie – handeln sie alle –, von der Schwere des Lebens, die zwar die Figuren erdrückt, niemals aber den Leser, so leichtfüßig ist sie erzählt, so rotzfrech sind zuweilen die, die erzählen. Eine kraftvolle Geschichte – und dabei ist es noch nicht einmal die beste aus dieser Sammlung.

Es geht häufig um Schmerz in Wir haben Raketen geangelt, Menschen sterben, Menschen gehen fort, Menschen tun einem Leid an. Sie sind einsam, überfordert, verängstigt; sie werden einander fremd. Selten geht es um das Glück. In der Erzählung »Polarkreis« gibt es Momente davon, erst kleine und schließlich einen großen; es ist ein heller, fast heiterer Ton in einem Reigen melancholischer Klänge. Polar ist wie so viele der anderen Figuren – meist junge Frauen – auf der Flucht, eines Tages hinterlässt sie einen Zettel auf dem Küchentisch, auf dem geschrieben steht, sie sei »Zigaretten holen«, von da an zeichnen siebzehn Postkarten und zwei Briefe ihren Weg bis nach Sizilien nach. Es ist auf dem ersten Blick ein Weglaufen, erst nach und nach wird dem Leser – und wohl auch ihr selbst – bewusst, dass es der Versuch ist, eine Antwort zu finden. Im Grunde tun das auch die Protagonisten der anderen Geschichten, nur ist die Antwort selten so klar wie hier.

Erster Brief
Abgestempelt am 28. Juni auf Ischia, Provinz Neapel, Italien,

geschrieben auf der Rückseite des Restauranttischunterlagenpapiers »Da Giovanni«

Es ist Neumond und ich sitze auf der Terrasse mit eiskaltem Weißwein. Habe hier für ein paar Tage ein Zimmer gemietet. Das Wetter ist herrlich. Das Meer tiefblau. Und, um die Standardauskünfte zu vervollständigen: Das Essen ist hervorragend. Alles fällt von mir ab, wie Laub von einem Baum im Herbst oder der Schwanz von einer Eidechse. An Giovannis Strandbude habe ich Bruschette gegessen, die so unglaublich gut waren, dass ich wahrscheinlich von jetzt an alles daran messen werde. Einfaches kann so gut sein. Hört sich an wie ein Kalenderspruch und vielleicht ist es auch nicht nur kulinarisch gemeint. Hier sind die Zitronen groß wie Bauarbeiterfäuste. 

Riech mal,
P
olar 

PS: Ich weiß, ich schulde Dir alles. Eine Erklärung. Eine Antwort. Ein Leben vielleicht. 

Dem Brief beigefügt: ein Blatt von einem Zitronenbaum, ein Rosmarinzweig, einige Salbeiblätter.

In der Titelgeschichte wird von einer Liebe erzählt, die unweigerlich ein Ende nehmen wird; Punkt 10 auf der »Warum-ich-nicht-mit-Dir-zusammen-sein-kann Top 10« lautet: »Du wirst mich verlassen«. Und genau das wird er, der mit der Ich-Erzählerin auf der Vespa ans Schwarze Meer fährt und an Silvester mit ihr Raketen angelt, auch tun. Um Spiele, die aufhören, unschuldig zu sein, und bitterer Ernst werden, sobald man nicht mehr Kind ist, geht es in »Indianer und Cowboy«, einer Geschichte, die von der deutschen Provinz über den Ozean und quer durch die USA bis nach Las Vegas führt. Die Protagonistin der Erzählung »Wild ist scheu« lässt alles hinter sich, die Wohnung, die Arbeit, das Leben, das sie einst führte. Es ist Ende Oktober, sie zieht sich – mit wenig mehr als Schlafsack, Wasserkanister, Notizbuch und Stift ausgestattet – zurück auf einen Hochsitz im Wald, bald fällt der erste Schnee. Sie, die jemanden verloren hat, verliert Stück für Stück sich selbst, schreibt am sechsundzwanzigsten Tag: »Ich suche meine Koordinaten.«

Es sind also Verlorene und Suchende, die den Band Wir haben Raketen geangelt bevölkern, und angesichts der Themen, die hier verhandelt werden, könnte man meinen, das Buch sei erdrückend schwer. Dass dem nicht so ist, liegt an Karen Köhlers Erzählkunst: Zwar legt sich über sämtliche Geschichten eine feine Schicht von Melancholie, aber sie bedeckt nie gänzlich jene Leichtigkeit, der wir in »Polarkreis« begegnet sind, überall blitzt sie hindurch, in kleinen Szenen alltäglichen Glücks, im leisen Humor, den sich die Figuren – und die Autorin – trotz der Geschehnisse nicht nehmen lassen, im nonchalanten, bisweilen schnoddrigen Ton, der sich auch vor umgangssprachlichen Ausdrücken nicht scheut. Und dann sind da diese wunderbaren Sätze, die so unscheinbar daherkommen und doch ein ganzes Leben erzählen: »Etwas an seinem Gang ist komisch. Es sieht aus, als würde seinem Gang das Gewicht von schweren Schuhen fehlen.« Oder: »Er […] wechselt mit [seiner Ehefrau] Doris einen Blick, der 25 Jahre alt ist.«

Und so muss man zwar immer wieder bei der Lektüre schlucken, doch gleichzeitig kann man beglückter nicht sein. Beglückt über das Zartgefühl, mit dem Köhler hier fragile Existenzen beobachtet. Über die Sicherheit, mit der sie sich zwischen sanften und rauen Nuancen bewegt. Und nicht zuletzt über die Hülle, mit dem sie ihre Geschichten einkleidete. Denn ja, auch der liebevoll gestaltete Umschlag – eine ausklappbare Landkarte, deren Motive sich im Innern des Buches fortsetzen – stammt aus der Feder von Karen Köhler, die nicht nur Autorin, sondern eben auch Illustratorin ist (sie hat – das nur nebenbei erwähnt – die Logos vom Indiebookday und von We read Indie entworfen). Die Storysammlung Wir haben Raketen geangelt ist ein Gesamtkunstwerk, Köhler hat alles richtig gemacht – bis auf eine Sache: Sie hätte schon viel früher debütieren sollen, denn kühne und außergewöhnliche Texte wie diese braucht die deutschsprachige Gegenwartsliteratur.

Köhler - Wir haben Raketen geangelt (4)

Karen Köhler: Wir haben Raketen geangelt. Hanser Verlag, München 2014, 240 Seiten, 19,90 €.

***

Karen Köhlers Universum ist so mitreißend, dass Bibliophilin, Klappentexterin, Sophie, Mariki, Bücherliebhaberin und ich uns zusammengetan haben, um mit unseren Raketen von Blog zu Blog zu fliegen und euch den eindrucksvollen Erzählband aus unterschiedlichen Perspektiven zu zeigen. Dazu haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht. Was waren wir traurig, dass Karen Köhler »il Comandante« nicht beim Bachmannpreis vortragen konnte, ist diese Erzählung doch eine, die sich ins Herz brennt und geradezu prädestiniert ist, um die Kritiker vor Erstaunen von den Plätzen zu fegen! Deshalb bekommt »il Comandante« bei uns einen Ehrenplatz: Nacheinander werden wir je einen Abschnitt daraus veröffentlichen – er ist der Sternenschweif, der uns verbindet. Am Ende habt ihr nicht nur die komplette Erzählung, wir landen auch auf unserem Gemeinschaftsblog We read Indie. Dort empfangen wir euch zusammen mit der Autorin, die uns ein schönes Interview geschenkt hat. Die Raketen-Blogtour startet heute und führt jeden Tag zu einer anderen Bloggerin. Seid also gespannt und lasst uns fliegen!

***

comandante

Eine Erzählung aus Wir haben Raketen geangelt von Karen Köhler

Jetzt. Also Samstag. Samstag, der 2. Juni.

Keiner da. Das ist gut. Ich ziehe mir die Perücke vom Kopf, nehme gleich alle Steine aus der Schale und befülle die Perücke damit, steige auf die runde Holzbühne, hocke mich vor den Altar und lege den Perückensteinbeutel vor mich hin. Nicht nur ein Stein, sondern ein ganzes Nest der Schwere. Hole mein Telefon raus und fotografiere das Nest mit einer Polaroid-App. Ich klicke: Nachrichten. Klicke: Cesar. Klicke auf das kleine Fotosymbol. Lade das Bild und schreibe: I even did my hair for you. I hope they serve Banana Split in heaven. Klicke: Senden. Mache dann Musik an. Interpret: Buena Vista Social Club. Volle Lautstärke Hasta Siempre Comandante.

Der Montag davor

Ich liege auf der 14A, Zimmer 11 und habe das Bett am Fenster. Die Diplompsychologin hat sich auf den Stuhl zwischen Bettkante und Fensterbank gesetzt und schaut mich aufmunternd an. Es ist ihr dritter Versuch in sieben Wochen. Jederzeit könne ich mich bei ihr melden. Dafür sei sie ja schließlich da. Ich brauche mich nicht für meine Schwäche zu schämen. Hinter ihr schieben sich wilde Wolken durch Fensterrahmen. Ich könne jetzt gleich einen Termin mit ihr vereinbaren. Sie habe Verständnis für meine Situation und Erfahrung mit Patienten wie mir. Sie könne sich meine Gefühle und Ängste gut vorstellen. Ein Playboy-Hase fliegt auf den Diplompsychologinnenkopf zu. Jetzt hat sie vier Ohren. Sie wisse, dass gerade in meiner Situation oft Überforderungen im Umgang mit der Krankheit auftreten und dass sowas auch eine Partnerschaft belasten könne. Ich blicke weiter aus dem Fenster. Die Hasennase kommt als Schlange wieder aus ihrem Ohr heraus. Ich solle mich nicht scheuen, den kostenlosen Patientendienst in Anspruch zu nehmen und mich bei ihr melden, wenn ich Hilfe benötige.
»Danke. Ich habe kein Interesse«, sage ich. Dann geht die Tür auf und der Arzt kommt zur Visite. Oberarzt Doktor Kehlmann schäkert, sie verschwindet. Endlich. Eine Maus fliegt vorbei.
»Wie geht es uns heute?«, fragt Dr. Kehlmann.
Die Maus wird zu einem Dackel.
»Na gut. Dann wollen wir uns das mal ansehen.«
Kehlmann schlägt die Bettdecke von meinem Bauch und zieht sich Einweggummihandschuhe an. Ich hebe das T-Shirt. Wir gucken auf den Beutel. Mitten in meinem Bauch ist neuerdings ein Loch. Über dem Loch klebt die Platte, an der Platte ist eine Öffnung mit einem Verschluss, und daran hängt der Beutel. In dem Beutel ist meine Scheiße. Das ganze heißt Stoma. Künstlicher Darmausgang. Den habe ich seit vier Tagen. Seit 29 Tagen habe ich eine Glatze, genauer gesagt habe ich mittlerweile gar keine Haare mehr am Körper. Seit zwei Tagen hat sich Tom nicht mehr gemeldet. Ich bin 33 Jahre alt und habe Krebs. Wiesollsunsdennheuteschongehen. 

»Kommen Sie mit dem Stoma zurecht?« Ich nicke. Kehlmann entfernt den Beutel, in dem sich mein Frühstück befindet, eine Pampe aus Tee und Apfel. Ein Geruch, an den ich mich noch immer nicht gewöhnt habe, breitet sich aus. Kehlmann betupft und säubert mit der freien Hand die Öffnung. »Ahh. Das sieht doch wunderbar aus, das ist sehr gut verheilt«, sagt er, während er den kleinen roten Mund in meinem Bauch begutachtet. Ein Stückchen Dünndarm schaut da heraus, vernäht zu einer Öffnung. Mich ekelt dieser Schlund.
»Vertragen Sie den Kleber von der Platte?«
»Glaub schon.«
»Kein Juckreiz?«
»Nö.«
»Das ist gut. Unsere Stoma-Therapeutin wird Ihnen zeigen, wie Sie in den nächsten Monaten selbständig alles wechseln können.«
»Das hat sie schon.«
»Achso. Ja. Wenn Sie entlassen werden, kommt sie zu Ihnen nach Hause und versorgt Sie mit Utensilien.«
Doktor Kehlmann geht zum Waschbecken und entleert den Beutel. Ich stelle mir vor, wie die Stoma-Therapeutin bei Tom und mir zu Hause auf dem Sofa sitzt und uns wie ein Staubsaugervertreter Beutel und Platten andreht.
»Das wird schon. Übung macht den Meister. In ein paar Monaten sind Sie ein Profi. Den werden Sie gar nicht mehr loswerden wollen …« Kehlmann klickt gekonnt den Beutel an den Verschluss.
Ich will darin kein Profi werden. Ich will meinen alten Bauch zurück. Ohne Loch. Ich will meine Wimpern zurück, meine Augenbrauen und meine langen Haare. Ich will, dass Tom neben mir liegt und ich mich einrolle.
Kehlmann schiebt meine Hose herunter und wechselt den Verband der Narbe, die einmal quer über meinen Unterbauch verläuft und aus der ein Schlauch herausführt, der in einem weiteren Beutel mit Wundsekreten endet.
»Ich bin ein Beuteltier.«
Kehlmann lacht und untersucht die Wunde. Darunter: Mein stillgelegter Restdickdarm. Jetzt funktionslos und hoffentlich auch karzinomfrei.
»Das sieht auch sehr gut aus. Wir entfernen bald die Drainage.«
Er blättert in der mitgebrachten Kartei, macht Notizen und sagt, man habe jetzt den Befund von den Lymphknoten. Diagnose pT3pN2. Das bedeute, dass man über weitere Therapien nachdenken müsse, er werde mit mir noch für diese Woche einen Termin vereinbaren, damit wir alles genau besprechen können. Zunächst wolle er sich aber auf der Tumorkonferenz mit seinen Kollegen beraten. Die Schwester werde mir den Termin mitteilen. Wahrscheinlich sei der Mittwoch. Das sei alles kein Grund, den Kopf …
Weitere Therapien, was für Therapien, wie kann das sein, dass da nach sechs Wochen Chemo jetzt noch was befallen ist, ich dachte, ich bin jetzt fertig, was kommt denn da noch, pT3pN2, warte mal, N2 bedeutet mehr als drei benachbarte Lymphknoten, das ist doch schlecht, oder nicht, ist auch mein Blut befallen, wird das wieder, warum sagt er denn nichts, was ist mit der Leber und der Bauchspeicheldrüse, was sagt er, FOLFOX, wieso FOX, wohin frisst sich das noch, was heißt denn weitere Therapien, wieso denn Plural, danach noch mal FU5, ambulant oder stationär, dafür bekomme ich einen Port über dem Herzen, was ist das, ein Port, ein Hafen, warte …
Doch bevor ich etwas sagen kann, ist er verschwunden, und ein Pferd galoppiert durch den Himmel.

***

Weiter geht es morgen bei Bibliophilin, anschließend auf den Blogs KlappentexterinLiteraturen, Bücherwurmloch sowie glasperlenspiel13 und schließlich am Sonntag auf  We read Indie.

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20 Kommentare zu „Karen Köhler: Wir haben Raketen geangelt

  1. Zum Bachmannpreis geladen zu sein und dann Windpocken zu bekommen ist schon ein hartes Los. Da hat sich das Leben ja mal so richtig von seiner gemeinen Seite gezeigt – dachte ich für etwa ein bis zwei Minuten. So lange hat es ungefähr gedauert bis ich mit ‚Stoma‘ den Fachbegriff für einen künstlichen Darmausgang erfuhr. Es ist hat alles relativ. Den Bachmannpreis selbst habe ich jedenfalls noch nie so relativ interessant empfunden wie heuer.
    Was deine Rezession zu ‚Wir haben Raketen geangelt angeht‘, so fühlte ich mich unmittelbar an ‚Das fremde Meer‘ erinnert. Dieses Buch habe ich übrigens erst kürzlich, nicht zuletzt auf deine Empfehlung hin, mit Begeisterung gelesen. Siehst du da nach der Lektüre ebenfalls Parallelen?

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    1. Ich habe den Bachmannpreis dieses Jahr nur nebenbei verfolgen können, ein paar der Beiträge habe ich gelesen, auch den Siegertext, den ich ganz gut fand. Aber der Jahrgang davor konnte mich deutlich mehr begeistern. „il Comandante“ sticht da aus den diesjährigen Beiträgen schon heraus. Dabei halte ich diese Erzählung – das schrieb ich ja bereits in der Rezension – nicht einmal für die beste aus dem Band, im Gegenteil.

      Hätte ich sie nur im Zusammenhang von Klagenfurt, vollkommen losgelöst von diesem Buch, kennengelernt, hätte ich ihr wohl nicht halb so viel Aufmerksamkeit geschenkt. »Cowboy und Indianer«, »Wir haben Raketen geangelt«, »Wild ist scheu« und »Name. Tier. Beruf« haben mich beispielsweise viel mehr getroffen. Aber dass es stärkere und schwächere Geschichten gibt, macht nichts, alle zusammen ergeben ein absolut rundes Bild, einen Erzählband, durch den sich die immer selben Motive und die immer selben Figuren ziehen.

      Insofern – ja – erinnert Wir haben Raketen geangelt durchaus an Das fremde Meer, auch wenn Letzteres noch deutlich melancholischer, stiller, auch poetischer ist. Karen Köhler ist in den leisesten Geschichten so behutsam wie Katharina Hartwell, aber dann gibt es auch jene Stellen, in denen sie die Dinge bei ihrem Namen nennt, sie nicht in Watte packt, wie die von dir zitierte Stoma-Passage. Sie schreibt umgangssprachlich, ihr Ton ist bisweilen rauer als der von Hartwell, aber nicht minder poetisch.

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