Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger

Yann Martel - Schiffbruch mit Tiger (c)

»Ist nicht das ganze Leben eine Geschichte?«

Zwischen Weihnachten und Neujahr kam der Film Life of Pi ins Kino; Ang Lee, der schon so großartige Filme wie Tiger and Dragon und Brokeback Mountain drehte, führte Regie. Abgesehen von einem Hang zum Kitsch und zu arg künstlichen visuellen Effekten – vor allem dann, wenn es um die schöne und zugleich grausame Unendlichkeit des Ozeans geht – ist dieses bildgewaltige Drama für sich genommen durchaus beeindruckend. Manch ein Leser des gleichnamigen Romans von Yann Martel (2001, Schiffbruch mit Tiger zu Deutsch) mag sich darüber ärgern, dass die Geschichte – wie so häufig bei Literaturverfilmungen – stark verkürzt und mitunter umgeschrieben wurde. Mehr noch war ich allerdings vom Buch selbst enttäuscht, das ich nun, gut sieben Jahre nach der Erstlektüre, erneut zur Hand genommen habe.

Schiffbruch mit Tiger erzählt die Geschichte des indischen Jungen Piscine Molitor Patel, kurz Pi, dessen Vater einen Zoo in Pondicherry leitet. Als das Geld knapp wird, beschließt die Familie, samt Zoo nach Kanada überzusiedeln, doch mitten auf dem Pazifischen Ozean gerät der Frachter in einen Sturm und sinkt. Pi überlebt auf einem Rettungsboot – und mit ihm ein verletztes Zebra, ein Orang-Utan, eine Hyäne und der bengalische Tiger Richard Parker. Es dauert wenige Tage, da sind von der ‚Besatzung’ nur noch der Junge und der Tiger übrig. Verschiedene Strategien, das Tier loszuwerden, überlegt sich Pi, während er auf einem improvisierten Floß hinter dem Rettungsboot hertreibt. Schon bald muss er sich jedoch eingestehen, dass er im Zweikampf nicht die geringste Chance hätte. Und vielmehr noch: dass er auf den Tiger angewiesen ist.

Etwas in mir wollte nicht, dass Richard Parker starb, denn dann blieb ich allein zurück, allein mit meiner Verzweiflung, und das war ein Feind, der noch unbezwingbarer war als ein Tiger.

Und so beginnt Pi, Richard Parker mit einer Trillerpfeife zu zähmen und ihn mit Fisch und Trinkwasser zu versorgen. Ihm verdankt Pi es, 227 Tage auf offener See überlebt zu haben, bis das Rettungsboot an die mexikanische Küste gespült wird. Unglaublich – um nicht zu sagen: unglaubwürdig – erscheint den Männern, die den Untergang des Schiffes untersuchen, Pis Geschichte: Etwas ohne Tiere und ohne fantastisch anmutende Algeninseln wollen sie hören. »Aber wenn man von etwas erzählt«, lautet Pis kluger Einwand, »ist denn dann nicht immer Erfindung dabei? Wenn man diese Welt auch nur ansieht, ist denn dann nicht schon Erfindung im Spiel? […] Und wenn das so ist, ist dann nicht das ganze Leben eine Geschichte?«

Dieser Abschlussdialog stellt eine reizvolle Wende dar und lässt auch den Leser an dem, was er zuvor gelesen hat, zweifeln. Ansonsten besticht Schiffbruch mit Tiger vor allem durch die Spannung, die das aufs Minimum reduzierte Figurenpersonal und das ungewöhnliche Setting erzeugen. Ein bisschen kommt mir der Roman wie ein Kammerspiel vor – nur dass kein intimer Raum als Bühne dient, sondern der offene Ozean, der aber nicht weniger beklemmend ist, im Gegenteil. Etwas fade hingegen erschien mir das erste Drittel des Buches, in dem Pi seine Kindheit in Pondicherry wiederaufleben lässt: Zentral in diesem Teil sind einerseits die zoologischen Betrachtungen, andererseits Pis Gottesfürchtigkeit. Beides ist für die Geschichte durchaus relevant, in dieser Ausführlichkeit jedoch mühsam zu lesen. Und auch sprachlich hat mich der Roman nicht überzeugen können: gewöhnlich, ohne jegliche Raffinesse. Eine kurzweilige Lektüre, ja, aber nicht mehr das Feuerwerk, das ich in Erinnerung hatte.

Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger. Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. Fischer, Frankfurt 2005, 384 Seiten.

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19 Gedanken zu “Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger

  1. Liebe Caterina,
    ich finde es unheimlich spannend, ein Buch nach einer gewissen Zeit noch einmal in die Hand zu nehmen und zu lesen. Vor einigen Monaten habe ich das mit dem Roman von Johan Harstad gemacht und ich habe lange gezögert davor, weil ich Angst hatte, dass mir das Buch vielleicht nicht mehr so gut wie zuvor gefallen könnte. „Life of Pi“ habe ich bisher noch nicht im Kino gesehen, ich bin aber auch keine große Kinogängerin. Das, was ich bisher darüber gehört hatte, erweckte einen etwas verkitschten Eindruck bei mir. Das Buch habe ich vor etlichen Jahren gelesen, aber ich habe keinerlei inhaltliche Erinnerungen daran. Ich erinnere mich nur noch, dass ich es als zäh empfunden habe und viele Passagen auch überblättert habe.
    Viele Grüße
    Mara

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    1. Liebe Mara,
      auch ich finde es spannend, Bücher nach einer Weile erneut zu lesen – auch wenn dieses Experiment bisweilen schiefgehen kann wie im Falle von Schiffbruch mit Tiger. Mit Lolita, das lange Zeit mein Lieblingsbuch gewesen war, ist es mir glücklicherweise nicht so ergangen, und doch hatte auch dieser Roman nicht mehr dieselbe Wirkung auf mich wie noch beim ersten Mal.

      Als Zäh empfand auch ich diesmal die Lektüre von Yann Martels Roman. Viel war von meiner ersten Begegnung nicht hängen geblieben, nur ein unbestimmtes Gefühl von Begeisterung. Das hat sich diesmal leider nicht eingestellt.

      Dein Eindruck bezüglich des Films ist absolut richtig, es genügt ja, den Trailer anzuschauen, und schon wird man erschlagen von kitschigen (und doch beeindruckenden!) Bildern. Es ist ein durchaus sehenswerter Film für einen netten Popcorn-Abend, zu meinen Favoriten gehört er aber mitnichten. Schade, weil ich den Regisseur eigentlich sehr schätze und mich generell sehr für Filme begeistern kann.

      Sei lieb gegrüßt,
      caterina

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  2. Ich kann leider nur über den Film etwas sagen, weil ich das Buch nicht gelesen habe. Ich würde meinen, das werde ich auch nicht mehr. Außer es wäre das einzige Buch auf einer einsamen Insel 🙂 Womit ich die perfekte Überleitung auf den Film habe, der mich leicht ratlos auf dieser Insel zurücklässt, die so reich an Bildern, Farben und Metaphern ist, dass sie unterzugehen droht. Dabei fände ich die Frage, welche Geschichte man lieber hört – den brutalen Überlebenskampf, der aus Menschen wilde Bestien macht oder eine spannende Tiergeschichte – durchaus interessant.
    Im Film ist das so gelöst, dass man zwar mit Fortdauer der Handlung, die immer unglaubwürdiger wird, ahnt, dass da etwas nicht mehr zusammenläuft, aber dann kommt zum Schluss die eigentliche Auflösung etwas plump daher und man fühlt sich irgendwie betrogen. Was so natürlich auch beabsichtigt war, aber das geht auf Kosten der eigentlich reizvollen, philosophischen Grundfrage. Wenn ich an andere Filme denke, die unterschiedliche Sichtweisen, Orte, Zeiten … um einiges geistreicher und gewitzter miteinander verweben, so fällt Life of Pi dagegen ab.

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    1. Das Ende des Films wurde 1:1 vom Buch übernommen, wobei ich es im Buch als deutlich weniger plump empfunden habe. Dort reflektiert der Erzähler schon während der „Reise“ die Unglaubhaftigkeit seiner Erlebnisse, immer wieder betont er, dass das, was geschieht, seine Vorstellungskraft übersteigt oder nicht dem entspricht, was der Menschheit bekannt ist (allen voran die fleischfressende Algeninsel). Er nimmt also bereits vorweg, dass wir (der fiktive Autor, die Untersuchungsbeamten und wir, die Leser) das Recht haben zu zweifeln. Im Film kommt dieser Gedanke ja erst ganz am Ende auf, vorher wird einem die Geschichte präsentiert, als wäre sie ganz normal und glaubwürdig. Insgesamt gefällt mir aber die Auflösung – die Möglichkeit, dass all das nicht die fantastische Geschichte eines Jungen und eines Tigers ist, sondern die grausam glaubwürdige Geschichte von Menschen, die sich gegenseitig zerfleischen. Es bleibt ja bis zum Schluss offen, was die „Wahrheit“ ist: ob Pi sich eine Geschichte ausgedacht hat (und diese für wahr hält), weil er die wirklichen Ereignisse nicht verarbeiten kann, oder ob er tatsächlich das Rettungsboot mit einem Tiger geteilt hat. Man möchte daran glauben können, dass Letzteres der Fall ist.

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      1. Für mich bringt es dein letzter Satz wunderbar auf den Punkt: Man möchte daran glauben können. Genau an diese Stelle, an der Fantasie, Realtiät, Wunsch und geschönte Welt gleichberechtigt zusammentreffen, wollte uns Life of Pi führen. Was bleibt, ist kein objektives RIchtig oder Falsch, sondern ein persönliches Empfinden, das zwischen den Möglichkeiten oszilliert.

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  3. Hm. Ich würde das Buch nie, niemals wieder in die Hand nehmen … vermutlich genau deshalb, um den Zauber nicht zu zerstören. Ich hab es vor 10 Jahren bei Erscheinen 2002 gelesen und es hat mich sehr geprägt in meiner Auffassung von Religion und Toleranz. Die gesamte Geschichte ist für mich die schönste und beste Metapher über Gott und Religion, die man finden kann – dass eben Gott „die bessere Geschichte“ ist, ob man nun an ihn glaubt oder nicht. Es gehört zu den wichtigsten Büchern meines Lebens, und bei einer zweiten Lektüre davon enttäuscht zu werden, würde ich wohl nicht verkraften …

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    1. Deine Einstellung kann ich natürlich nachvollziehen – die Angst, das zu verlieren, was das Buch für dich bedeutet, ist größer als das Bedürfnis, noch einmal dieselben Empfindungen zu durchlaufen. Zumal du einen so persönlichen Zugang hattest zu diesem Roman (ich selbst habe keine Bezug zu Gott und zur Religion und tue mich eher schwer mit diesen Themen und auch mit der Idee, Gott sei „die bessere Geschichte“, wie du es so schöne formulierst).

      Schiffbruch mit Tiger hat mir damals gefallen, mich aber nicht wesentlich geprägt, weshalb der Verlust nicht allzu groß ist. Mir würde es wohl eher mit einem Buch wie Stichwort: Liebe von David Grossman gehen, hier würde eine negative Leseerfahrung wirklich schmerzen. Andererseits sind bei mir die Hoffnung, dass sich der Zugang zu einem Buch wie diesem auch über die Jahre nicht geändert hat, und die Lust, dieselbe Leserfahrung wieder und wieder zu machen, größer als die Angst, dass genau das Gegenteil der Fall sein könnte. Für ein Ereignis wie die Lektüre von Stichwort: Liebe bin ich bereit zu riskieren.

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  4. Als ich soeben auf Dein Blog klickte um einen neuen Beitrag von Dir zu lesen, dachte ich zuerst, oh nein, nicht das Pi-Buch. Doch bevor ich gleich wieder weg lief, erhaschte ich noch ein paar Zeilen. Dieser Roman war vor einiger Zeit Lesekreislektüre. Bei mir war der Ofen schon aus, als der Zoologensohn die Hyäne den Hunden zuordnete. Der Rest machte die Sache auch nicht besser. Unglaubwürdige Erbauungsliteratur, mit der Episode auf der Algeninsel hat er zwar noch ein Fantasyelement hereingebracht, aber das hat den Roman für meinen Geschmack auch nicht mehr gerettet.
    Von Ang Lee hat mir übrigens Eat Drink Men Women sehr gut gefallen.

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    1. Deine Abneigung kann ich gut verstehen, auch mich hat ja dieser Roman bei der zweiten Lektüre nicht überzeugen können, zum einen wegen der Längen im ersten Bereich (ausgerechnet zum Thema Gottesfürchtigkeiten, dem ich wenig abgewinnen kann, vor allem in dieser Ausführlichkeit), zum anderen wegen der sprachlichen – ich kann es nicht anders sagen – Trivialität. Die fantastischen Elemente, das Spiel mit Realität und Fantasie, Wahrheit und Fiktion finde ich da noch am spannendsten. Die Geschichte als „unglaubwürdig“ zu bezeichnen funktioniert meiner Meinung nach hier nicht, da ja genau das der Clou ist – die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Geschichten, im wahrsten Sinne des Wortes: Bin ich willens und in der Lage, an diese Geschichte zu glauben, trotz aller rationalen Unglaubwürdigkeit? Gibt es etwas, das unser rationales Denkvermögen übersteigt und das wir dennoch glauben? Aber da kommt dann wieder die leidige Frage nach der Existenz von Gott ins Spiel…

      Danke für den Hinweis auf Eat Drink Man Woman, den Film kannte ich noch nicht, er wird sogleich notiert.

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  5. Das Buch haben wir nach Erscheinen im Lesezirkel durchgenommen. Mir geht es ähnlich wie Mara – mir ist der Inhalt auch nicht mehr geläufig und wie es mir gefallen hat, kann ich auch nicht sagen. So gesehen könnte ich also problemlos den Film anschauen, ohne hohe Erwartungen zu haben. Ang Lees Filme haben mir immer sehr gefallen, nicht zuletzt Eat Drink Men Women, The Icestorm und auf alle Fälle Brokeback Mountain. Bis jetzt habe ich Bücher auch nie ein zweites Mal gelesen. Zu viel will noch gelesen werden, da wiederhole ich wohl noch lange keine Lektüre.

    LG buechermaniac

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    1. Ja, den Film kannst du dir beruhigt ansehen, es ist ein ganz nettes Samstagsabend-Kinoerlebnis. Ich habe den Fehler gemacht, unmittelbar davor das Buch zu lesen, und habe somit jede noch so winzige Abweichung gemerkt. Vor allem der Teil, der mir zentral schien, und zwar die Beziehung zwischen Pi und dem Tiger und die Art und Weise, wie sie sich miteinander arrangieren, wird im Film arg gekürzt und vereinfacht – man bekommt den Eindruck, dass Pi das Tier innerhalb weniger Tage und ganz selbstverständlich, ohne größere Schwierigkeiten oder Ängste zähmt. Aber wie gesagt: Visuell ist das Ganze schon recht beeindruckend. Tiger and Dragon hat mir allerdings in der Hinsicht deutlich besser gefallen (allerdings muss man diese chinesischen Martial-Arts-Sachen mögen).

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  6. Hallo Caterina!
    Ich habe das Buch vor einiger Zeit lesen wollen, als ich darüber in einem anderen kleinen Büchlein las. In „Requiem für einen Hund“, ein Gespräch zwischen Daniel Kehlmann und Sebastian Kleinschmidt, zitiert Letzterer daraus.

    Was die Verfilmung angeht, kann ich die also nicht mit dem Roman vergleichen, schlage aber mit meinen Eindrücken in etwa dieselbe Kerbe wie ihr. Wahrscheinlich hat er mir sogar noch ein Stückchen weniger gefallen, als Dir. Die Bilder sind in der Tat beeindruckend, vor allem am Anfang. Mit zunehmender Dauer habe ich sie dann manchmal als zu überladen, kitschig und vor allem künstlich empfunden. Das mag in dem Kontext durchaus gewollt sein, hat mich aber eher an Bob Ross auf digital erinnert, als an vielleicht beabsichtigte Assoziationen. Kurz, mich hat der Film ab der Hälfte relativ kalt gelassen. Apropos künstlich: die digitalen Animationen des Tigers wirken absolut lebensecht. Schon Wahnsinn, was mittlerweile mit Computern möglich wird.

    Vielleicht nicht wirklich vergleichbar, aber wenn es um Film als Parabel geht, dann halte ich z.B. Pan’s Labyrinth „Life of Pi“ in allen Belangen überlegen.

    Persönlich finde ich Bilder, wie sie Terrence Malick in Tree of Life lieferte weitaus spektakulärer, als die hier gesehenen. Nicht der beste Vergleich, aber ein bisschen weniger digitales Glühen und Leuchten wäre mir lieber gewesen. Ang Lee ist dafür auch gar nicht bekannt. Die genannten Filme „Der Eissturm“ oder „Eat Drink Man Woman“ haben mir auch sehr gut gefallen. Schlecht finde ich „Life of Pi“ nicht, aber irgendwie auch nicht so klug und toll, wie das andernorts oft zu lesen ist. Da pflichte ich Deiner Einschätzung vom netten Popcorn-Kino bei. Ich lasse mich schon auch gerne mal von Bildern überwältigen, da sehe ich mir aber auch lieber Filme wie „Hero“, „Tiger & Dragon“ oder „House of Flying Daggers“ an.

    Unpassend, weil in der Art völlig entgegengesetzt, mag die Erwähnung von Ingmar Bergmans Kammerspiel-Trilogie sein (erwähne ich auch nur, weil es da auch um Gott/Glauben geht). Die Filme sind sperriger, gingen mir aber bei weitem mehr unter die Haut, als dieser Film.

    Noch ein schönes Wochenende!

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    1. Lieber wortlandschaften,
      endlich sind mir mal die zahlreichen Empfehlungen, die du hier anführst, ein Begriff! 😉

      Den Vergleich mit Bob Ross finde ich unglaublich witzig und auch treffend. Alles sieht irgendwie sehr schön aus – die Farben, die Komposition -, aber es fehlt dem Bild eine Seele. Das hast du ja damit, dass dich der Film kalt gelassen hat, sehr schön ausgedrückt. Den Tiger fand jedoch auch ich überaus beeindruckend angesichts der Tatsache, dass er komplett digital erschaffen wurde. Schon erstaunlich, wozu die Computertechnik heutzutage in der Lage ist.

      Pans Labyrinth habe ich vor einigen Jahren gesehen, durchaus interessant, aber ich bin für diese Art von Filmen einfach zu zart besaitet. Tree of Life steht schon auf meiner Wunschliste, seit ich zum ersten Mal davon gehört habe, leider ist er nie in meiner Umgebung in die Kinos gekommen (oder ich habe ihn verpasst). Und die drei von dir genannten Wuxia-Filme – Hero, Tiger and Dragon und House of Flying Dagges – gehören zu meinen absoluten Favoriten, ich mag diese Art von magisch-fantastischen Kampfkunstfilmen, die mit einer unglaublichen Farbintensität und Choreografie bestechen. Vermutlich hast du es schon mitbekommen: Wong Kar-Wai (dessen In the Mood for Love zu meinen Lieblingsfilmen zählt) kommt nun mit einem Kungfu-Film in die Kinos – zwar ohne diese fantastische Komponente und mit starken Licht-Schatten-Kontrasten statt Farbspielen, aber wohl komponiertes Bilderspektakel scheint auch dies zu sein. Bin sehr gespannt.

      Nur die Filme von Ingmar Bergmann kenne ich leider nicht – eine eklatante Wissenslücke, das ist mir bewusst. Wird eines Tages nachgeholt. Bestimmt.

      Herzliche Grüße,
      caterina

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      1. Liebe Caterina,

        Pans Labyrinth (einigen wir uns mal auf die deutsche Schreibweise) ist schon brutal, aber dann auch wieder so schön und poetisch, dass ich ihn sicher nicht das letzte Mal gesehen habe. Mir gefällt der Soundtrack auch sehr gut.
        Auf den neuen Film von Wong Kar-Wai bin ich schon sehr gespannt. Ich habe alle seine Filme gesehen und auf DVD. „In the Mood for Love“ zählt auch zu meinen Lieblingsfilmen. Ich kann da jedes Mal drin versinken. Wer hätte gedacht, dass Reis holen so elegant und verführerisch sein könnte? Ich liebe diese Musik. Überhaupt eine großartige Mischung aus instrumentalen Klängen und lateinamerikanischen Songs. Da stimmt auch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Bevor ich jetzt völlig ins Schwärmen gerate, höre ich mal lieber auf.
        Ich mag Filme am liebsten, bei denen ich vergesse, einen Film zu sehen. Das sind nicht selten Filme, bei denen Atmosphäre bzw. Stimmungen im Vordergrund stehen. In the City of Sylvia ist z.B. so ein Film, den ich als Kinomagie bezeichnen würde. Die meisten Leute, die ich kenne, würden sich dabei aber wahrscheinlich königlich langweilen und/oder einschlafen.

        Film ist ein großes Hobby von mir und bedeutet mir mindestens genauso viel wie Literatur und Musik. Ich habe weitaus mehr Filme gesehen, als ich Bücher gelesen habe, ganz einfach weil sie meistens sehr viel weniger Zeit in Anspruch nehmen. Auf die Filme von Ingmar Bergman bin ich über einen seiner bekanntesten aufmerksam geworden, „Wilde Erdbeeren“, der mich sehr beeindruckt hat. Den würde ich zusammen mit „Das Lächeln einer Sommernacht“ als erstes empfehlen. Über die Jahre habe ich einen großen Teil seiner Filme gesehen, dafür aber – wenn man es so bezeichnen wollte, was ich nicht tue – andere Bereiche „vernachlässigt“. Von daher ist das für mich überhaupt keine Wissenslücke, schon gar keine eklatante. 😉 In meinen Augen nicht weniger wertvoll, als ein gutes Buch. Man kann eben nicht alles haben. (Mein plumpes Wort zum Sonntag).

        Viele Grüße!

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      2. Hab Dank für dein plumpes Wort zum Sonntag. „Yumeji’s Theme“ läuft gerade im Hintergrund – ein wunderbares Lied, seit gut zwei Jahren hat es einen festen Platz auf meinem MP3-Player, perfekt für Herbstspaziergänge. Der Trailer zu In the City of Sylvia gefällt mir, ich bin mir sicher, dass der Film etwas für mich wäre, auch wenn man in der richtigen Stimmung sein muss, um ihn genießen zu können. An Bergman werde ich mich eines Tages herantrauen, die zwei Empfehlungen werde ich auf jeden Fall im Kopf behalten.

        Einen schönen Sonntagabend wünsche ich dir!
        Liebe Grüße,
        caterina

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  7. Interessant, ich habe das Buch 2003 gelesen, am Anfang meines Studiums und fand es damals okay, ich wollte eine unterhaltsame Lektüre außerhalb der Uni-Lektüre lesen … Ich mochte den Humor, die Ironie und die Gedanken zur Religion. Doch interessanter Weise ist inhaltlich nicht so viel hängen geblieben, da gebe ich euch allen Recht. Mir erschienen die vielen skurillen Erlebnisse auch ein wenig zu skurill und zu weit hergeholt und ich glaube auch nicht, dass man allein mit einem Tiger derart lange überleben kann … Selbst als Kunstkniff und ästhetische Überhöhung oder fantastische Parabel ging es mir hier mit der Fabilierlust von Yann Martel etwas zu sehr durch … Den Film habe ich nicht gesehen, finde aber interessant, dass genau dieser Roman verfilmt wurde … Ich mag Filme und manche Romanverfilmungen sind als eigenes Kunstwerk gelungen, ich würde ihn mir irgendwann mal anschauen, ich weiß nicht, was ich davon halten würde … Schön von dir an das Buch erinnert worden zu sein, man vergisst sonst ja teilweise echt, was man so gelesen hat und wie es in einem nachgewirkt hat … Schlaf gut 😉 Caterina!

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    1. Eine kurzwilige, unterhaltsame Lektüre ist es allemal (sieht man mal von den ersten hundert Seiten ab, die – zumindest für mich – etwas mühsam zu lesen waren), aber doch irgendwie auch nicht mehr, das scheint das (fast) einstimmige Urteil über Buch und Film zu sein. Schade eigentlich, ich dachte, es würde mehr hinter dem Ganzen stecken.

      Aber Unterhaltung ist ja an und für sich nicht verwerflich, auch das ist eine Funktion von Büchern. Vergeudete Zeit war die Lektüre (und das Anschauen) von Pi also nicht für mich, ich habe mich in beiden Fällen recht gut unterhalten gefühlt. Nichts, das für die Ewigkeit bleibt. Umso besser, wenn man die Gedanken schriftlich festhält, sonst wäre es ganz und gar verloren.

      Mein Gedächtnis ist in der Hinsicht wirklich sehr unzuverlässig: Selbst von den Büchern, die mich beeindruckt haben, bleibt nach einiger Zeit selten mehr als ein vager Eindruck. Rezensionen zu schreiben ist eine hervorragende Methode, der Vergesslichkeit entgegenzuwirken – sehe ich ganz genauso!

      Auch dir eine gute Nacht! 😉

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