Philip Roth: Der Ghost Writer

Philip Roth - The Ghost Writer (c)

Nathan Zuckerman, a promising 23-year-old author of short stories and protagonist of Philip Roth’s novel The Ghost Writer, is invited by the established storyteller E. I. Lonoff to his farmhouse, which overnight becomes a place of self-reflection for all those present—the two authors, Lonoff’s wife Hope and his former student Amy Bellette—, though the next morning doesn’t suggest any solutions for the conflicts, dissatisfactions, and wishes of the four protagonists and leaves things unconcluded.

Nathan hasn’t been talking to his father for three weeks after having been accused to do harm—by means of his latest story—not only to the family’s but to all the Jews’ reputation, which even led to him being blamed for anti-Semitism. While Nathan idolizes Lonoff and the kind of life he’s living, the elder is bored and annoyed by his writing existence, since he is doing nothing but turning around and around again the sentences he has composed, and hates any diversions and noises, any so-called pleasures imposed by the family life, any social duties, which only distract him from the process of writing. His wife Hope is fed up with feeling disruptive and superfluous, fed up with having no social life and pretending not to be there and not to have needs.

And last Amy, who doesn’t only consider Lonoff a fatherly teacher whom she owns a lot, but she actually is his lover and wants him to come with her to live in Europe. Attracted by her beauty and her mysterious air and curious to know about her past, Nathan imagines her to be Anne Frank—indeed he sees a slight resemblance—who did not die in the concentration camp like the whole world believes, but who is alive and decided to hide her existence in order to avenge »the motherless, fatherless, sisterless thing« she is: »I wanted tears, I wanted their Christian tears to run like Jewish blood, for me. I wanted their pity—and in the most pitiless way. And I wanted love, to be loved mercilessly and endlessly, just the way I’d been debased. I wanted my fresh life and my fresh body, cleansed and unpolluted. And it needed twenty million people for that. Twenty million ten times over«.

But when Nathan tries to make Amy-Anne reveal her secret, she doesn’t react in the way he expected or hoped her to, she’s elusive, and her story remains vague. As vague and unconcluded as everyone else’s story in this novel. The four protagonists are unsatisfied by their lives or by their current situations, and yet unable to change their conditions. The Ghost Writer, first published in 1979, is about identity—especially the American Jewish one—, about dealing with the own past and with history, about writing, the power of words, and the author’s responsibility to his subjects: motifs which recur in many Roth works.

Philip Roth: The Ghost Writer. Vintage, London 2005, 192 Seiten. / Philip Roth: Der Ghost Writer. Aus dem Amerikanischen von Werner Peterich. Rowohlt, Reinbek 2004, 240 Seiten.

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8 Gedanken zu “Philip Roth: Der Ghost Writer

  1. Danke für das aufmerksame Lesen und Mitdenken.
    Das Buch steht (bisher ungelesen) in meinem Regel und wurde in der Tat schon in Betracht gezogen, als es noch ganz generell um Holocaust-Literatur ging. Mittlerweile grenze ich das Thema – gezwungenermaßen – stark ein, so dass dieser Text aus inhaltlichen Gründen leider nicht mehr in Frage kommt.
    Hast du ihn schon gelesen?

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  2. Ja, ich hab’s gelesen. Streckenweise harter Tobak, ich dachte an dich, weil es einige detaillierte Beschreibungen von Lagerjuden gibt, die durch die Straßen gestrieben werden. Empfehlen kann ich das Buch aber auch ohne wissenschaftliches Interesse auf jeden Fall!

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  3. Kennst du Hannah Arendt? Das ist zwar nicht Fiktion und auch keine Romane, aber die Frau beschäftigte sich auf außerordentlich interessante und inspirierende Weise mit der Frage: Wie weiterleben/schreiben/denken nach dem Zivilisationsbruch Holocaust?
    Sie war selbst Jüdin, ist rechtzeitig ins amerikanische Exil gegangen und hat dort weiter gearbeitet. Vielleicht nicht genau dein Thema, aber möglicherweise interessant zur Einbettung/Kontextualisierung bzw. als Blickwinkel auf das Thema Holocaust außerhalb der Fiktion?
    Kann dich da gerne mit einer Bibliographie versorgen, falls Interesse besteht. Im Übrigen auch hochinteressant ohne den Kontext Masterarbeit.

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    1. Liebe Svenja, ich danke für deine regen Gedanken und Beiträge zu meinem Thema und finde stets sehr interessant, was du mir empfiehlst. Die Arendt ist mir natürlich ein Begriff, in meinem Regal steht „Eichmann in Jerusalem“ und wartet darauf, gelesen zu werden. Aber wenn du dich mit ihr auseinandergesetzt hast (was ich nie wirklich getan habe), dann kannst du mir vielleicht passendere Texte nennen, die sich mit der von dir formulierten Fragen (wie weiterleben/denken/schreiben nach Auschwitz) befassen.
      Hierzu möchte ich dir ganz kurz umreißen, was ich eigentlich vorhabe: Ich werde wohl das Motiv der Identität nach Auschwitz untersuchen – sei es das (Weiter)Leben nach der Holocausterfahrung seitens der Überlebenden, sei es der Umgang mit dem Erbe der Eltern seitens der Nachgeborenen. Dabei möchte ich allerdings literarische Erfahrungstexte von Überlebenden ausklammern und mich auf die Fiktion konzentrieren (was aber Autobiographisches nicht ausschließen soll). Texte werden auf jeden Fall sein: Grossman, Krauss, Foer, Sebald und andere.
      Wenn du also zu dieser Frage nach der Identität und der Verarbeitung der Shoah etwas Konkretes von Arendt weiß, wäre ich für jeden Hinweis dankbar!

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  4. ah und eines noch: hast du dich mal bei Peter Weiss umgesehen?
    „Abschied von den Eltern“ und
    „Die Ermittlung“. Letzteres ist ein Hörspiel:
    Nach Ende des Krieges herrscht in Deutschland Schweigen, das Grauen der Konzentrationslager ist ein unbequemes Thema. Stockend, qualvoll ist die Erinnerung der Opfer an die Demütigungen, als die Zeugen im Frankfurter Auschwitz-Prozess aussagen gegen 18 Aufseher und Ärzte des ehemaligen Todeslagers. Unter den Zuhörern sitzt Peter Weiss und komprimiert später die Gerichtsprotokolle zu einem „Oratorium in 11 Gesängen“. Angeklagte wie Zeugen sprechen darin die Worte der echten Opfer, der tatsächlichen Täter. Und diese Worte erzeugen Bilder, die sich in den Kopf brennen, um dort für immer ihren Platz einzunehmen.

    Vielleicht relevant für dich?

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    1. Danke auch hierfür. Wird eines Tages mit Sicherheit gelesen, aus persönlichem Interesse. Aber in meine jetzige Arbeit werde ich Peter Weiss erst einmal nicht mehr integrieren. 1. weil die Texte sich nicht mit der Fragestellung befassen, der ich nachgehen möchte (siehe oben). 2. weil ich mich nicht an ein Theaterstück wagen würde. 3. weil ich meine Liste von Primärliteratur vorerst abgeschlossen habe (ich habe bereits mindestens 9 Bücher gewählt, die ich auf jeden Fall besprechen will, was eigentlich schon zu viel ist für eine Masterarbeit, und ich möchte noch ca. 5 weitere Texte lesen: Da ich aber zeitlich in Verzug bin, was die Absprachen mit meinem Prof betrifft, habe ich mir erst einmal einen Recherchestopp bezüglich der Primärtexte gesetzt und widme mich in den nächsten Tagen hingegen endlich mal der Sekundärliteratur).

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  5. Eigentlich ist das die Hauptfrage Hannah Arendts: wie (speziell als Jüdin) kann man nach der Katastrophe weiterleben?

    Was ich dir (an kürzeren Sachen) empfehlen kann:
    – den Artikel „We Refugees“, Infos dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wir_Fl%C3%BCchtlinge
    – ihre Rede anlässlich der Verleihung des Lessing-Preises. In: Menschen in finsteren Zeiten.
    hieraus auch das Vorwort.
    – das Fernsehinterview mit Günter Gaus in mehreren Teilen (Youtube): http://www.youtube.com/watch?v=coAVzw4IPf8

    Ausführlicher geht es dann weiter in
    – Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft.

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