Lange Nacht der kurzen Liste

Literaturhaus Frankfurt

Das Literaturhaus Frankfurt lud gestern zur Langen Nacht der kurzen Liste ein, in der fünf der sechs Shortlist-Autoren in Gespräch und Lesung ihre Romane vorstellten (Terézia Mora war leider verhindert). Der Buchpreis wird 2013 zum neunten Mal verliehen, zum fünften Mal fand diese Veranstaltung statt, eine Kooperation des Literaturhauses, des Kulturamts Frankfurt sowie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Der Kulturdezernent Felix Semmelroth sprach ein paar einleitende Worte, unter anderem darüber, wie friedlich es seiner Einschätzung nach im Feuilleton bei der Bekanntgabe der Shortlist zugegangen sei, im Gegensatz zu den Vorjahren herrsche unter den Kritikern offenbar Konsens über die gelungene Auswahl der Jury. Diese Beobachtung verwundert mich nicht, sind doch die nominierten Titel allesamt recht anspruchsvoll und somit übliche Feuilletonisten-Kost, während viele Literaturschaffende, Blogger und Leser, mit denen ich mich ausgetauscht habe, die Liste eher als sperrig empfinden.

Bestes Beispiel ist Reinhard Jirgl, der an diesem Abend als Erster die Bühne betritt und dessen Werk Nichts von euch auf Erden mich einige Mühen gekostet hat. Interviewt wird er von dem hr2-Literaturredakteur Alf Mentzer, der sowohl dieses als auch sein zweites Gespräch souverän führt. Auch wenn Jirgl sich als sehr sympathischer und eloquenter Gesprächspartner erweist, so sind seine Ausführungen möglicherweise zu komplex für die kurze Gesprächszeit, die zur Verfügung steht – ihm zu folgen dürfte für diejenigen, die den Roman nicht kennen, mitunter schwierig sein; interessant ist das, was er zu sagen hat, aber allemal. Auf Mentzers Frage hin, weshalb er, der sich bisher stets der Vergangenheit gewidmet habe, nun ins Science-Fiction-Genre gewechselt sei, warnt Jirgl vor diesem Begriff, denn nicht jeder Roman, der in der Zukunft spiele, sei automatisch Science Fiction, dazu gehöre schon mehr. Dann verweist er auf einen Schlüsselsatz in seinem Werk: Wolle man die Menschheit betrachten, müsse man – wie bei einem großen Gemälde – einige Schritte zurücktreten, manchmal in eine andere Zeit und bis auf einen anderen Planeten. Es gehe also nicht so sehr um die Zukunft, diese sei vielmehr ein Spiegelbild der Gegenwart und der Vergangenheit, schließlich verlaufe die Menschheitsgeschichte zyklisch, die Ereignisse wiederholen sich.

Alf Mentzer & Reinhard Jirgl

Nach ein paar Sätzen über den Helden, dessen kryptischer Name im Übrigen nichts anderes als ein alphanumerischer Code für »Reinhard« sei, kommen Mentzer und Jirgl auf die biomorphologischen Bücher zu sprechen, die eigentlichen Protagonisten des Romans: Sie seien, so Jirgl, der Traum eines jeden Schriftstellers, Hybride aus Buch und menschlichem Gewebe, die eine körperliche Wirkung im Leser hervorrufen. Überhaupt seien Bücher die größte Erfindung der Menschheit, nicht zufällig lasse Jirgl sie am Ende des Romans als Einzige überleben. Er habe ein Geschichtsbild jenseits der menschlichen Perspektive, konstatiert Mentzer und erzählt dazu einen Witz: »Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: Mir geht’s so schlecht, ich habe Homo sapiens. Sagt der andere: Ach, das geht vorbei.« Jirgl bestätigt Mentzers Interpretation: Die Anwesenheit des Menschen auf der Erde sei nur eine vorübergehende Episode, es gebe da eine Theorie, nach der sich frühere Organismen aufgrund ihres genetischen Programms an einem bestimmten Punkt selbst ausgelöscht haben, statt sich immer weiter zu entwickeln – es müsse nur eine entsprechende Änderung im Genprogramm des Menschen geben, dann würde auch er sich früher oder später selbst auslöschen. Genau dieses Szenario spielt Jirgl in seinem Roman durch.

Als Nächstes treten die Autorin Monika Zeiner und der SWR2-Redakteur Gerwig Epkes vor das Publikum. Epkes hangelt sich etwas ungelenk an Zeiners Biographie entlang, um sich ihrem Roman Die Ordnung der Sterne über Como anzunähern. So erzählt Zeiner, dass sie den Deutschunterricht nicht gemocht habe, bis sie einen neuen Lehrer bekommen habe, der die Schüler die Lektüren selbst auswählen ließ: Zeiner habe sich für Thomas Manns Doktor Faustus entschieden, dessen Aura sie ergriffen und sie mit dem Unterricht versöhnt habe. Sie habe dann ziemlich schnell gewusst, dass sie schreiben wollte, habe sich jedoch nicht sofort an einen Roman herangetraut, weshalb sie erst einmal mit Hörspielen begonnen habe – eine Notlösung quasi. Außerdem sei sie nicht nur Autorin, sondern auch Sängerin, zwei Tätigkeiten, die sich gut vereinbaren lassen. Die Musik beeinflusse ihr Schreiben, so sehr, dass sie aufpassen müsse, nicht zu rhythmisch, zu musikalisch zu schreiben. Und in der Tat: Was sie dann vorliest, warm und prononciert, hat einen ganz eigenen Sound, ist bisweilen mehr Songtext als Prosa. Ohne den Roman gelesen zu haben, habe ich mit Zeiner nun neben Bonné eine weitere Favoritin für den Buchpreis.

Gerwig Epkes & Monika Zeiner

Interessiert habe Zeiner an dieser Geschichte die Idee einer Liebe, die nur im Kopf stattfindet, sich jedoch nicht realisiert. Sie selbst hat über die Liebesmelancholie im Mittelalter promoviert, über die Auffassung also, dass Liebe immer unerfüllt, immer verzweifelt sei. Die Liebe sei als eine psychosomatische Krankheit definiert worden, morbus amoris, eine Form der Melancholie, die zum Tod führen konnte, wenn sie nicht kuriert wurde. Als Heilmittel galten zum Beispiel Wein, Musik und Sex mit einer anderen Person als der geliebten. Diese Auffassung sei bis in die Neuzeit hinein verbreitet gewesen, die Idee der Liebe als eine glückliche und erfüllte, einer Liebe also, die man mit der geliebten Person teilt, zum Beispiel in der Ehe – diese Idee sei relativ neu. Im Übrigen habe sie diese theoretischen Überlegungen auch in den Roman einfließen lassen, in Gestalt eines Professors, der in seinen Vorlesungen versucht, Ordnung in die Liebe zu bringen. Überhaupt gehe es ja in dem Roman um die Schaffung einer Ordnung, wie schon der Titel suggeriere.

Nach einer kurzen Pause nehmen Alf Mentzer und Clemens Meyer auf der Bühne Platz und diskutieren zunächst lange über den Begriff »Rotlichtmilieu«, den eine Figur aus Im Stein infrage stellt. Warum Meyer selbst ihn nicht im Zusammenhang mit seinem Roman verwenden möchte, wird jedoch nicht wirklich klar, und angesichts der sich im Kreis drehenden Diskussion beginnt das Publikum zu murmeln und zu kichern, worauf Meyer etwas harsch reagiert. Als wieder Ruhe eingekehrt ist, fragt Mentzer nach dem Entstehungsprozess des Romans: Zuerst, so Meyer, sei da die Nachricht gewesen, ein Vermieter sei angeschossen worden – sie sei letztendlich die Initialzündung gewesen. Lange vorher habe er aber schon die Idee gehabt, einen Roman aus den Stimmen der Frauen, den »Quasi-O-Tönen«, wie er sie gerne bezeichne, zu machen. Diese Stimmen haben etwas derart Starkes und gleichzeitig Fragiles, dass er über sie habe schreiben müssen. Doch das sei ihm nicht genug gewesen, er habe nicht einfach nur einen Roman über das sogenannte »Rotlichtmilieu« verfassen, sondern – im üblichen Größenwahn des Schriftstellers – ein Gesellschaftspanorama entwerfen wollen, das sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken und sich den verschiedensten Akteuren widmen sollte.

Alf Mentzer & Clemens Meyer

Dem habe er die Form angepasst, er habe nicht nur klassisch erzählen können, sondern die Erzählung brechen, Zerrbilder erschaffen müssen wie in einem Spiegelkabinett. Darum gebe es in seinem Roman ein permanentes Verschieben und Verschachteln von Räumen, Zeiten und Stimmen. Obwohl Meyer durchaus Interessantes zu sagen hat, wird er immer ungehaltener: Es sei schwierig, über den eigenen Roman zu sprechen, schließlich habe er ihn doch gerade erst abgeschlossen, er könne ihn selbst noch nicht fassen. »Was soll man denn als Schriftsteller immer so viel über seine Bücher reden, verdammt noch mal? Man will ja nicht alles preisgeben, der Journalist gibt doch auch nicht seine Quellen preis!« Also liest er stattdessen eine längere Passage aus dem ersten Kapitel, die das bisher Gesagte bestätigt. Anschließend gibt Meyer aber doch noch bereitwillig Auskunft über den Titel Im Stein, der bewusst kryptisch sei, schließlich sei auch das Buch kryptisch. In erster Linie bezeichne er natürlich die Stadt selbst, diesen Leipzig-Halle-Hybrid. Aber auch die Erde sei ja letztendlich nichts anderes als ein Stein, und er habe nun einmal versucht, das Ganze einzufangen, siehe Größenwahn. Außerdem seien die Immobilien gemeint, die eine der Hauptfiguren verwaltet. Und zu guter Letzt beziehe sich der Titel auf romantische Motive wie das steinerne Herz oder die versteinerten Figuren, denen der Leser folgt.

Im folgenden Gespräch das Kontrastprogramm zu Meyer: Marion Poschmann ist zurückgenommen, fast schüchtern, redet und liest mit Bedacht. Allerdings lässt sich die sonst sehr kluge FAZ-Redakteurin Sandra Kegel von der davonrennenden Zeit aus dem Konzept bringen, sodass das Interview zum Ende hin leider etwas an Stringenz verliert. Während über die Geschichte selbst kaum etwas gesagt wird, wird lange über den Schauplatz des Romans Die Sonnenposition gesprochen, ein heruntergekommenes Schloss in den neuen Bundesländern, das nun eine psychiatrische Klinik beherbergt. Poschmann habe daran der Kontrast gereizt: zum einen das Schloss, in dem die Zeichen der Vergangenheit noch sichtbar seien, zum anderen die Geschichten der Patienten, die sich dort aufhalten. Es sei ein zeitenthobener Ort, das Schloss selbst sei wie eine Insel, die Patienten an einem Endpunkt angekommen. Auf die Frage, wie sie recherchiert habe, ob sie zum Beispiel in einer Klinik hospitiert habe, antwortet Poschmann, sie habe sich zwar durchaus über psychiatrische Kliniken in der DDR-Zeit informiert, die Heilanstalt in ihrem Roman sei für sie jedoch ein poetischer Ort, sie habe kein reales Vorbild. Und genauso seien auch die Fälle der Patienten erfunden, auch ihnen hafte etwas Künstliches an.

05 Sandra Kegel & Marion Poschmann

Dem vorgetragenen Prolog ist anzumerken, dass Marion Poschmann nicht nur in der Prosa, sondern auch in der Lyrik zu Hause ist. Poetisch und zart ist ihre Sprache, aber auch schwer zugänglich. Was auffällt, ist das wiederkehrende Motiv der Sonne, die zahlreichen Licht- und Schattenmetaphern, die den Text durchziehen. Die titelgebende Sonnenposition sei laut Poschmann ein Fachbegriff aus der Astronomie, sie habe einst dazu gedient, die Zeit zu messen. Es gebe sogar einige alte Schriften mit ebendiesem Titel, locus solis, die sie sehr faszinieren – am liebsten hätte sie ihren Roman ebenfalls so genannt, letztendlich habe sie sich aber auf lateinische Kapitelüberschriften beschränkt, »Furor«, »Pati­en­tia«, »Memo­ria« und »Sple­ndor«. Spannend finde sie jedenfalls an der Idee der Sonnenposition, dass diese nie eindeutig sei, in der Tat gebe es in der Astronomie eine scheinbare Position, die aufgrund von optischen Täuschungen zustande komme, sowie die wahre, messbare. Im Grunde nehme der Protagonist in ihrem Roman eine solche Position ein, er sei ein Arzt, dessen Rolle inmitten der Patienten immer fragiler werde, nicht mehr eindeutig bestimmbar sei.

Schade, dass der insgesamt sehr aufschluss- und abwechslungsreiche Abend zum Schluss hin stark abfällt, was jedoch nicht am Autor Mirko Bonné liegt, sondern an Gerwig Epkes, der auch in diesem Gespräch den Verdacht aufkommen lässt, sich nicht sonderlich gut vorbereitet zu haben. Clemens Meyer hätte hier allen Grund, die Beherrschung zu verlieren, Bonné, der nun auf dessen Platz sitzt, bleibt jedoch erstaunlich ruhig und geduldig. Obwohl es viel über Nie mehr Nacht zu sagen gäbe, etwa über die inhaltliche Verknüpfung einer Selbstmordgeschichte mit der deutsch-französischen Geschichte oder über die Poetik von Bonné, trägt Epkes wenig Substantielles bei, stattdessen verliert er sich in nichtssagenden oder schlichtweg falschen Beobachtungen (»Die Geschwister Markus und Ira sind wohl nicht ganz zufrieden mit ihrem Leben«) und oberflächlichen Lobhudeleien (»Toll, dass der Schrotthändler Flaubert heißt, und sein Sohn heißt ja auch so – wie Sie den beschreiben: ganz toll«). Immerhin erfahren wir, dass Bonné als Übersetzer tätig ist, vor allem aus dem Englischen, mit dem er, wie er sagt, am vertrautesten ist. Er liebe diese Sprache, gerade in der Lyrik, weil sie so knapp sei und es spannend sei, eine Entsprechung für sie zu finden.

Gerwig Epkes & Mirko Bonné

Auf die Frage, weshalb die Hauptfigur seines Romans Zeichner sei, antwortet Bonné, er selbst zeichne, allerdings habe er damit – im Gegensatz zum Schreiben – nie Ambitionen verbunden, er zeichne aus dem Augenblick heraus, es sei etwas Schönes und Freies für ihn. So sei es im Grunde auch bei Markus Lee, dem Protagonisten: Er wolle die »Unbescholtenheit der Augen«, wie es bei Gottfried Keller heiße, nicht verlieren, seine Kunst also nicht instrumentalisieren, indem er dafür Geld annimmt. Und wie ein Teil von Bonné in Markus stecke, so habe sein Sohn als Coach für die Figur des Neffen fungiert, zum Beispiel wenn es um das Thema Musik gegangen sei. Das eigentliche Thema des Romans, die »Auflösungserscheinung« des Protagonisten, wird am Ende nur kurz angerissen, aber wenigstens findet der Abend mit einem Zitat aus dem Roman, einem Vers von John Keats, den Bonné selbst übersetzt hat, einen schönen und irgendwie auch passenden Ausklang: »Sich auflösen, verschwinden, und am Schluss / Vergessen, was im Laubwerk dich nie stört, / Die Qual, das Fieber und den Überdruss, / Hier wo ein jeder jeden stöhnen hört«.

Deutscher Buchpreis 2013

Presseschau:

  • Michael Roesler-Graichen: »Literatur als ›poetische Heilanstalt‹« (Börsenblatt)
  • Florian Balke: »Träumen lebende Bücher von toten Lesern?« (FAZ)
  • »Shortlist-Lesung in Frankfurt« (BuchMarkt)

12 Kommentare zu „Lange Nacht der kurzen Liste

  1. Ich mag Lesungen sehr. Lieber aber mag ich Gespräche oder wenn Autoren von sich aus erzählen. Deshalb war ich anfangs etwas traurig, bei dieser aktuell brisanten Veranstaltungen nicht dabei gewesen zu sein. Deine Schilderungen waren aber mehr als ein Trostpflaster. Dafür vielen lieben Dank! Du hast Stimmungen wie Inhalte wunderbar eingefangen.

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    1. Danke dir fürs Lob, lieber Josef.
      Oft bedaure ich es, nicht auf Lesungen in Berlin sein zu können – dort finden immer wieder sehr spannende Veranstaltungen statt, und nur die wenigsten davon kann ich besuchen. Umso mehr freue ich mich, dass Frankfurt ausgerechnet das Zentrum des Buchpreises ist und viele tolle Lesungen und Gespräche bietet. Nach der Preisverleihung geht es ja noch weiter mit den Veranstaltungen, zuerst geballt auf der Buchmesse und dann mit größeren Abständen bis ins neue Jahr hinein. Unter diesem Gesichtspunkt ist es wirklich toll, in Frankfurt zu leben. 😉

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    1. Merci fürs Lob, liebe Klappentexterin! Freut mich, dass ich die Atmosphäre so wiedergeben konnte, dass meine Leser das Gefühl haben, dabei gewesen zu sein. Ich habe lange überlegt, ob ich Kritik an den Moderatoren üben oder doch darüber hinwegsehen sollte, aber so schien es mir aufrichtiger und vollständiger. In den oben aufgelisteten Artikeln wird über die Moderatorenleistung interessanterweise geschwiegen, nur der etwas ausfällig gewordene Meyer wird thematisiert…

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  2. Liebe Caterina,
    was wäre ich gerne bei diesem Abend dabeigewesen! Aber wenigstens hast Du ihn so schön beschrieben – und unvorbereitete Interviewer getadelt! -, dass ich doch einen kleinen Einblick gewinnen konnte. Besonders schön sind ja gerade die Interviews, die die Hintergründe des Schreibens ein wenig erhellen und gerade das hast Du uns ja erzählt.
    Interessant (blödes Wort, aber mir fällt gerade kein anderes ein) finde ich auch Deine Eindrücke von Zeiners Lesung. Dass ein Text vielleicht so ganz anders wirkt, wenn er vorgelesen wird, noch dazu von jemandem, der „schön“ lesen kann und so der Rhythmus der Sprache deutlich macht. Wirst Du den Roman nun auch selbst lesen? — Ich stehe ja nach wie vor auf Kriegsfuß mit ihm und ich würde sehr mit der Jury hadern, wenn er mit dem Buchpreis ausgezeichnet wird.
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Liebe Claudia,
      ja, so eine Lesung macht in der Tat viel aus – zum Positiven ebenso wie zum Negativen. Bestes Beispiel bleibt für mich Tilman Rammstedts Premierenlesung zu Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters, die derart witzig war, dass ich das Buch – wie in einem Rausch – noch in derselben Nacht ausgelesen und auf der Stelle geliebt habe. Hätte ich Rammstedt nicht auf der Lesung erlebt, wäre mein Verhältnis zu dem Buch sicher ein ganz anderes.

      Was Zeiner gesagt hat und wie sie gelesen hat, hat mich schon sehr beeindruckt, dadurch bin ich dem Roman noch mal ein ganzes Stück näher gerückt, sodass ich ihn nun vermutlich als Nächstes lesen werde (sofern ich nicht nach der Preisverleihung die Schnauze voll habe von den ganzen Gelong- und Geshortlisteten, langsam treten Ermüdungserscheinungen auf…). Bis zur Rezension dauert es aber sicherlich noch eine ganze Weile, da musst du dich leider noch etwas gedulden.

      Bis dahin liebe Grüße,
      caterina

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  3. Liebe Caterina,

    ach Mensch, wie ich dich um den Besuch dieser tollen Lesung beneide, auch wenn der Abend mit gut vorbereiteten Interviewern vielleicht noch besser gewesen wäre – dies entnehme ich zumindest deinen Eindrücken. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, sich auf ein Interview vorzubereiten, um so trauriger, wenn dies dann in einem solchen Rahmen scheinbar nicht wirklich geschieht. Mikro Bonné konnte damit dann wohl etwas souveräner umgehen, als Clemens Meyer – lustig, dass auch die Texte der beiden diesen Eindruck spiegeln. „Nie mehr Nacht“ ist ein unheimlich ruhig und in sich ruhender Roman, während ich nach knapp 150 Seiten immer noch ganz erschlagen bin von „Im Stein“.

    Liebe Grüße
    Mara

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    1. Liebe Mara,
      deine Beobachtung finde ich sehr interessant: Stimmt, Meyers und Bonnés Temperament spiegeln sich in ihren jeweiligen Romanen wieder, Im Stein ist furios, ausufernd, manchmal zornig, manchmal komisch, Nie mehr Nacht ist still, unaufgeregt und unendlich melancholisch. Natürlich kann man nicht immer eine solche Parallele zwischen Charakter des Autors und Schreibstil ziehen, aber in diesen beiden Fällen ist die Parallele doch offensichtlich. Gleiches gilt für mich übrigens auch für die anderen Shortlist-Autoren, ganz besonders für Marion Poschmann.

      In einer Woche wirst du sie ja selbst erleben – ich freue mich schon auf den Abend!

      Viele Grüße,
      caterina

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  4. Liebe Caterina,
    vielen Dank für diesen tollen Bericht von der Shortlist-Veranstaltung. Es liest sich so, als wär man (fast) auch dabei.
    Generell bin ich ja immer sehr angetan davon, was diese Literaturhäuser in unserem Lande mit häufig geringen Mitteln so auf die Beine stellen. Schade, dass enige der Moderatoren nicht und unzureichend vorbereitet waren.
    Interessant finde ich auch, wie unterschiedlich doch die 5 vorgestellten Bücher zu sein scheinen. Das kommt ja auch bei Euren Besprechungen auch gut raus. Und wie gut manche Autoren zu ihren Texten passen (das habe ich jedenfalls bei Clemens Meyer gedacht…).
    Liebe Grüsse, Kai

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    1. Lieber Kai,
      merci fürs Lob!

      Ja, es ist wirklich beachtlich, was für tolle Veranstaltungen die Literaturhäuser anbieten, wobei man in diesem Fall der Vollständigkeit halber erwähnen muss, dass die Lesung in Zusammenarbeit mit dem Börsenverein und dem Kulturamt Frankfurt organisiert wurde. Ich glaube, es gibt tatsächlich kaum eine vergleichbar große und aufwendige Veranstaltung im Frankfurter Literaturhaus.

      Die Bücher sind in der Tat sehr unterschiedlich, da muss ich dir zustimmen. Bonnés grenzenlos melancholische Road Novel, Jirgls abgefahrenes Mars-Epos, Meyers Leipziger Berlin Alexanderplatz, Moras erschlagender 680-Seiten-Ziegelstein mit zwei parallel laufenden, visuell abgesetzten Erzählsträngen, Poschmanns lyrische Prosa und Zeiners popliterarische (?) Geschichte von der Liebe und der Musik. Dennoch haben sie alle gemein, dass sie auf gewisse Weise schwer zugänglich sind, d.h. sich durch eine inhaltliche und/oder stilistische Schwere auszeichnen. Viele, mit denen ich mich ausgetauscht habe – Blogger, Buchhändler, Autoren, Lektoren -, sind der Meinung, dass dem Buchpreis ein bisschen mehr Leichtigkeit guttun würde. Konsumierbarkeit und literarische Qualität – das scheint zumindest in den Augen der diesjährigen Jury nicht zusammenzugehen.

      Herzliche Grüße,
      caterina

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  5. Liebe caterina,

    schön bei dir noch einmal alles in der ausführlichen Form nachlesen zu können. Ich musste mich einfach kurz fassen, sonst hätte ich es gar nicht geschafft überhaupt was zu veröffentlichen. Der Abend hat mir auf jeden Fall geholfen endlich tief in die Materie einzusteigen und jetzt bin ich wirklich sehr gespannt, wer das Rennen macht.

    Liebe Grüße!!
    Die Bücherliebhaberin

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    1. Liebe Bücherliebhaberin,
      hast du eigentlich einen Favoriten? (Sofern man einen haben kann, ohne die Bücher gelesen zu haben…) Zeiner hat dir ja auch recht gut gefallen, oder? Ihren Roman würde ich gerne noch lesen, ebenso Moras, aber wer weiß, wie viel Lust ich nach der Preisverleihung noch dazu habe…

      Freue mich auf den nächsten gemeinsamen Lesungsbericht!
      LG caterina

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