Indiebookday 2014

Ja, mir ist durchaus bewusst, dass der Indiebookday bereits am vergangenen Samstag stattgefunden hat, und ja, ich bin eine lausige Indiebookerin. Aber ist nicht jeder Tag ein bisschen indie? Zum Beispiel der völlig bedeutungslose 27. März, an dem ich es endlich zustande gebracht habe, die ersehnten Bücher zu kaufen und zu fotografieren? Um von meiner Verspätung abzulenken, habe ich mir besonders viel Mühe bei der Inszenierung meiner Ausbeute gegeben: Sage und schreibe fünfundsiebzig Fotos wurden geschossen, um am Ende dennoch kein einziges zu haben, auf dem sowohl ich als auch die Bücher bestmöglich zur Geltung kommen. Einige der ‚Outtakes‘ – Testbild, Buch verdeckt, unscharf, Pose noch nicht eingenommen, zu viele Haare – will ich euch aber nicht vorenthalten.

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Viel Herzblut und Leidenschaft sind also in meine Fotos geflossen – mindestens genauso viel wie in die schönen Programme, die die unabhängigen Kleinverlage Saison für Saison gestalten. Initiiert wurde der Indiebookday vom mairisch Verlag, weshalb ich es nur folgerichtig fand, eines seiner Bücher zu kaufen: Entschieden habe ich mich für Hannes Köhlers Debütroman In Spuren, hinreißend besprochen von der Klappentexterin. Auf das zweite Buch, das in meiner Einkaufstasche landete, Für den Herrscher aus Übersee von Teresa Präauer (erschienen 2012 im Wallstein Verlag), wurde ich erst kürzlich aufmerksam: Die österreichische Autorin und Künstlerin erlebte ich vor einer Woche bei der Vorstellung der aktuellen Ausgabe der Neuen Rundschau im Rahmen der Frankfurter Veranstaltungsreihe »Text at Art«.

indiebookday2014Im Übrigen war ich auch am Indiebookday selbst nicht untätig (nur zu bequem, vor die Tür zu gehen) und habe mein Bücherregal nach noch ungelesenen Werken aus unabhängigen Verlagen durchgesehen. Faszinierend, was da alles zum Vorschein kam: aufregende Literatur von Kein & Aber, Droschl, Wagenbach, Weidle und vielen mehr. Angesichts der Tatsache, dass ich all diese Schätze noch vor mir habe, stimmt umso mehr, was ich eingangs sagte: Jeder Tag ist ein bisschen indie.

Nicht zuletzt auch, weil ich mich diese Woche dazu entschlossen habe, Mitglied der Büchergilde zu werden. Aufgefallen sind mir die wunderschön ausgestatteten Bücher schon vor längerer Zeit, doch erst die Bücherliebhaberin hat mich mit der Buchgemeinschaft vertraut gemacht – lieben Dank dafür! Einmal im Quartal – wenn nicht sogar häufiger − darf ich mich ab sofort über eine Perle aus dem sorgfältig zusammengestellten Programm freuen und manch Buch in einer Indie-Ausgabe genießen, das im Original gar nicht indie ist (ich habe da beispielsweise Der Schrecken verliert sich vor Ort von Monika Held im Blick oder Das Phantom des Alexander Wolf von Gaito Gasdanow). Das wird ein feines Indie-Jahr!

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13 Gedanken zu “Indiebookday 2014

  1. Wenn man bedenkt, wie Daniel Beskos den Tag für den Indiebookday ausgesucht hat (du kannst da gerne mal in den 7. Teil meines Interviews mit ihm reinhören) ist es völlig legitim, wenn er dich bei dir verschiebt. 🙂 Eine schöne Ausbeute hast du da und schön zu sehen, dass such immer mehr Leute der Buchergilde anschließen. Ich habe mir dort gestern „Königsallee“ gekauft.

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    1. Es stimmt schon: Im Grunde ist für leidenschaftliche und bewusste Leser wie uns jeder Tag Indiebookday, zumal ich dann ja auch noch Teil der „We read Indie“-Initiative bin und mich ohnehin durchgehend für das Indie-Buch einsetze, insofern ins es tatsächlich kein Drama, dass ich dieses Jahr ein bisschen länger als alle anderen gebraucht habe. Aber es ist eben auch richtig, dass es einen speziellen Indiebookday gibt, an dem alle motiviert sind und mitmachen und so – hoffentlich – viele andere Leser, die sich mit der Problematik noch nicht auseinandergesetzt haben, darauf aufmerksam machen. Nur solche gebündelten Aktionen haben die Kraft dazu, etwas sichtbar zu bewegen. Es ist also ein Glück, dass die allermeisten nicht so nachlässig sind wie ich. 😉

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  2. Außergewöhnlich und sehr schön finde ich, wie du deinen ganz persönlichen Indie-Tag beschreibst. Ich musste echt grinsen, zu sehen, wie du schließlich zu deinem besten Foto gekommen bist. All die Mühe mit den missglückten (aber echt witzigen) „Unfällen“ hat sich gelohnt!! Dieses Lächeln nehme ich mit in den Tag. Thanks!

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    1. Ehrlich? Ich hatte auch so meinen Spaß bei der Fotosession. Weil ich einerseits auf der Suche nach dem perfekten Foto war und andererseits erkannte, wie absurd die Situation ist. Ich hätte auch einfach meine beiden Bücher fotografieren können – und gut ist. Aber schön, wenn ich durch diesen Aufwand anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte! 😀

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  3. Liebe Caterina,
    ein Blick hinter die Kulissen oder in der schönen Marketing-Sprache: Behind the Scene Fotos (kurz BTS-Material) sind immer aufregend, spannend und bei dir vor allem witzig. Das hättest du eigentlich (wie die VIPs) exklusiv an einen Verlag oder an ein nationales Medium verkaufen können 😉 KÖSTLICH & DANKE!!

    Ich freu mich sehr, dass ich dich für die Büchergilde begeistern konnte. Es lohnt sich und du wirst es nicht bereuen. Gaito Gasdanow habe ich für dieses Quartal auch schon im Blick.

    Sei herzlich gegrüßt von der Bücherliebhaberin

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    1. Liebe Bücherliebhaberin,
      hervorragende Idee, nur leider zu spät. Beim nächsten Mal werde ich diese Option aber in Betracht ziehen und mich an den meistbietenden Indie-Verlag verkaufen. 😉

      Und mich für etwas Schönes, das mit Büchern zu tun hat, zu begeistern ist nicht schwer. Ich freue mich jetzt schon auf meinen ersten Besuch in der Buchhandlung und darauf, diese sorgfältig ausgewählten und wunderschön ausgestatteten Bücher endlich in meiner Hand zu halten. Dank des Gutscheins kann ich ja gleich mehreren ein neues Zuhause geben. Ebenfalls ganz oben auf der Liste: Ernst Haffners Blutsbrüder.

      Danke also nochmals, dass du mich mit der Büchergilde bekannt gemacht hast, wir werden einander sicher mögen. 🙂

      Herzlich
      caterina

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  4. Hallo,

    ich liebe Bücher und mir ist bewusst, dass heute eine gewisse Art von Literatur große Schwierigkeiten hat, eine etwas größere Leserschaft zu erreichen. Die Frage ist, ob das je wirklich anders war oder je anders werden könnte. Also sind solche Aktionen eine gute Sache?
    Leider muss ich sagen, dass so etwas wie ein Indiebookday (was für ein schlimmes Wort, ist es überhaupt ein Wort) all dies repräsentiert, was mich an der modernen, medienorientierten, konsumfreudigen Welt so abstößt und mich eigentlich zu so etwas altmodischen hinzieht wie dem Lesen. Aus dem mairischen Verlag liebe ich die Texte eines Benjamin Maack, der kleine Geschichten abseits eines Zeitgeistes erzählt, die aber in ganz grandioser Weise die Risse und Abgründe im Alltag aufdecken. Ich finde es unangemessen, Leuten wie ihm, ein solches Marketinglabel wie Indie aufzudrücken. Das wird vielleicht einem Trendprodukt, dass man unbedingt in Berlin-Mitte meint zu brauchen, um es dann nach kurzer Zeit wieder zu entsorgen, gerecht, nicht aber einem Kunstwerk, das, wenn es gut ist, zeitlos ist.
    Dieses der Musikindustrie abgekupferte Ereignis ist eine reine Inszenierung, die Kunstwerke in Massen von Produkten des Zeitgeistes verwandelt. Leser werden in Konsumenten verwandelt, die sich Gratisproduktproben besorgen.

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    1. Hallo Chris,
      hab Dank für deinen Besuch und entschuldige bitte, dass ich jetzt erst antworte, dein Kommentar ist leider in meinem Mails untergegangen.

      Natürlich, der Indiebookday ist eine Inszenierung, ein Marketinginstrument, das einen Zweck verfolgt – aber ist das so verwerflich? Es geht ja nicht darum, dieser Literatur aus Hipness-Gründen irgendein Label zu verpassen, sondern darum, die Aufmerksamkeit der Leser zu wecken. Die Kleinverlage haben nun einmal nicht die finanziellen und personellen Ressourcen, um großangelegte Presse- und Marketingmaßnahmen zu starten, aber genau diese sind aber (u.a.) notwendig, um die Bücher einem breiten Publikum bekannt zu machen. Eine andere Möglichkeit sind da solche Aktionen, die auf die Mund-zu-Mund-Propaganda zählen: Freilich spielt da auch eine Art Statement/Lebensgefühl rein, das du mit „Berlin Mitte“ umschreibst, in erster Linie geht es aber eben doch darum, Leser auf Verlage aufmerksam zu machen, die sie sonst vielleicht nicht auf dem Schirm gehabt hätten. Es ist doch eine tolle Sache, wenn Leser, die sich bisher keinen Kopf über Indie gemacht haben, dank dieser Aktion ihren Horizont erweitern und Bücher entdecken, die sie sonst möglicherweise nie gefunden hätten, weil es wie gesagt keine Werbung gibt, keine Besprechungen in den Feuilletons und keine vorderen Regalplätze in den Buchhandlungen.

      Natürlich handelt es sich bei den Büchern um besondere Kunstwerke, denen kein cooles Etikett verpasst werden sollte. Aber auch die Autoren und Verleger dieser Werke wollen eine breite Leserschaft erreichen – und verdienen es. Da sind Aktionen wie der Indiebookday – ungeachtet des Namens, der gefallen kann oder nicht – ein möglicher Weg.

      So oder so: Wir sind uns einig, dass die unabhängigen Verlage höchst spannende Literatur machen und jede Unterstützung verdient haben, damit auch weiterhin die Vielfalt auf dem Büchermarkt gewährleistet wird.

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