Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer

zsuzsabank

»Es war, als habe man uns in Sirup fallen lassen und dort vergessen«

Ungarn 1956: Der Volksaufstand, der sich gegen die stalinistische Diktatur richtet, wird von den sowjetischen Besatzungskräften niedergeschlagen, Hunderttausende Ungaren fliehen in den Westen. Unter ihnen ist Katalin, Istis und Katas Mutter. Das Dorf, in dem die Familie lebt, liegt nicht weit von der österreichischen Grenze. Eines Nachts nimmt die Mutter den Zug, ohne sich von ihren Kindern und ihrem Mann zu verabschieden, fährt bis kurz vor die Grenze, steigt aus und geht die letzten Kilometer zu Fuß, bis nach Österreich hinein, wo sie in einen Bus gesteckt wird, der sie nach Deutschland bringt. Kata und Isti wissen von dieser Reise nichts, sie erfahren davon erst Monate – oder sind es Jahre? – später von der Großmutter, die Post von der Tochter erhält.

Auf die Fragen, die die Kinder wieder und wieder stellen, antwortet der Vater Kálmán mit Schweigen oder erfundenen Geschichten, lange noch glauben die Kinder, die Mutter sei nur für kurze Zeit weg, sie komme ganz sicher bald zurück. »Es war, als habe jemand die Uhren zum Stehen gebracht, als liefe die Zeit für uns nicht weiter. So, als habe man Isti und mich in Sirup fallen lassen und dort vergessen.« Irgendwann verstummen sie, sprechen die Fragen, die sie in sich tragen, nicht mehr laut aus, obwohl sie nichts, rein gar nichts begreifen. Auch nicht, als sie längst wissen, dass Katalin vor der Unterdrückung geflohen ist – aber was bedeutet das schon für Kinder, deren Mutter einfach gegangen ist und sie nicht mitgenommen hat?

Wer uns verlassen hat, dem fahren wir nicht nach, sagten Isti und ich, und wir sagten es wie etwas, an das wir nicht glaubten, aber von dem wir uns überzeugen wollten, und je öfter wir es sagten, desto eher konnten wir es für wahr halten. Was uns gehörte und was wir zu kennen glaubten, war wenig, und es aufzugeben, war unmöglich. Unser Leben, so wenig es seit langem auch war, war doch unser Leben, und wir weigerten uns, dieses Etwas in Gefahr zu bringen. Wir hatten Angst, selbst das könnte uns verloren gehen, wenn wir es für einen Moment verließen.

Ihr Leben fällt nach dem Fortgang der Mutter auseinander, Kálmán verkauft den Hof und setzt sich mit den Kindern in den Zug. Fortan ziehen sie umher, von Ort zu Ort, wo sie für eine Weile in den Häusern von Verwandten unterkommen. »Ich habe nie verstanden, warum wir nicht geblieben waren, an irgendeinem Ort, warum mein Vater nicht ein Haus bezogen, warum er keinen Garten bestellt hatte, warum er nicht, wie alle anderen, wie jeder, dem wir begegneten, den wir kannten, einfach irgendwo geblieben war und gesagt hatte, hier leben wir.« Sie lernen die Abfahrtszeiten der Züge auswendig, um vorbereitet zu sein für den Tag, an dem sie endlich wieder nach Hause zurückkehren werden. Doch sie kehren nicht zurück, ganz gleich, wie viele Sommer und Winter vergehen.

Zur Ruhe kommen sie nur im Haus von Ági, Zoltán und deren Tochter Virág – in diesem Haus auf dem Weinberg, den man nur hinunterlaufen muss, um schon am Ufer des Sees zu sein. Hier schauen die Kinder dem Vater zu, wie er einsam schwimmt, hier lernen auch sie schwimmen. Sie sind bald untrennbar vom Wasser, so sehr, dass sie in jedem Winter sehnsüchtig den Frühling erwarten, so sehr, dass sie im März schon tastend den Zeh ins Nass halten, in der Hoffnung, es sei endlich so weit. Hier fühlen sie sich zum ersten Mal zu Hause und können ein bisschen – nur ein bisschen – ihre Mutter vergessen. Doch auch hier können sie nicht bleiben: Als das Haus am See einem Feuer zum Opfer fällt, ist kein Platz mehr für Kálmán, Kata und Isti, sie ziehen weiter, weg vom Wasser. An diesem erneuten Abschied wird Isti endgültig zerbrechen.

Von ihrer so fragilen Kindheit erzählt die Ich-Erzählerin Kata mit einer zarten Poesie. Ohne Schnörkel, ohne aufgeblähte Wort- und Satzgebilde, fast schon lakonisch: In ihrer Einfachheit und Klarheit ist Katas – bzw. Zsuzsa Bánks – Sprache ungemein klang- und auch kraftvoll. Dabei zeichnet sie Bilder voller Liebe und Melancholie von den Personen, die sie umgeben: Personen, die jede auf ihre Weise an der Last des Lebens zu tragen haben. Der Bruder Isti, der Dinge zu hören meint, die keinen Laut von sich geben, und der seinen einzigen Trost im Schwimmen findet. Oder die Großmutter, deren Haut fast durchsichtig und deren Umrisse so unscharf sind, dass es »schwer [war] zu sehen, wo sie aufhörte und wo das andere begann«. Und schließlich der schweigsame und ruhelose Kálmán, der häufig minuten- und stundenlang »taucht«, in eine Traumwelt hinabsinkt, in der womöglich seine Frau noch bei ihm ist.

[…] ich hatte das Gefühl, Isti und ich, wir waren bloß zwei Zusätze, die an ihm, an seinem Leben klebten und die er nicht mehr loswurde. Wir gehörten zu ihm, auf irgendeine Weise war es so, und er duldete uns, wie er alles um sich herum duldete, gleichgültig, was es war. Damals wußte ich nicht, ob sein Leben an ihm vorbeiglitt oder ob er es war, der durchs Leben glitt, ohne Anstrengung. Schon wie er Fäden kappte, wie er sie zerschnitt, mühelos, wie er Spuren verwischte, Fährten, denen ohnehin niemand hätte folgen können, um uns zu finden, und ich weiß nicht, ob es mich jetzt, wenn ich daran denke, stören soll, daß es so war, ob es mich überhaupt jemals gestört hat. Ich glaube, wir hatten uns gewöhnt an dieses Kommen und Gehen, an dieses Aufhören und Anfangen, wie man sich gewöhnt an etwas, von dem man weiß, es wird bleiben, ob man möchte oder nicht. Wir störten uns selbst an der Langsamkeit nicht mehr, mit der unser Leben ablief, was immer das auch war, wo immer es sich abspielte.

Zsuzsa Bánks Debüt Der Schwimmer ist der traurig-schöne Roman einer Familie, über die die Walze der Geschichte hinweggerollt ist. Eine gescheiterte Revolution und zerschmetterte Hoffnungen sind es, die diese Familie auseinanderreißen. Und doch ist es kein explizit politischer, sondern ein zutiefst persönlicher Roman, was daran liegen mag, dass Kata im ganzen Text auf der Augenhöhe des Mädchens bleibt, das sie einst war. Nie reflektiert sie aus der Sicht einer Erwachsenen über das Erlebte und schon gar nicht über die politisch-historischen Umstände; und auch wer Kata heute ist, was für ein Leben sie führt, erfährt der Leser nicht. Doch ganz gleich, wie rückwärtsgewandt und kindlich der Blick auf die Geschehnisse ist: Gegenüber dem Glück und Unglück der Personen ist er nicht minder aufmerksam, er mag sogar manche Dinge sehen, die dem erwachsenen Blick entgehen.

Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer. Fischer, Frankfurt 2005, 284 Seiten.

Nachtrag vom 02/04/2012: Eine schöne, weitaus tiefer greifende Rezension gibt es bei aus.gelesen.

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23 Kommentare zu „Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer

    1. Danke, lieber Jarg. Ich habe gerade auch deine schöne Rezension zum Schwimmer gelesen. Zwei Dinge sind mir dabei aufgefallen, die zu erwähnen ich versäumt habe, obwohl sie ganz essentiell sind für diesen Roman: einerseits die kluge Komposition und andererseits die Leerstellen und Auslassungen, mit denen sie genauso viel ausdrückt wie mit Worten.

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      1. Danke für das Kompliment. ich bin gespannt auf weitere Bücher von Zsuzsa Bank – sie hat einen ganz eigenen Ton gefunden, der ihre Romane zu einem besonderen Leseerlebnis macht.

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    1. Da hast du vollkommen recht: Dinge zu sagen, ohne sie zu auszusprechen, ist eine Besonderheit von Bánks Poetik. Kata beobachtet die Menschen, die sie umgeben, und beschreibt sie mit einer ungeheuren Präzision, ohne jedoch die Verhaltensweisen auszudeuten und zu interpretieren. Es ist nicht nötig, ihn zu benennen, um den Schmerz darzustellen, den die Figuren in sich tragen.

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  1. Eine bewegende Geschichte und eine Rezension, die mich sofort gepackt hat. Eine Mutter die ihre Kinder im Stich lässt schockiert natürlich auch. Ich bin ebenso der Meinung, dass der Blickwinkel eines Kindes für eine Geschichte sehr reizvoll sein kann und musste jetzt eine Weile überlegen, weil ich vor nicht langer Zeit erst von einem Buch gelesen habe, das auf ähnliche Weise erzählt. Es ist mir dann doch noch eingefallen, es war die Rezension von „Hotel Nirgendwo“ bei der Lesewelle.
    http://lesewelle.wordpress.com/2012/02/27/hotel-nirgendwo/

    Hast Du „Die hellen Tage“ auch schon gelesen? Das scheint ja dann thematisch an das Erstlingswerk anzuknüpfen. An Zsuzsa Bánk bin ich eigentlich nur wegen meiner Stapel ungelesener Bücher bisher vorbeigegangen (und trotzdem sind zwischenzeitlich immer mal neue Bücher hinzugekommen). Das Besondere in Bánks Poetik ist schon verlockend.

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      1. Tatsächlich? Ich meine mich zu erinnern, dass Die hellen Tage in vielen Feuilletonrezensionen den Vergleich mit dem Schwimmer nicht standhielten, auch wenn die Stimmen natürlich immer noch überaus positiv waren. Woran liegt es, dass dir Die hellen Tage mehr zusagten?

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    1. Die hellen Tage habe ich noch nicht gelesen, ich wollte tatsächlich mit dem ersten Roman anfangen (auch wenn sie nicht direkt zusammenhängen), nun werde ich aber ganz sicher auch zum zweiten greifen, sobald er als Taschenbuch erscheint. Der Schwimmer ist wirklich etwas ganz Besonderes, mit einer ganz besonderen Sprachmelodie – es wäre Vergeudung, nicht mehr davon zu lesen.

      Danke auch für den Hinweis zu Hotel Nirgendwo, auch wenn buechermaniac weiter unten schreibt, dass die zwei Texte doch nicht ganz miteinander vergleichbar sind. Interessant klingt es allemal, Vergleich hin oder her.

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      1. Danke, lieber flattersatz, für den Link zu deiner Rezension. Ich hatte sie ja damals schon gelesen, nun habe ich meine Erinnerung noch mal aufgefrischt.
        Und ja, natürlich handelt es sich um subjektive Empfindungen, nicht mehr (und nicht weniger) wollte ich von euch hören. Ein einstimmiges, endgültiges Urteil darüber, welches das bessere Buch sei, verbitte ich mir sogar 🙂

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  2. Eine sehr schöne Rezension. Das hat die Erinnerungen zu diesem Buch wieder in mir geweckt, das ich sehr poetisch fand. Und deine Rezension erinnert mich irgendwie auch an „Die hellen Tage“, das ich auch sehr mochte. Zsuzsa Bánk ist eine aussergewöhnliche Erzählerin und ihre Art zu schreiben mag ich sehr.

    „Hotel Nirgendwo“ wird zwar auch aus der Sicht eines Mädchens erzählt, aber trotzdem nicht zu vergleichen mit „Der Schwimmer“, wenn ich das noch anfügen darf.

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    1. Danke für die lieben Worte! Ja, Bánk ist in der Tat eine außergewöhnliche Erzählerin: Meiner Meinung nach liegt die Kraft dieses Romans vor allem in seiner Sprache, weniger in der Geschichte, die er erzählt, auch wenn sie natürlich für sich genommen ebenfalls sehr kraftvoll ist. Die hellen Tage werde ich deshalb auf jeden Fall auch noch lesen!

      Deine Rezension zu Hotel Nirgendwo habe ich eben auf wortlandschaftens Hinweis hin gelesen: Es gibt in der Tat einige Parallelen – die kindliche Erzählerin sowie die von Brüchen gezeichnete Familiengeschichte vor dem Hintergrund der osteuropäischen Geschichte (auch wenn sie mir in Hotel Nirgendwo viel präsenter scheint als im Schwimmer). Du schreibst, sie seien dennoch nicht vergleichbar. Beziehst du dich auf die Qualität?

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      1. Ich weiss nicht, ob das mit der Qualität etwas zu tun hat. Es ist wirklich schon Jahre her, dass ich „Der Schwimmer“ gelesen habe, aber die Sprache hat mir auf jeden Fall besser gefallen. Im „Hotel Nirgendwo“ ist sie ziemlich rauh, halt so, wie viele Jugendliche, leider, heute miteinander sprechen. Das hat sicher nichts mit der Autorin zu tun, sondern einfach mit den damaligen Umständen und der Zeit.

        Und noch ein Wort zu „Den hellen Tagen“: der Roman hätte um etliche Seiten gekürzt werden können, ohne dem Buch zu schaden. Aber mach dir selber ein Bild darüber, ich bin gespannt, was du dazu meinst.

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      2. Raue Jugendsprache, das stößt mich fast schon wieder ab. Salingers The Catcher in the Rye hat mir damals körperliche Schmerzen zugefügt, so verstümmelt kam mir die Sprache vor.
        Aber das ist auch das Besondere am Schwimmer: Zsuzsa Bánk imitiert keinen Jugendjargon, ihre Sprache ist voller Poesie, und dennoch finde ich es absolut glaubhaft, dass sie aus dem Munde einer kindlichen/jugendlichen Erzählerin kommt, eben weil es sich um keine pompöse, verschnörkelte Poesie handelt, sondern um eine, die duch Klarheit und Knappheit und auch durch Unausgesprochenes besticht.

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  3. Ich habe „Der Schwimmer“ vor einer gefühlt sehr langen Zeit als Hörbuch gehört, doch jetzt, wo ich deine Rezension lese, fällt mir wieder auf, dass Hörbücher einfach nicht in meinem Kopf bleiben wollen, sondern schlichtweg durchrauschen. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich die Stimmung sehr besonders fand. Wie schade.
    Aber gleichzeitig auch schön, dass ich nun deine Besprechung lesen durfte und dadurch daran erinnert wurde, auch wenn die Eindrücke nur noch flüchtig durch meinen Kopf wehen und sich wie ein vergilbtes, aber irgendwie schönes Erinnerungsfoto anfühlen.

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    1. Mit Hörbüchern habe ich ohnehin so meine Schwierigkeiten. Ein paarmal habe ich es versucht, mit den verschiedensten Texten, aber mehr als ein „Durchrauschen“, wie du es so treffend nennst, war es nie. Und zwar rauschte es so sehr durch, dass ich sogar während des Hörens es nicht schaffte, der Geschichte zu folgen, ich schweifte permanent ab und erwischte mich dabei, wie ich auf einmal ganz andere Dinge machte und mich nicht auf den Text konzentrierte. Vielleicht liegt es an den Situationen – vielleicht sollte ich es mal in der Badewanne probieren oder beim Spazierengehen.
      Und selbst wenn ich es durchhalten würde, fände ich es schade, dass von einem Hörbuch am Ende weniger übrig bleibt als von einem Buch. Eben nur eine Stimmung – wie du es beschreibst – statt eines präzisen Eindrucks oder gar einer Sammlung von schönen Zitaten.
      Aber es freut mich, dass meine Rezension dir die Stimmung wieder in Erinnerung gerufen hat. Auch das ist ja manchmal schon genug…

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  4. Ich danke auch für die vielen Meinungen zu Bánk (da habe ich jetzt wirklich Lust bekommen) und den kleinen Dialog zum „Hotel Nirgendwo“ und der Sprache in beiden Büchern bzw. im Allgemeinen. Bezüglich der Jugendsprache schließe ich mich grundsätzlich Caterina an, gefolgt von einem leisen Aber. Leise, weil ich mir gar nicht so sicher bin, was die Jugendsprache betrifft. Wenn es nur um das Raue geht, eventuell noch darum, durch besondere Schärfe aufzufallen, dann ödet mich das an. Bei „Lebt wohl, Cowboys“ ging es auch mal derb zu, aber es hat riesigen Spaß gemacht. Wahrscheinlich bezeichnet man das nicht als Jugendsprache. Da fällt es mir sowieso schwer, das irgendwie zu kategorisieren. Muss man auch gar nicht.

    Ansonsten hilft nur eines, selber lesen. 😉

    PS: Toll wieder, wie Du das Buch farblich in Szene gesetzt hast!

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    1. Du hast schon recht. Mir fällt es schwer, zu erklären, was für mich das Unerträgliche an der Jugendsprache ist – ja sogar, was Jugendsprache eigentlich ist. Wodurch zeichnet sie sich aus? „Rau“, wie buechermaniac und ich es nannten, ist vielleicht gar nicht das richtige Wort, jedenfalls würde ich Holden Caulfields Sprache, die mich maximal nervte, nicht als solche bezeichnen. Vielleicht eher als „schnoddrig“. Rauheit und Derbheit können durchaus interessant sein, wie im Falle von Lebt wohl, Cowboys (das übrigens nach wie vor auf meiner Wunschliste steht), es muss nicht immer Poesie sein!

      PS: Danke für das Kompliment 🙂

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  5. Liebe caterina,

    so, nun habe ich das Buch beendet. Ich bin bewegt und wieder erstaunt, wie kraftvoll die Sprache der Autorin ist. Aber ich muss am Ende sagen, dass mir der andere Roman – „Die hellen Tage“ – viel mehr gefallen hat. Warum? wirst du fragen. „Der Schwimmer“ konnte meine Aufmerksamkeit nicht immer halten, oft bin ich abgeschweift. Ganz komisch war das, bisweilen befremdlich. Lag es an der Aufteilung, die vielen einzelnen Blöcke? Ich weiß nicht, warum. Anfangs wollte ich das Buch sogar zur Seite legen, weil ich dachte, es ist nicht die richtige Zeit. Doch ich bin dabei geblieben, weil ich mehr und mehr wusste, dies hat hier nichts mit „der richtigen Zeit“ zu tun, sondern ist ein Grundelement, das hier reingehört. Meine Augen sollten auch schwimmen und so habe ich mich an das Zurücklesen gewöhnt. Zu „Die hellen Tage“ hatte ich von Anfang an eine andere Beziehung. Das Buch war so schön warm und unwahrscheinlich geschmeidig. Vielleicht ist es das, was mir hier fehlte, wenngleich ich erneut auf die besondere Erzählweise traf, die Poesie, die mich an zarte Blüten denken lässt.
    Du hast jedenfalls die richtigen Worte für dieses feine Werk gefunden und mir einen Schwimmreifen für meine Augen zugeworfen. ; ) Dafür danke ich dir.

    Herzlichst,

    Klappentexterin

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    1. Liebe Klappentexterin,
      danke für deine Worte.

      „Meine Augen sollten auch schwimmen und so habe ich mich an das Zurücklesen gewöhnt“: Deinen Eindruck, für den du ein sehr schönes Bild gefunden hast, kann ich gut nachvollziehen. Der Schwimmer ist ein sehr fragmentarisches Werk, Erinnerungen reihen sich lose aneinander, es gibt keine stringente Handlung – genauso wenig wie die Protagonisten eine kohärente Biographie haben. Das Leben von Kata, Isti und Kalmán wird uns genauso bruchstückhaft präsentiert, wie es war. Es ist schwer zu fassen, kaum wollen wir danach greifen, verflüchtigt es sich. Und so kann ich verstehen, dass sich manchmal auch die Aufmerksamkeit des Lesers verflüchtigt :). Aber das finde ich nicht schlimm. Meiner Meinung nach ist es ein Buch, das man auch mal ein paar Tage zur Seite legen und ruhen lassen kann. Die schöne Stimmung, die es erzeugt, geht dabei nicht verloren.

      Ich freue mich nun sehr auf Die hellen Tage, ich bin mir sicher, dass auch dies ein besonderes Leseerlebnis für mich sein wird.

      Liebe Grüße,
      caterina

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  6. Banks Roman ist einfach nur schön. Die Protagnositin erzählt auf eine sehnsuchterweckende, melancholische und mitleiderweckende Weise und trotzdem kommen Stellen, worin das Mädchen sehr ernste Themen anspricht, ohne diese wirklich zu verstehen oder darüber nachgedacht zu haben. Die mitreisende Handlung und die schönen Charakterzügen machen das Buch zu einem Meisterwerk, welches ich Jedem weiterempfehlen würde!

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    1. Lieber Träumer, danke für deinen Kommentar. Ganz genauso habe auch ich die Lektüre empfunden: melancholisch schön, Sehnsucht erweckend, mitreißend, vor allem zum Ende hin. Freut mich, dass du ein so wundervolles Leseerlebnis hattest wie ich. Lieben Gruß

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