Literarische Neuerscheinungen im Herbst 2013

Herbst 2013

Es ist wieder so weit: Ich habe die Verlagsvorschauen für euch durchblättert und meine persönlichen Highlights zusammengestellt – wie immer nur eine kleine Auswahl, der Herbst hält noch viele andere spannende Bücher für uns bereit. Zum Beispiel Artur Beckers Roman Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang (weissbooks.w), der meiner Meinung nach mit dem Preis für den brillantesten Titel der Saison ausgezeichnet gehört. Inhaltlich ist auch diesmal wieder meine Vorliebe für das Abseitige, ja, das Abgründige zu erkennen. Außerdem interessant: Vier Autoren stammen aus Osteuropa – einer Region, deren literarische Produktion unglaublich vielfältig und für den deutschsprachigen Markt von immer größerer Bedeutung ist, wie zuletzt bei der Verleihung des Bachmannpreises an Katja Petrowskaja zu sehen war.

Ein bunter Bücherherbst also, da kommt wahre Freude auf. Jetzt könnte man natürlich einwenden: sich jetzt schon auf den Herbst freuen, wo doch gerade erst der Sommer begonnen hat? Richtig, aber von Herbst kann genau genommen überhaupt keine Rede sein, denn die folgenden Titel erscheinen innerhalb der nächsten drei Monate. Wir dürfen den ‚Herbst‘ also ruhig herbeisehnen.

Donald Ray Pollock: Knockemstiff.
Aus dem Englischen von Peter Torberg, Liebeskind, München, 24. Juni 2013, 256 Seiten.

Roman Ehrlich: Das kalte Jahr.
Dumont, Köln, 9. Juli 2013, 240 Seiten. 

Ivica Djikic: Ich träumte von Elefanten.
Aus dem Kroatischen von Patrik Alac, Kunstmann, 10. Juli 2013, München, 250 Seiten. 

Katharina Hartwell: Das fremde Meer.
Berlin Verlag, Berlin, 16. Juli 2013, 576 Seiten. 

Julia Deck: Viviane Élisabeth Fauville.
Aus dem Französischen von Anne Weber, Wagenbach, Berlin, August 2013, 144 Seiten. 

Christoph Leuchter: Amelies Abschiede. Eine Lügengeschichte.
Steidl, Göttingen, August 2013, 224 Seiten. 

David Albahari: Mutterland.
Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann, Schöffling, Frankfurt, 7. August 2013, 192 Seiten. 

Sarah Stricker: Fünf Kopeken.
Eichborn, Köln, 16. August 2013, 512 Seiten. 

László Darvasi: Blumenfresser.
Aus dem Ungarischen von Heinrich Eisterer, Suhrkamp, Berlin, 19. August 2013, 860 Seiten. 

Roman Graf: Niedergang.
Knaus, München, 26. August 2013, 208 Seiten. 

István Kemény: Liebe Unbekannte.
Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász und Monika Rinck, Braumüller, Wien, September 2013, 750 Seiten. 

Justin Torres: Wir Tiere.
Aus dem Englischen von Peter Torberg, DVA, München, 30.  September 2013, 176 Seiten. 

What about you? Habt ihr Favoriten? Wie gefällt euch das Herbstprogramm insgesamt?

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17 Gedanken zu “Literarische Neuerscheinungen im Herbst 2013

  1. Liebe Caterina,

    deine ganz persönliche Auswahl begeistert mich! 😀 Vor allem auch deswegen, weil es keine alltägliche Auswahl ist und neben den Titeln, die in aller Munde sind (ein neuer Auster, ein neuer Kehlmann) einige Autoren und Titel enthält, auf die ich bisher noch gar nicht aufmerksam geworden war. Ich danke dir dafür!
    Auf meiner persönlichen Highlightliste steht natürlich das neue Buch von James Salter, das im Berlin Verlag erscheinen wird. Als großer Fan von Salter freue ich mich darauf schon sehr lange. Einen Blick habe ich außerdem auch auf Karl Ove Knausgards Roman „Spielen“ geworfen, der zum Glück erst im November erscheinen wird … denn wie soll ich diese ganzen Bücher überhaupt alle nur lesen!

    Liebe Grüße
    Mara

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    1. Liebe Mara,
      schön, dass ich dich mit meiner Auswahl begeistern konnte :). Ja, das war tatsächlich mein Anliegen: nicht (nur) auf die Großen hinzuweisen, sondern die kleinen, aber feinen Perlen herauszupicken. Das bezieht sich sowohl auf die Autoren als auch auf die Verlage (in der Tat erscheint die Hälfte der Bücher in Indie-Verlagen). Andererseits: Wäre ein Grossman oder ein Foer diesen Hebst dabei gewesen, wären sie auf der Liste gelandet ;).

      James Salter ist bisher völlig an mir vorbeigegangen, aber seinen neuen Roman habe ich sehr wohl zur Kenntnis genommen. Welches seiner Werke würdest du denn einem Salter-Einsteiger empfehlen?
      Und Knausgard habe ich natürlich auch auf der Liste, allerdings habe ich noch nicht mal die ersten beiden Titel – Lieben und Sterben – gelesen, ich würde also zunächst dort ansetzen.

      Uff, ich habe mir wieder viel vorgenommen und weiß jetzt schon, dass ich das Wenigste davon schaffe. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau :D.

      Schöne Grüße nach Bremen!

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  2. Das sind ziemlich viele Neuerscheinungen. Den Überblick nicht zu verlieren, ist da gar nicht so einfach. Vielleicht glückt es ja mit einem kurzen Text.

    Meine Insel ist von einem fremden Meer umgeben. Es heißt, weit draußen gäbe es ein unbekanntes Land. Ein Land, von dem alle Inseln wie Schollen abgebrochen wären. Ein Mutterland. Die Sehnsucht dorthin zu gelangen wird jeden Tag größer. Es ist ein kaltes Jahr, dieses Jahr. So kalt, dass ich von Elefanten träume. Auf den Feldern wächst schon lange nichts mehr. Im Frühling fraßen wir die letzten Blumen. Schneeglöckchen und Tulpen. Der Ort, in dem ich lebe, ist ein einsamer Ort. Unsere Partnerstadt ist Knockemstiff, eine Geisterstadt in Ohio – ich denke, das sagt alles. Im Sommer, der keiner war, hat sich Amelie, meine beste Freundin, verabschiedet. Ohne sie ist die Liebe das »x« in einer Gleichung, die ich nicht lösen kann. Seit sie weg ist, denke ich vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang an sie, und wo sie jetzt sein mag. Über Amelie half mir nicht einmal Vivan Elisabeth Fauville hinweg. Die einzig professionelle Französin auf unserer Insel. Ich schulde ihr fünf Kopeken. Noch ein Grund, um abzuhauen.

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    1. Chapeau, lieber Josef, ich bin ganz entzückt! Es ist mir gar nicht aufgefallen, dass die Titel eine solch hübsche und rätselhafte Geschichte ergeben, aber das liegt wohl daran, dass ich nicht das Auge eines Künstlers habe, sondern allenfalls das einer Kritikerin.

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      1. Liebe Caterina, ich wünschte, ich hätte nur das Auge eines Künstlers. Bei mir ist das echt sonderbar: ich habe zwei. Das eine mag künstlerisch motiviert in die Welt blicken, aber das andere … Ich sage dir Catarina – so kommt es mir zuweilen vor – das andere ist auch ein Kritikerauge. Beim »Künstlern« kneife ich es zu, aber das geht nicht immer, das hältst du nicht durch. Und dann hast du irgendwann beide offen und alles wird plötzlich so kompliziert und widersprüchlich. Als würde jedes Auge für sich die Dinge anders deuten. Vermutlich schiele ich dann und weiß es gar nicht.

        P.s. In letzter Zeit bin ich so albern, bitte entschuldige …
        Das legt sich wieder 🙂

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      2. Du machst vielleicht Witze, aber glaube mir, einigen meiner Autoren geht es wirklich so und haben arg drunter zu leiden. 😀

        Hab ein schönes Wochenende!

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  3. Was für eine schöne Auswahl, da wird mir vom Büchergucken und Bücherwünschen ganz schwindelig. Jetzt kann ich gar nicht mehr erwarten, dass es Herbst wird 🙂
    Als ehrenamtliche Engländerin bin ich, was die deutschen Neuerscheinungen angeht, ganz unbeleckt. Ich werde mir Deine Empfehlungen notieren und hoffen, dass ich sie nach Veröffentlichung auch auf Skoobe lesen kann.
    LG, Katarina 🙂

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    1. Das kenne ich, liebe Katarina. In meiner Zeit als Exildeutsche in Italien habe ich vom deutschen Buchmarkt auch nur wenig mitbekommen. Aber das hat auch damit zu tun, dass ich damals ’nur‘ Studentin und noch nicht in der Branche tätig war, und auch das Bloggen habe ich noch nicht sehr eifrig betrieben, weshalb ich mich mit so etwas wie Neuerscheinungen, Bestsellerlisten und Literaturpreisen überhaupt nicht befasst habe. Das ist nun zum Glück anders, aber das bedeutet auch: viel mehr Zeit, die in die Auswahl der Lektüre investiert wird statt einfach nur in die Lektüre selbst.

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  4. Liebe Caterina – das klingt spannend … Vielleicht werd ich mich mal dem einen oder anderen Titel zuwenden, wenn auch noch so einiges auf meiner Liste steht. Das ist so schwierig mit Neuerscheinungen, ich bin da ja vorsichtig mich sofort darauf zu stürzen. Gibt es einen Titel, den du besonders empfehlen würdest? Ich würde gern mal wieder etwas richtig traurig-berührendes lesen …

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    1. Liebe Katja,
      ich stürze mich auch nicht auf Neuerscheinungen, im Gegenteil: Ich kaufe und lese sie meist erst in den Saisons darauf, wenn ich genug Meinungen dazu gehört habe und sich mein Lesewunsch gefestigt hat. Von den letzten beiden Listen, die ich erstellt habe, habe ich tatsächlich jeweils nur ein Buch gelesen.
      Dennoch scanne ich die Neuerscheinungen jeden Herbst und jedes Frühjahr (allerdings erst seit kurzem), um auf dem Laufenden zu bleiben, für meinen Blog, aber auch und vor allem aus beruflichem Interesse.
      Eine Empfehlung auszusprechen fällt mir schwer, da ich erstens keines der oben erwähnten Bücher gelesen habe und ich zweitens von keinem der Autoren schon was anderes kenne. Besonders reizen mich aber Knockemstiff (bereits erschienen – die Rezensionen sind euphorisch) und die Blumenfresser.

      Herzliche Grüße!
      caterina

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  5. Das macht schon Spaß, sich durch Deinen Artikel zu lesen und dann durch die Links zu den Büchern zu klicken. Schön finde ich auch, dass Deine Auswahl ja auch auf eher unbekannte Verlage und Autoren hinweist. Und von wegen Herbterscheinungen: Das eine oder andere Buch ist ja jetzt schon zu haben! Was für ein Glück, dass uns nie „das neue Buch“ ausgehen wird – Langeweile ist uns also völlig unbekannt.
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Ja, das mit den verhältnismäßig vielen unbekannteren/kleineren Verlagen ist mir hinterher auch aufgefallen, als die Liste schon fertig war. Das hängt wohl mit unserem Indie-Projekt zusammen, dadurch hat sich mein Blick erheblich geweitet, ich setze mich jetzt viel intensiver mit den Programmen abseits des Mainstreams auseinander und habe viele neue Verlage kennengelernt. Und mir vorgenommen, ab sofort mehr Indie zu lesen, um Material für unseren Gemeinschaftsblog zu haben. An Lesestoff mangelt es ja – wie du richtig festgestellt hast – nicht :).

      Viele Grüße zurück!

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  6. Liebe Caterina

    Ich selber habe mich noch gar nicht so intensiv mit Neuerscheinungen auseinandergesetzt. Es liegt wirklich im Moment an Zeitmangel und Müdigkeit. So dass ich kaum lesen mag – auch wenn ich wolle. Du hast dir da Titel von Autoren ausgesucht, die mir gänzlich unbekannt sind. Einzig, dass auch ich den Roman „Niedergang“ von Roman Graf bereits bestellt habe.

    Ich wünsche dir schon jetzt viele schöne Perlen!

    LG buechermaniac

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    1. Ach schön, da bist du ja schon einen Schritt weiter als ich und hältst eines der Bücher bereits in der Hand. Ich bin gespannt auf deine Lektüreeindrücke!

      Ich wünsche dir in Zukunft mehr Zeit zum Lesen und Genießen.
      Herzlich,
      caterina

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  7. Liebe caterina,
    danke für die mühevolle Zusammenstellung! Ich habe gar nicht die Zeit mich durch die Programme zu wälzen aber einiges habe ich doch gefunden: es wird einen Roman von Vargas Llosa geben und im Rahmen der diesjährigen Buchmesse werden viele brasilianische Autoren im Fokus stehen. Ansonsten lese ich gar nicht sooo viele Neuerscheinungen und nehme gern auch mal ein älteres Buch in die Hand.
    Liebe Grüße
    Die Bücherliebhaberin

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    1. Liebe Bücherliebhaberin,
      ja, den Brasilianern begegnet man zurzeit tatsächlich überall, ich habe mir aber relativ wenige Titel notiert. Unter anderem Daniel Galera mit Flut (Suhrkamp) – schon mal davon gehört? Ansonsten herrscht bei mir überraschenderweise die osteuropäische Literatur vor.
      Aber auch ich werde es so handhaben wie du: wenige Neuerscheinungen lesen, stattdessen auf Altes zurückgreifen. Mein Stapel ungelesener Bücher ist nämlich unerhört groß, ich sollte mich also wirklich zügeln beim Kaufen ;).

      Liebe Grüße,
      caterina

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