Sibylle Berg: Der Mann schläft

Die Geschichte einer unaufgeregten Liebe
Weil Weihnachten ist und ich von den vielen Süßigkeiten und vom schummrigen Kerzenlicht müde und bequem werde, vernachlässige ich das Schreiben und verwerte stattdessen eine Rezension wieder, die zu einer Zeit entstand, in der mein Blog kaum Leser hatte und somit beinahe unbemerkt vor sich hin vegetierte. Das mag für einen Großteil meiner damaligen Schriften nicht weiter tragisch sein – doch das hier besprochene Buch, das 2009 für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde, hat alle Aufmerksamkeit verdient. Sollte euch also noch ein Weihnachtsgeschenk fehlen (für eure Liebsten oder euch selbst), greift zu diesem großen Roman, seit Juni gibt es ihn auch im Taschenbuchformat. Ich wünsche euch entspannte Festtage.
Der Mann schläft. In all seiner Einfachheit fasst dieser Titel zusammen, was für die Erzählerin Liebe bedeutet: eine «ruhige und stille» Liebe, weit weg von jeder Einmaligkeit und jeder Aufregung. Weit weg von dem, «was uns französische Filme zeigten, Begierde, nächtelange Diskussionen über Gefühle, um die Leidenschaft wieder zu beleben, Geschlechtsverkehr unter regennassen Laternen, viel, viel Leiden und am Ende schweigendes Sitzen in einer französischen Küche, dann steht einer auf und geht, ohne die Tür zu schließen». Ihre Leidenschaft hat nichts Körperliches inne, sie besteht in dem Wunsch, den Mann zu beschützen: ihn atmen zu hören und zu beobachten, während er schläft. Den Rest des Beitrags lesen »
