Talk Noir: Wir reden über Krimis und Geld

talk noir _ ausschnitt

Im Frühjahr habe ich mich für We read Indie mit Wolfgang Franßen unterhalten, dem Gründer des zwei Jahren jungen Polar Verlages. Wolfgang macht nicht bloß Bücher, er hat auch ein Magazin, die Polar Gazette, sowie eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die sich der Noir-Literatur widmen. »Die Buchbranche ist im Umbruch«, sagt er. »Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Geschichten von Lesern angenommen werden. […] Hat es früher gereicht, ein Buch zu drucken und in den Buchhandel zu geben, erwarten die Leser von uns heute mehr. Zusätzliche Formate. In Gestalt von Blogs, Videos oder Online-Magazinen. Das Phänomen der Community hat das Erscheinungsbild und das Auftreten der Verlage bereits grundlegend verändert.«

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Helen Macdonald: H wie Habicht

Macdonald - H wie Habicht (c)

»Der Habicht war all das, was ich sein wollte«

Schwer zu sagen, was mich an Helen Macdonalds H wie Habicht von Beginn an fasziniert hat. Ich lese für gewöhnlich keine Sachbücher, schon gar nicht über etwas, das mir einigermaßen gleichgültig ist – und Greifvögel sind es. Ich weiß rein gar nichts über sie und verbinde nichts mit ihnen: Warum mich also über vierhundert Seiten mit ihnen befassen? Vielleicht ist es dieselbe unerklärliche Faszination, die auch die Reihe »Naturkunden« aus dem Hause Matthes & Seitz ausübt. Wie gut jedenfalls, dass ich meinem Instinkt schließlich gefolgt bin: H wie Habicht ist ein eindrucksvolles Hybrid aus Naturbetrachtung, Selbsterfahrungsbericht und literaturgeschichtlichem Essay, es zeigt, das jede dieser Gattungen ein literarisches Ereignis sein kann.

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Hinter den Kulissen des Deutschen Buchpreises

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Noch knapp zwei Wochen, dann wird die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 bekannt gegeben. Die Buchpreisblogger sind bereits in den Startlöchern, ab dem 23. August werden sie die zwanzig nominierten Romane lesen und diskutieren. Als Redakteurin der Facebook-Seite halte ich die Fäden des Projekts zusammen – und nutze die Wartezeit, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Was hat es eigentlich mit dem Deutschen Buchpreis auf sich? Wer sind die Köpfe dahinter und was tun sie das ganze Jahr über? Antworten auf diese und weitere Fragen geben mir Birte Hansen-Kohlmorgen und Gunvor Schmidt, die im Referat für Literatur- und Leseförderung vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels arbeiten und dort gemeinsam mit einer Handvoll Kolleg*innen den Buchpreis koordinieren.

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#netzrundschau 07/2016

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# das feuilleton, die blogger und die demokratisierung der literaturkritik

Es ist mal wieder so weit, die Debatte um die Zukunft der Literaturkritik und das Selbstverständnis der Blogger ist in eine neue Runde gegangen. Auslöser war eine Glosse von Marc Reichwein in der Welt über Tobi, den Betreiber der Seite Lesestunden, der sehr viel Mühe und Zeit dafür aufwendet, die Blogsphäre in Statistiken und Grafiken greifbar zu machen, zuletzt anhand ihrer Lesegewohnheiten. Es folgte ein Aufschrei quer durch die Szene, samt passendem Hashtag: #ThePowerofBlogs, ins Leben gerufen von Pinkfisch Sarah; auch beim novelero und im buchrevier gab es indirekte Repliken auf Reichweins Artikel.

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Acht Betrachtungen II

Gorschlüter & Hückstädt - Acht Betrachtungen (c)

8 Autoren, 8 Kunstwerke

Frankfurt ist reich an erstklassigen Literaturorten und literarischen Happenings, es gibt Tage, da weiß ich vor lauter Auswahl gar nicht, wohin, und bleib stattdessen daheim auf dem Sofa, auch das quasi ein Ort der Literatur. Meistens gehe ich aber doch raus und gucke mir all die schönen Sachen an, die hier passieren: Eine der schönsten ist die Reihe »Acht Betrachtungen«, eine Kooperation des hiesigen Literaturhauses und des Museums für Moderne Kunst, die 2013 Premiere feierte und dieses Jahr in die zweite Runde gegangen ist. Acht Autoren schreiben über je ein Kunstwerk: Die Texte werden bei vier Doppellesungen im Museum und einer Abschlussveranstaltung im Literaturhaus präsentiert, eine liebevoll gestaltete Anthologie gibt’s obendrauf.

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Im Gespräch mit Martin Lechner

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»Literatur kann bewirken, dass die Dinge, die man kennt,
ins Unbekannte abschwenken.«

In der Reihe »SeitenBlicke« führe ich in unregelmäßigen Abständen Gespräche mit Literaturschaffenden aller Art – Autoren, Verlegern, Buchhändlern, Veranstaltern, Bloggern und anderen enthusiastischen Büchermenschen. Wir unterhalten uns über ihre Werdegänge, über das Lesen und Schreiben im Zeitalter der Digitalisierung und darüber, was Literatur kann und möglicherweise sogar muss. Heute kommt der Autor Martin Lechner zu Wort, der zuletzt den Erzählband Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen im Residenz Verlag veröffentlicht hat. Alle bisherigen Gespräche dieser Reihe können hier nachgelesen werden.

lechner© Katja Boldt

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#netzrundschau 06/2016

#tddl16

Klagenfurt allerorten! Gefühlt meine komplette Timelime befindet sich derzeit am Wörthersee bei den 40. Tagen der deutschsprachigen Literatur, nur ich nicht. Ich gucke nicht einmal aus der Ferne zu und gelesen habe ich bislang auch noch nichts, mit Ausnahme natürlich von Twitter, was ja sowieso immer viel unterhaltsamer ist als die Beiträge selbst. Dabei können sich die Autoren, die beim diesjährigen Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis antreten, wirklich sehen lassen – auf meiner Leseliste stehen bereits die Debüts von Isabelle Lehn, Sascha Macht und Jan Snela, die allesamt 2016 erschienen sind bzw. noch erscheinen. Eine intensivere Auseinandersetzung mit den TDDL findet zum Beispiel im Magazin tell statt, wo Samuel Hamen anhand der Videoporträts der Autoren launige Prognosen über ihre Performances und die anschließenden Jurydiskussionen wagt.

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