Katharina Hartwell: Das fremde Meer

Katharina Hartwell - Das fremde Meer (c)

»Es ist eine Kunst, eine Herausforderung, eine unbedingte Notwendigkeit, jeden Tag und immer wieder aufs Neue nicht unterzugehen«

Die Geschichte von Marie und Jan ist eine Liebesgeschichte. Und sie ist so viel mehr. Sie ist eine Geschichte über die Einsamkeit, über die Schwierigkeit, seinen Platz in der Welt zu behaupten, über das Fremdsein und die Sehnsucht nach jemandem Vertrauten. Über das Sich-Finden, Sich-Verlieren, Sich-Wiederfinden. Und eine Geschichte über das Retten und Gerettet-Werden. Suchende – das sind sämtliche Figuren in Katharina Hartwells Debütroman Das fremde Meer: Es verwundert nicht, sind sie doch, auch wenn sie verschiedene Namen tragen, immer dieselben – eben Marie und Jan. Ihre Geschichte, die Geschichte ihrer Liebe ist es, die Hartwell auf virtuose Weise in zehn Variationen durchspielt. »Alles ist mit allem verbunden«: Dieses Zitat des Physikers John Wheeler stellt die Autorin dem Buch voran – es ist das Prinzip, auf dem die Konstruktion von Das fremde Meer fußt.

Zunächst lernen wir die Ich-Erzählerin Marie kennen, ein sonderbares Mädchen, dem es schwerfällt, Anschluss zu finden, das ändert sich auch nicht, als sie längst erwachsen ist. Sie promoviert, hat eine Handvoll Bekannte, eine Mutter und eine Schwester, zu denen das Verhältnis nicht sehr eng ist, und als sie das Gefühl hat, kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen, tritt er in ihr Leben: Jan, Kunststudent, ein paar Jahre jünger als sie. Er tritt nicht in ihr Leben, er fällt hinein, aus einem auf halber Höhe stecken gebliebenen Paternoster stürzt er auf Marie und reißt sie zu Boden, und noch während er da so auf ihr liegt, denkt sie, dass sie ihn lieben könnte. »Zu sagen, ich hätte mich verliebt, trifft es nicht. Mir ist das Englische lieber: to fall in love. Ich bin in die Liebe gefallen, ich bin in ihr untergegangen, bin versunken, mein Körper verschwand darin und alles, was ich gewesen war, was ich geglaubt hatte, über mich zu wissen.«

Es ist der fulminante Beginn ihrer Geschichte (den wir tatsächlich erst am Ende zu lesen bekommen), gleichzeitig ist es jedoch auch der Beginn von Maries Angst: der Angst, Jan könne etwas zustoßen, die Welt könne ihr dieses irre Glück, das sie gerade erst gefunden hat, wieder wegnehmen: »ich spüre einen großen Druck, etwas will mich in Bewegung setzen, will, dass ich zu dir renne, mich an dich klammere, dir eine Schutzhülle, eine Rüstung bin, eine zweite Haut aus Stahl, die dich bewahrt und beschützt vor den Schrecken der Welt und der Gefahr, von innen her auseinanderzubrechen«. Gerne würde Marie sagen, sie und Jan seien unzertrennlich, aber sie weiß: »Man kann alles trennen, teilen und spalten, sogar ein Atom«. So ist nun einmal das Leben, mit Schmerzen und Entbehrungen verbunden, doch wenn sie sich das nur oft genug bewusst macht, kann sie sich vielleicht davor bewahren.

Als Kind, als Jugendliche habe ich es gedacht, und jetzt denke ich es mehr denn je: Das Leben ist ein raues, ein stürmisches, ein gefährliches, ein unendlich weites, ein wildes, viele Geheimnisse und viele Gefahren und viele Riffe beherbergendes Meer. Und es gibt nicht viele milde Tage, und es gibt so viele Möglichkeiten, Schiffbruch zu erleiden. Und auf jedem Sturm folgt der nächste und auf jede Untiefe eine weitere. Und es ist eine Kunst, eine Herausforderung, eine unbedingte Notwendigkeit, jeden Tag und immer wieder aufs Neue nicht unterzugehen.

»Immer wieder aufs Neue«: Diese Erkenntnis von Marie spiegelt sich auch in der Erzählstruktur. Immer wieder aufs Neue wird der Leser herausgerissen aus einer Geschichte und hineinkatapultiert in die nächste, immer wieder neue Schiffbrüchige kreuzen seinen Weg. Zehn Geschichten sind es insgesamt, die von Marie und Jan zieht sich dabei durch das ganze Buch, am Anfang begegnen wir ihnen, in der Mitte und am Ende, wo sich alles zusammenfügt. Dazwischen begleiten wir Mare und Jasper, Milan und Yann, Muriel und Jonathan sowie all den anderen, in denen wir die beiden Protagonisten wiedererkennen. So unterschiedlich ihre Geschichten auch sind, so ähnlich ist ihre Grundkonstellation: Die eine Figur rettet die andere – vor dem Verlorengehen, vor den Gefahren des Lebens, vor jenen, die ihnen etwas anhaben wollen.

Da sind zum Beispiel Moira und Jonas aus der ersten Geschichte, die mich von allen am meisten beeindruckt. Sie leben in der Wechselstadt, wo Forschungen zur Teleportation aus dem Ruder gelaufen sind und kein Haus mehr davor sicher ist, im nächsten Moment zu verschwinden und an einem anderen Ort wiederaufzutauchen – mitsamt allem, was sich darin befindet. Während unbelebte Objekte nach dem Wechsel wieder ihre alte Form annehmen, gehen Menschen darin verloren, lösen sich förmlich auf, kehren nicht zurück. Jonas lebt in einem Viertel, das im Begriff ist, zu verschwinden, doch trotz dieses Wissens kann er seinen Sessel nicht verlassen, ist seltsam gelähmt, als hätte er sich dem Lauf der Dinge ergeben – bis Moira ihn findet und ihn herausholt aus der Lethargie, der Wohnung, der Wechselstadt.

Da sind Muriel und Jonathan, die mit ihren jeweiligen Müttern und niemandem sonst auf zwei sich gegenüberliegenden Inseln aufwachsen, sie können einander sehen, wenn sie mit den Armen rudern, und schreiben sich Briefe, bis Muriel vorschlägt, das Meer, das sie trennt, trotz der in ihm lauernden Gefahren zu bezwingen. Milena und Jakob, die in einem Luftschiff über der Nachtstadt fliegen, er ist ein an der Lichtkrankheit leidender und dem Tode naher Patient, sie eine Krankenschwester, die ihm einen Grund zum Leben gibt. Und schließlich die neunte Geschichte (die zehnte ist die von Marie und Jan), in der der verstorbene Johann in einer Geisterfabrik herumirrt und die Spiritographin Miriam sich auf die Suche nach ihm begibt – nicht jedoch um seine »Bewusstseinsfragmente«, wie es ihr Job vorsieht, zur platzergonomischen Konservierung stillzustellen, sondern um ihn zu befreien.

Mehrmals habe ich nun schon gehört, Hartwell spiele mit ihren Geschichten die verschiedensten Genres und die verschiedensten Stile durch. Dem ist nicht so. Ja, es kommt eine Geschichte vor, die sich auf den ersten Blick der Struktur eines Märchens bedient, und ja, einige Elemente sind der dystopischen, der fantastischen und der Abenteuerliteratur entnommen. Doch so wie auf inhaltlicher Ebene immer dieselben Motive die Geschichten miteinander verbinden (allen voran das titelgebende Meer, die dichte, alles verdunkelnde Wolkendecke, Wölfe, Geister und ein Schlüssel, wiederkehrende Figuren wie der Helfer Pip/Phyllis/Piet und der – meist namenlose – Antagonist in Gestalt eines Jägers, eines Tauchers, eines Kapitäns), so gibt es auch ein formales Muster, eine Poetik des Schreibens, die den gesamten Roman trägt.

Hartwells Geschichten sind nicht Märchen, nicht Science-Fiction, nicht Fantasy. Sie alle sind in einer Parallelwelt angesiedelt, wobei die zeitliche und räumliche Verortung vage bleibt – mit Ausnahme von »Astasia-Abasia«, das in der französischen Heilanstalt Salpêtrière Ende des neunzehnten Jahrhunderts spielt. Häufig gibt es übernatürliche Elemente: Eine Geschichte handelt von einem Geisterschiff, das die Toten von den Lebenden fortbringt, eine andere erzählt von einer Zirkusattraktion, einem Mann, der nicht sterben kann. Durch diese Verschiebung in eine Wirklichkeit, die keine rationale ist, ist allen Geschichten eine beklemmende Atmosphäre gemein, sie strahlen nicht nur etwas Unwirkliches, sondern etwas Unwirtliches aus.

Die Furcht vor den Bedrohungen der Welt, die das ganze Buch durchzieht, spiegelt sich auch in Hartwells Sprache, die behutsam ist und voller Melancholie. Für beide Protagonisten kann man sich keine angemessenere Sprache vorstellen: Sie zeichnet, wo es um die Marie-Figuren geht, das Bild eines starken, aber verlorenen Menschen, der auf der Suche ist nach einer Bestimmung; im Falle von Jan ist sie Ausdruck des wachsamen Blickes, mit dem er das Leben wahrnimmt, zugleich jedoch seiner Verletzlichkeit, der Sorge, an den Anforderungen ebenjenes Lebens zu zerbrechen. Dafür findet die Autorin so poetische Bilder wie dieses: »In letzter Zeit ist Yann oft, als zöge jemand aus dem Stapel seiner Gedanken und Gefühle den untersten Baustein hervor, sodass die Teile, aus denen Yann sich zusammensetzt, zu Boden purzeln, sich überschlagen und über den geschrubbten Küchenboden in die Ecken schlittern.«

Magisch sind die zehn Geschichten, die Katharina Hartwell in ihrem Roman Das fremde Meer vereint, magisch im doppelten Sinne: einerseits fantastisch, rätselhaft, unsere rationale Welt aus den Angeln hebend – manchmal die einzig mögliche Weise, von Dingen zu erzählen, die über die eigene Vorstellung hinausgehen, von der Liebe etwa oder vom Tod – und andererseits bezaubernd, berauschend, überwältigend. Was die Autorin sich für ihr Debüt vorgenommen hat, ist kühn und ambitioniert  – typisch Literaturinstitut, mag manch einer angesichts der Konstruktion einwenden (tatsächlich studiert Hartwell in Leipzig). Herausgekommen ist jedoch nicht etwa ein verkopftes, sondern ein klug komponiertes Werk, das den Leser sogartig in die Geschichte(n) hineinzieht und ihn tief im Innersten erschüttert. Kein Buch hat mich dieses Jahr so sehr bewegt und beeindruckt wie dieses.

Katharina Hartwell: Das fremde Meer. Berlin Verlag, Berlin 2013, 576 Seiten.

Katharina Hartwell im ocelotKatharina Hartwell bei der Premierenlesung am 8. August 2013 im ocelot, Berlin

 

24 Gedanken zu “Katharina Hartwell: Das fremde Meer

  1. Vor lauter Lektüreeindrücken habe ich ganz vergessen, von der Premierenlesung zu berichten, die am 8. August in der Berliner Buchhandlung ocelot stattfand und von Anne-Dore Krohn moderiert wurde. Das soll nun an dieser Stelle in Form von fragmentarischen Notizen geschehen:

    Das, was beim Schreiben als Erstes da war, erzählt Katharina Hartwell, sei die Idee gewesen, zehn Geschichten mit unterschiedlichen Welten und unterschiedlichen narrativen Grundhaltungen zu entwerfen. Wie genau diese Geschichten miteinander verbunden sind, das kristallisierte sich erst später, im Prozess des Schreibens, heraus.
    Oft hat sie nun schon gehört, dass jede Geschichte auch für sich stehen könne, sie selbst kann sich die Geschichten aber nicht einzeln denken, sondern nur in dieser Form eines Romans.

    Hartwell hat an mehreren Schreibwerkstätten teilgenommen, u.a. bei Markus Orths und Ursula Krechel. Solche Werkstätten, sagt sie, seien nicht dazu da, den eigenen Stil herauszuarbeiten – im Gegenteil, sie tendieren eher dazu, etwas zu glätten. Allerdings sind sie dazu gut, einem die eigene Nachlässigkeit vor Augen zu führen, man lernt, sein Schreiben zu präzisieren.
    Dabei ist die Theorie, die man dort oder auch am Literaturinstitut vermittelt bekommt, beim Schreiben selbst nicht wichtig, höchstens hinterher beim Überarbeiten. Theorie ist etwas Verkopftes und Trockenes, das erste Schreiben hingegen etwas Ekstatisches, Lebendiges.

    Auf die Frage, was Literatur bewegen kann, sagt Hartwell, sie wisse es nicht. Aber es hat viel damit zu tun, warum sie schreibt. Wenn sie an die Kraft des Erzählens nicht glauben würde, würde sie nicht schreiben. Denn die Geschichten, die wir erzählen (nicht nur schreibend, sondern auch redend), sind das, was uns ausmacht.

    Ein überaus interessantes Gespräch und schön vorgetragene Passagen – darauf stießen die Gäste, darunter viele Autoren und Branchenleute, mit Sekt, Wein und Bier an und verweilten bis weit nach Mitternacht in der Buchhandlung.

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  2. Liebe Caterina,
    nach Deiner schönen Besprechung komme ich nun ja schon gar nicht mehr an Hartwells Roman vorbei. Ich finde auch die Grundidee des Romans sehr interessant und bin ganz neugierig, wie sie umgesetzt ist. Und wenn der Roman dann auch noch so schön und poetisch geschrieben ist, wie Du schreibst, dann ist es ja bestimmt ein großer Genuss, ihn zu lesen. Er wäre, wenn ich Deine Rezension lese und die der anderen Rezensenten hier im Netz, doch vielleicht auch ein Titel für die Longlist gewesen, oder?
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Liebe Claudia,
      oh ja, ein Genuss ist es wahrlich. Meinen Geschmack hat Katharina Hartwell jedenfalls genau getroffen, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Ich mag diese beklemmende Stimmung, die Melancholie, die den ganzen Roman durchzieht, und das fantastisch-magische Element, das in jeder Geschichte wiederzufinden ist. Warum dieser große Wurf nicht auf der Longlist gelandet ist, ist auch mir ein Rätsel. Das fremde Meer war mein einziger Tipp und Favorit (was auch daran liegen mag, dass ich sehr wenige Neuerscheinungen gelesen habe). Wirklich schade, es wäre sehr verdient gewesen.

      Dir aber viel Freude damit, solltest du demnächst zugreifen.
      Liebe Grüße,
      caterina

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  3. Liebe Caterina,

    schöööööön … 🙂 ich habe mir einen Tee gekocht, mich vor den Laptop gesetzt und deinen wunderbaren Text gelesen, auch das Foto und die angefügten Eindrücke zur Lesung habe ich verschlungen. Ich freue mich so, dass dir der Roman gefallen hat, denn mich hat er ähnlich begeistern und bewegen können. „Das fremde Meer“ ist große Literatur und ich bin immer noch ein klitzekleines bisschen traurig, dass der Text es leider nicht auf die Longlist geschafft hat – wenn es ein Buch verdient hätte, dann dieses hier. 🙂

    LIebe Grüße
    Mara

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    1. Liebe Mara,
      vielen Dank für deinen lieben Worte. Ja, Das fremde Meer ist tatsächlich große Literatur, und dass es nicht auf der Longlist gelandet ist, habe ich noch immer nicht verwunden ;).
      Aber dafür bekommt es vielleicht unseren imaginären Bloggerpreis für das Buch des Jahres (ich habe das Gefühl, dass ich das dieses Jahr schon mal gesagt habe, oder? Umso besser, dann haben wir gleich mehrere Nominierte und können einen Long- und eine Shortlist herausgeben 😉 ).

      Liebe Grüße,
      caterina

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      1. Oh, das lese ich gern! Und wie sich Verlag und Autorin erst freuen würde, käme es tatsächlich zu dieser Ehre. Ich wünsche es dem Buch sehr. Wie gesagt mein diesjähriges Highlight bisher.

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  4. Wunderschöne und ausführliche Besprechung, der man deine Begeisterung für das Buch förmlich anmerkt! Der Absatz mit der Formulierung „to fall in love“ hat es irgendwie sehr vielen angetan, ist aber auch ein wirklich schönes Beispiel dafür, wie Katharina Hartwell mit Worten umzugehen weiß.

    Weil du die zweite Geschichte „Astasia-Abasia“ gesondert erwähnt hast, die einzige Geschichte die sich zeitlich verorten lässt: Erinnere ich mich falsch, oder war es nicht auch die einzige Geschichte, in der der Name der Protagonistin nicht mit „M“ begonnen hat? Tatsächlich ist es im Nachhinein die Geschichte, die für mich – auch was die Zeichen und Querverweise anbelangt – am wenigsten in den Kontext passt…

    Tut natürlich der gesamten sprachlichen und literarischen Wucht des Werkes keinen Abbruch, darüber waren wir uns ja bekanntlich einig 😉

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    1. Danke dir für deinen Besuch und die lieben Worte! Wie gesagt ist diese Rezension deutlich länger geworden als üblicherweise, da ich mich in meiner Begeisterung nicht zügeln konnte. Wenn dann nicht alle Leser bis zum Schluss durchhalten – auch nicht schlimm. Hauptsache, sie haben geschnallt, dass das Buch absolut lesenswert ist. 🙂

      Die zweite Geschichte fällt in der Tat etwas aus dem Rahmen, auch was den Namen betrifft, da hast du recht. Die Protagonistin wird ja Augustine genannt, wobei gleichzeitig auch klar gesagt wird, dass das nicht ihr richtiger Name ist: Der – so heißt es an irgendeiner Stelle sinngemäß – ist nämlich nicht bekannt, vielleicht fängt er mit M an (zumindest meine ich mich zu erinnern, dass das irgendwo stand). Und dann gibt es ja noch den Ghostboy, dessen Namen wir nicht kennen (oder habe ich ihn überlesen?), und – nun ja – Yann, aber ob J oder Y, das ist ja nun gleich. Aber ich gebe dir recht: Auch für mich fällt die Geschichte um Augustine heraus und ich musste während des Schreibens immer wieder überprüfen, ob meine Thesen auch für sie gelten. Aber irgendwie tun sie es dann doch: die beklemmende Atmosphäre, die irreale/surreale Situation – das findet man, wenn auch in anderer Form, auch in „Astasia-Abasia“ wieder.

      Wie dem auch sei: ein Buch von einer ungeheuren Intensität, da sind wir uns einig ;).
      Allerbeste Grüße!

      PS: Ich habe es nun auch endlich geschafft, meine Linkliste zu aktualisieren – auch du bist nun vertreten. Schon erstaunlich, dass man einen relativ ähnlichen Geschmack hat und sich trotzdem noch nie begegnet ist. Umso besser, dass das nun geschehen ist, deine Besprechungen – ob Film oder Buch – gefallen mir sehr. Das wollte ich nur noch mal gesagt haben ;). (Und eine kleine Frage am Rande: Wie schaffst du es, nahezu täglich eine ausführliche und fundierte Kritik zu veröffentlichen? Wann liest/guckst du? Und vor allem: Wann arbeitest und schläfst du?)

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      1. Ach, bis zum Schluss durchgehalten habe ich ohne Probleme – und sicherlich die meisten – , man wird halt nur zunächst von einem sehr lang wirkenden Text erschlagen und denkt sich „da nehme ich mir mal besser Zeit für“.

        Stimmt natürlich, dass auch Yann oder Ghostboy aus dem Rahmen fallen, aber da hat es mich einfach weniger gestört, zumal man bei Yann dieselbe Aussprache hat und bei Ghostboy ja auch diverse Szenen anderer Geschichten vorkamen und somit die Verbindung trotz fehlenden Namens gegeben war. Aber du hast Recht, ich meine mich auch zu erinnern, dass da irgendwo stand, ihr (Augustines) Name könnte mit einem „M“ beginnen. Ich würde Katharina Hartwell jetzt einfach mal böswillig unterstellen, dass sie zu dem Zeitpunkt noch nicht genau wusste, wohin die Reise geht und dass die darauffolgenden Geschichten allesamt in fiktiven Welten stattfinden würden, denn ein übersinnliches Element suche ich in „Astasia-Abasia“ recht vergeblich, ebenso wie die Querverweise noch schwach ausgeprägt sind wenngleich der Tenor und die Art der Erzählung ja durchaus zum Rest passen.

        Wie du gesehen hast, bist du ja auch unlängst in meiner Blogroll erschienen und so erstaunlich finde ich es tatsächlich nicht, dass wir uns vorher noch nicht über den Weg gelaufen sind, denn bei dem Wust an Blogs, der so existiert, schätze ich mal, dass mir/uns noch so manche Perle verborgen geblieben ist, einfach weil man ja auch irgendwo sondieren muss und sich ein Stück weit immer im eigenen Cluster umtut oder dem, was man dazuzählt. Finde ich natürlich toll, dass meine Rezensionen auch bei dir so viel Anklang finden, hört man als Hobby-Schreiberling durchaus immer wieder gerne, kann ich aber auch unumwunden so zurückgeben das Kompliment 😉

        Zu deiner abschließenden Frage: Das frage ich mich auch oft! Aber im Ernst, ich lese jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit und jeden Abend auf dem Weg von der Arbeit, manche Abende lese ich stundenlang im Bett, an anderen Abenden schaue ich Filme oder Serien. Zwischendurch bin ich natürlich unterwegs und tagsüber arbeite ich eben meist von 8 bis 17 Uhr. Die Gedanken zu meinen Texten mache ich mir zwischendurch oder kurz vor dem Niederschreiben. Als wahnsinnig fundiert würde ich die Texte jetzt auch nicht bezeichnen, bin aber – das muss man zugeben – in punkto Film und/oder Literatur mit einem annähernd eidetischen Gedächtnis gesegnet 😉 Schlafen, das merkt man wieder an der Uhrzeit meines Kommentars, tue ich meist so von 2-6 Uhr. Ich muss dann jetzt aber auch ins Bett, Bücher lesen und so 😉

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      2. Interessant, dass du Katharina Hartwell unterstellst, sie habe bei der Psychiatrie-Geschichte noch nicht gewusst, wohin die Reise geht. Wenn ich mich richtig erinnere (auf der Lesung hat sie vom Schreibprozess erzählt), war das nämlich tatsächlich die erste Geschichte, die sie geschrieben hat – gut möglich also, dass sich vieles danach erst noch ergeben hat.

        Und jene Passagen, in denen Szenen/Versatzstücke aus anderen Geschichte aufgegriffen werden (du hast sie im Zusammenhang mit dem Ghostboy erwähnt), gehören mit zu den stärksten des ganzen Romans, diese Erzähltechnik von Hartwell hat mich wahnsinnig beeindruckt:

        »Und für eine Zeitspanne, die so kurz war, dass man sie nicht ›einen kurzen Moment‹ und nicht einmal ›den Bruchteil einer Sekunde‹ nennen könnte, für diese sehr kurze Zeitspanne sah Miran zwei Inseln und eine Fabrik, ein Schiff und ein zelt. Und sie wusste von der Einsamkeit und von der Angst und vom Verschwinden und vom Hinabsteigen, vom Kämpfen und vom Aufsteigen, sie wusste vom Schlafen. Und sie wusste vom Aufwachen.«

        Ach, alles einfach sehr beeindruckend!

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      3. Nein, wenn das tatsächlich die erste Geschichte war, untermauert das meine Mutmaßung ja unerwartet in nicht geahnter Weise! Das finde ich ja toll!

        Die Szenen fand ich mitunter auch am stärksten, wo die anderen Erzählungen erwähnt worden sind, auch auf dem Luftschiff beispielsweise, wo sie ihm die Geschichten aus „Das Fremde Meer und andere Erzählungen“ vorliest. Aber ich sehe schon, dass langsam deutlich wird, warum ich um die Höchstwertung von 10/10 Punkten nicht herumgekommen bin.

        Auch wenn du heute schon einige Empfehlungen von mir erhalten hast (und mir durchaus bewusst ist, dass man da sowieso kaum hinterher kommt), muss ich, weil ich gerade eine weiteres Buch der Autorin lese, dir noch – völlig off-topic – „Pink Hotel“ (http://medienjournal-blog.de/2012/09/review-pink-hotel-buch/) von Anna Stothard ans Herz legen, weil ich mir SICHER bin, dass es dich ähnlich begeistern wird/würde. Frag mich nicht, wie ich drauf komme, weil von der Thematik hat das nicht wirklich viel mit „Das Fremde Meer“ gemein. Vielleicht liegt es tatsächlich nur daran, dass ich heute so viele Kommentare von dir beantwortet habe und zu meinen wisse, was dir gefallen könnte; ich weiß es nicht.

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      4. Du hast recht: Es ist nahezu unmöglich, sämtliche Empfehlungen jemals abzuarbeiten. Aber das bedeutet ja nicht, dass man sich nichts mehr empfehlen lassen muss ;). Ich freue mich über jeden Tipp – so auch über Anna Stothard, von der ich ehrlich gesagt noch nie gehört habe (aber jetzt wo ich mir das Cover anschaue, klingelt’s doch). Merci, merci, merci! Ich habe mittlerweile das Gefühl, deinen Empfehlungen kann ich trauen:)

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